Obwohl der Zugang zu wirksamen und erschwinglichen Verhütungsmitteln in Europa weiterhin ungleich ist, gehen Experten davon aus, dass sich die Situation auf dem Kontinent insgesamt verbessert hat.
Die Verwirrung Ende 2025 über die in Europa gelagerten Verhütungsmittel im Wert von Millionen Dollar – zwischen den widersprüchlichen Darstellungen der Vereinigten Staaten und der flämischen Regierung – machte ein tieferes Problem deutlich: Der Zugang zu modernen, wirksamen und erschwinglichen Verhütungsmitteln ist in der EU weiterhin ungleich verteilt.
Der 2026 Contraception Policy Atlas des Europäischen Parlamentarischen Forums für sexuelle und reproduktive Rechte (EPF) zeigt, dass Frankreich (97,9 %), Portugal (93,8 %), Luxemburg (93,3 %) und Belgien (89,8 %) das zweite Jahr in Folge die Liste der EU-Länder mit dem besten Zugang zu Verhütungsmitteln anführen.
Trotz seines Spitzenplatzes ist Belgien zwischen 2025 und 2026 leicht zurückgefallen: von 90,3 % auf 89,8 % (minus 0,5 Prozentpunkte).
Betrachtet man ganz Europa, liegt das Vereinigte Königreich mit 95,8 % hinter Frankreich auf dem zweiten Platz.
Am anderen Ende der EU-Rangliste stehen die Slowakei (32,2 %), Ungarn (36,9 %) und Polen (38,9 %). Betrachtet man den gesamten Kontinent, zählen auch die Türkei (37,6 %) und Russland (37,8 %) zu den fünf Schlusslichtern.
In Polen gewinnt die Vasektomie als Methode der permanenten Empfängnisverhütung bei Männern zunehmend an Beliebtheit. Schätzungen zufolge werden im privaten polnischen Gesundheitssystem jährlich rund 5.000 Vasektomien durchgeführt.
Ein Ost-West-Gefälle
In den vergangenen fünf Jahren haben sich die politischen Rahmenbedingungen für Empfängnisverhütung in Europa deutlich verändert, unter anderem durch das Aufkommen pronatalistischer politischer Agenden und durch Veränderungen in der reproduktiven Gesundheitsversorgung.
Zudem besteht weiterhin ein deutliches Ost-West-Gefälle beim Zugang zu Verhütungsmitteln in Europa.
Osteuropäische Länder liegen aufgrund restriktiver Politik und mangelnder Unterstützung für den Zugang zu Verhütungsmitteln häufiger am unteren Ende der Rangliste.
Die westeuropäischen Länder an der Spitze bieten hingegen häufig auch Verhütungsmittel im Zeitraum nach der Geburt an – ein Angebot, das in vielen osteuropäischen Ländern mit niedrigeren Platzierungen fehlt.
In den nationalen Gesundheitssystemen von 15 EU-Ländern sind Verhütungsmittel abgedeckt, darunter auch langwirkende reversible Methoden wie Intrauterinpessare (IUP) und Implantate.
Nur zehn EU-Länder bieten spezielle Programme zur Versorgung besonders schutzbedürftiger Gruppen, etwa Arbeitslose oder Menschen mit geringem Einkommen. In Dänemark, Deutschland und Italien existieren solche Angebote nur in bestimmten Regionen.
Zudem zirkulieren im Internet zunehmend Fehlinformationen. In einigen Ländern werden evidenzbasierte Online-Ressourcen zur Empfängnisverhütung laut EPF sogar aktiv blockiert oder entfernt.
In 16 EU-Ländern – darunter Bulgarien, Kroatien, Lettland und Schweden – sind Informationen zur Empfängnisverhütung auf staatlich geförderten Websites verfügbar.