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Forscher: Orbáns Fidesz umgeht Metas Regeln für politische Werbung

Passanten gehen an einem Wahlplakat vorbei, auf dem steht: „Sie sind ein Risiko. Fidesz ist die sichere Wahl“, in Budapest am 14. März 2026 vor der Parlamentswahl.
In Budapest laufen Menschen an einem Wahlplakat vorbei, auf dem steht: „Sie sind ein Risiko. Fidesz ist die sichere Wahl“, 14. März 2026 vor der Parlamentswahl. Copyright  AP Photo
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Von Estelle Nilsson-Julien & Tamsin Paternoster
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Meta hat politische Werbung in der EU auf Facebook und Instagram verboten. Doch in Ungarn warnen Forscher: Orbáns Fidesz umgeht das Verbot offenbar mit verdeckten Kampagnen, Tarnanzeigen und mutmaßlichen Deepfakes.

Fachleute für Desinformation warnen, dass die ungarische Regierungspartei Fidesz und ihr Umfeld das Verbot politischer Werbung auf den Meta-Plattformen umgehen. Die nächste Parlamentswahl in Ungarn ist für den 12. April angesetzt.

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Nach Recherchen des Hungarian Digital Media Observatory "besteht ein reales Risiko, dass der ungarische Wahlkampf und andere bevorstehende Kampagnen durch eine erhebliche Zahl unzulässiger politischer Anzeigen - darunter Deepfakes - mit sehr großer Reichweite beeinflusst werden".

Der Technologiekonzern Meta, zu dem Facebook und Instagram gehören, hat im Oktober 2025 alle politischen, wahlbezogenen und gesellschaftspolitischen Anzeigen auf seinen EU-Plattformen untersagt. Das Unternehmen begründete den Schritt mit "nicht praktikablen Vorgaben und rechtlichen Unsicherheiten". Auch Google zeigt in der EU keine politische Werbung mehr.

Diese Maßnahmen sind eine Reaktion auf die überarbeiteten EU-Regeln für politische Werbung, die im selben Monat in Kraft traten. Sie sind in der Verordnung über Transparenz und Targeting politischer Werbung, kurz TTPA, gebündelt.

Die TTPA schreibt vor, dass politische Anzeigen "auf EU-, nationaler und lokaler Ebene" klar gekennzeichnet sein müssen. Sichtbar sein muss unter anderem, wer die Anzeige bezahlt hat, wie hoch die Kosten sind und - bei gezielter Ausspielung - an welches Publikum sie sich richtet.

Im Unterschied zu einem normalen Beitrag in sozialen Netzwerken ist eine politische Meta-Anzeige eine bezahlte Botschaft auf Facebook oder Instagram. Sie wirbt für eine Partei oder einen politischen Inhalt und richtet sich an eine gezielt ausgewählte Nutzergruppe.

Solche Anzeigen tragen einen Hinweis wie "bezahlt von" und bleiben mindestens sieben Jahre in der Anzeigenbibliothek von Meta gespeichert.

Verbot mit Lücken

Forscher aus dem Bereich Desinformation berichten, dass die Regelung seit Oktober zwar die Zahl aktiver Anzeigen großer politischer Werbetreibender reduziert hat. Fidesz und verbündete Akteure setzen jedoch weiterhin bezahlte politische Werbung ein - und erschweren zugleich deren Nachverfolgung.

"Fidesz und parteinahe Einrichtungen konnten weiterhin zahlreiche Anzeigen schalten, die eindeutig politisch sind und auf Metas Plattformen laufen", sagte Szilárd Teczàr, Chefredakteur der ungarischen Faktencheck-Plattform Lakmusz, dem Verifikationsteam von Euronews, The Cube.

"Meta verlässt sich darauf, dass die Werbetreibenden von sich aus angeben, ob eine Anzeige politisch ist", so Teczàr. "Problematische Anzeigen werden nachträglich entfernt oder gestoppt. Im Oktober und November konnten viele Anzeigen eine Woche oder länger laufen. Es gibt Hinweise, dass Meta besser geworden ist; in vielen Fällen verschwindet eine Anzeige inzwischen innerhalb eines Tages oder nach wenigen Tagen."

Teczàr erklärte, dass Fidesz-Politiker über ihre offiziellen Facebook-Seiten werben. Noch häufiger würden die Inhalte aber über zwischengeschaltete Organisationen verbreitet. Diese stünden klar in Verbindung zur Regierungspartei und transportierten dieselben Botschaften.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán grüßt das Publikum bei einer Wahlkampfkundgebung in Budapest, Ungarn, am siebten April 2026.
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán grüßt das Publikum bei einer Wahlkampfkundgebung in Budapest, Ungarn, am siebten April 2026. Denes Erdos/Copyright 2026 The AP. All rights reserved

Regierungsnahe Netzwerke und beworbene Deepfakes

Ein Beispiel ist die Nationale Widerstandsbewegung - eine regierungsfreundliche Aktivistengruppe und NGO. Sie ist mit Megafon verbunden, einer schwer durchschaubaren regierungsnahen Organisation, die im Jahr 2024 mehr als 1,7 Millionen Euro für Werbeinhalte auf Facebook ausgab.

"Sie haben wiederholt KI-generierte Videos veröffentlicht, meist Angriffe auf die Oppositionspartei Tisza. Diese Inhalte wurden vor allem auf Facebook beworben und erzielten teils Millionen Aufrufe", sagte Teczàr. Er verweist auf ein Video mit klarer politischer Botschaft, das Ende Dezember verbreitet wurde.

