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"Schlimmste Krise der NATO": Ex-Botschafter Daalder sieht Bündnis so gespalten wie nie

Ivo Daalder, ehemaliger US-Botschafter bei der NATO
Ivo Daalder, ehemaliger US-Botschafter bei der NATO Copyright  Euronews
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Von Shona Murray
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Die häufigen Drohungen von US-Präsident Trump, die NATO zu verlassen, sowie der massive Einsatz von teuren militärischen Mitteln durch die US-Armee im Iran haben das Bündnis geschwächt, so der ehemalige US-Botschafter bei der NATO Ivo Daalder zu Euronews.

Es sei die "schlimmste Krise", mit der die NATO je konfrontiert gewesen sei, erklärt Ivo Daalder, der ehemalige US-Botschafter bei der NATO.

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Daalder, sagte, die wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, sich aus der NATO zurückzuziehen, sowie die Konfrontation mit den europäischen Verbündeten wegen deren Weigerung, sich dem Krieg anzuschließen, hätten die schlimmste, je dagewesene Krise der NATO ausgelöst.

"Die letzten sechs Wochen waren außerordentlich schädlich für die NATO", sagte Daalder im Gespräch mit Euronews-Korrespondentin Shona Murray.

Globale Ordnung erschüttert

"Wir sehen eine gespaltene NATO – genau das war über Jahrzehnte hinweg das Ziel erst der Sowjetunion und dann Russlands", sagte er.

Daalder erklärte, Trumps Äußerungen, wonach die USA NATO-Verbündete bei künftigen militärischen Angriffen Russlands oder anderer Gegner nicht verteidigen würden, hätten das Bündnis destabilisiert und die globale Ordnung erschüttert.

Er fügte hinzu, der sechswöchige Krieg gegen den Iran habe die militärischen Ressourcen der USA stark beansprucht, da bei den Angriffen große Bestände an Abfangraketen und anderen Waffensystemen eingesetzt worden seien.

"Eine NATO, die zerstritten ist, in der der Präsident der Vereinigten Staaten sagt: 'Ich werde euch nicht verteidigen' ist ein günstiger Moment, um das Bündnis zu testen – wenn man in Moskau sitzt", sagte er.

"Es ist auch ein günstiger Moment, um auszuloten, womit man in Taiwan durchkommen könnte, wenn man in Peking sitzt – denn ein Großteil der militärischen Kapazitäten der USA wurde in den Golf verlegt", warnte Daalder.

Ex-Botschafter spricht von günstigen Momenten für Angreifer

Daalder, der von 2009 bis 2013 unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama als US-Botschafter bei der NATO diente, bezeichnete den Krieg zwischen den USA und dem Iran als "strategischen Fehler von historischem Ausmaß".

"Ein erheblicher Teil der militärischen Kapazitäten der USA wurde für diesen Krieg aufgewendet – einen Krieg, der sich als strategischer Fehler von historischem Ausmaß erwiesen hat", sagte er.

Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der sich NATO-Generalsekretär Mark Rutte zu Gesprächen in Washington D.C. aufhält, unter anderem mit Trump, Außenminister Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth. Rutte dürfte versuchen, die Spannungen zwischen den USA und ihren europäischen Verbündeten zu entschärfen.

Unterdessen ist Daalder der Ansicht, dass der Iran – zumindest auf den ersten Blick – bei den Bedingungen des am Dienstag ausgehandelten Waffenstillstands die Oberhand habe. Eine vollständige Eskalation soll verhindert werden.

Vereinbart wurde unter anderem, die internationalen Schifffahrtsrouten durch die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Berichten zufolge ist dafür jedoch eine Genehmigung der iranischen Streitkräfte erforderlich.

Der Iran hatte die Straße von Hormus im Zuge seiner Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA und Israel faktisch blockiert. Die Einschränkungen führten zu einem starken Anstieg der Gas- und Ölpreise sowie zu erheblicher wirtschaftlicher Unsicherheit weltweit.

Wie die Sicherheit der wichtigen Handelsroute langfristig gewährleistet werden soll, ist bislang unklar. "Die Straße von Hormus war offen, bevor die Bombardierungen begannen", sagte Daalder.

"Jetzt können Schiffe passieren. Aber wir wissen nicht, wie viele, wann und auf welchen Routen. Und in jedem Fall beansprucht der Iran weiterhin die Kontrolle", so Daalder.

"Das ist eine erhebliche Verschiebung zugunsten des Irans – und zum Nachteil nicht nur der Vereinigten Staaten und Israels."

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