In dem Video, das als aktive Anzeige auf Metas Plattformen lief, packt eine Familie Geschenke mit der Aufschrift "TISZA" aus. Aus den Paketen springen politische Botschaften, die den Wahlkampf der Opposition verzerrt darstellen.

Der ungarische Knotenpunkt im Kampf gegen Desinformation machte außerdem auf einen Zeichentrickfilm aufmerksam, der auf den ersten Blick harmlos wirkte. Die Animation zeigt Tierfiguren am Ufer der Theiß, die von einem Fuchs vor einer angeblich bevorstehenden Grundsteuer gewarnt werden, die die Tisza-Partei einführen wolle.

Solche Anzeigen greifen eindeutig die Botschaften der Regierung auf und verbreiten politische Inhalte. Sie sind jedoch nicht klar als Kommunikation der Regierungspartei gekennzeichnet.

Fast alle fraglichen Anzeigen aus dem Fidesz-Umfeld

Das Budapester Forschungsinstitut Political Capital stellte fest, dass mehrere Anzeigen fälschlich als unpolitisch eingestuft waren, etwa in den Kategorien "Business" oder "Finanzen".

Der Thinktank erklärte, dass Forscher zwischen Januar und Februar 457 politische Anzeigen auf Metas Plattformen identifizierten, die von Seiten mit Bezug zu ungarischen politischen Akteuren stammten.

Demnach standen 456 dieser Anzeigen in Verbindung zu Fidesz-nahen Politikern und Organisationen. Im selben Zeitraum registrierten die Forscher keine einzige Anzeige von Tisza-nahen Seiten und nur eine von der sozialliberalen Demokratischen Koalition, DK.

Viele dieser Anzeigen wurden erst dann als politisch klassifiziert, nachdem sie bereits ausgespielt worden waren.

Am aktivsten war laut Political Capital der Fidesz-Kandidat Balázs Németh aus dem 13. Budapester Wahlkreis. Er veröffentlichte seit Januar 81 Anzeigen, überwiegend lokale Wahlkampfvideos.

Auf Platz zwei lag die Fidesz-Fraktion im Parlament mit 76 Anzeigen. Die große Mehrheit dieser Spots wurde später als politisch eingestuft. Viele warben für die regierungsfreundliche Politsendung "Die Stunde der Wahrheit".

Fidesz testet die Grenzen des Meta-Verbots

Fidesz nutzt seit Jahren bezahlte Meta-Anzeigen, um bestimmte Zielgruppen mit seinen Botschaften zu erreichen.

Auf Grundlage öffentlicher Daten schätzt Political Capital, dass Fidesz zwischen Januar und September 2025 für bis zu 87 Prozent der gesamten politischen Werbeausgaben in Ungarn verantwortlich war - noch bevor die großen Plattformen ihr Verbot einführten.

Vor der Europawahl 2024 gab Fidesz sowohl bei Google als auch bei Meta mehr Geld für Social-Media-Werbung aus als jede andere Partei in der EU.

Bulcsú Hunyadi, Programmleiter bei Political Capital, sagte, Fidesz probiere trotz Metas Verbot "verschiedene Wege aus, um Anzeigen zu schalten, die die Regeln der Plattformen umgehen".

"Fidesz und seine Verbündeten haben intensiv getestet, welche Videos und Inhalte sie bewerben können und was gelöscht wird", so Hunyadi.

Er verweist auf Anzeigen, die zur Teilnahme an der "Nationalen Konsultation" der Regierung aufrufen. Hinzu kamen Plakat- und Onlinekampagnen, in denen politische Gegner als Marionetten des Westens und Brüssels dargestellt wurden.

Eine dieser Kampagnen richtete sich zugleich gegen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

"In den Anzeigen in sozialen Medien konnte man diese Personen nicht eindeutig erkennen, weil ihre Gesichter fehlten. Wer jedoch die Plakate auf der Straße sah und dann die Onlineanzeigen, konnte beides verbinden - etwa an der gleichen Kleidung", erklärte Hunyadi.

Meta reagiert - oft erst nachträglich

Forscher berichten, dass Meta manche Anzeigen nach einer Prüfung entfernt, oft aber erst, nachdem sie bereits ausgespielt wurden.

"Die Filtersysteme von Meta und Google sollen prüfen, ob Inhalte, die beworben werden sollen, politische Botschaften enthalten. Offenbar rutschen jedoch Anzeigen durch diese Filter", sagte Hunyadi. "Meta setzt auf zwei Prüfungen für politische Anzeigen. Die zweite Kontrolle scheint deutlich gründlicher zu sein als die erste."

"Wir sehen derzeit mehr problematische Anzeigen auf Meta-Plattformen. Das kann aber auch daran liegen, dass Facebook in Ungarn besonders beliebt ist", fügte er hinzu.

Meta legt öffentlich nicht offen, wie Algorithmen und Filter im Detail funktionieren, wenn Inhalte markiert werden, die gegen die Regeln für politische Werbung verstoßen.

Eine Meta-Sprecherin sagte The Cube, es verstoße gegen die Unternehmensregeln, "in der EU Anzeigen zu schalten, die gesellschaftspolitische Themen, Wahlen oder Politik betreffen".

"Wenn wir auf solche Anzeigen aufmerksam werden und feststellen, dass sie gegen unsere Regeln verstoßen, lehnen wir sie ab", ergänzte sie.

Euronews bat die Europäische Kommission um eine Stellungnahme. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag jedoch keine Antwort vor.

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