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Hakenkreuz im polnischen Parlament: Israelische Botschaft verurteilt "antisemitischen Horror"

Mitglied der rechtsextremen Partei Konfederacja während einer Rede im polnischen Sejm, Warschau, 14.04.2026.
Mitglied der rechtsextremen Partei Konfederacja während einer Rede im polnischen Sejm, Warschau, 14.04.2026. Copyright  Sejm RP
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Von Weronika Wakulska
Zuerst veröffentlicht am
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"Israel begeht vor unseren Augen einen Völkermord mit besonderer Grausamkeit", behauptete der Abgeordnete Konrad Berkowicz und zeigte eine modifizierte israelische Flagge mit einem Hakenkreuz. Die israelische Botschaft in Polen reagierte umgehend.

"Israel ist das neue Dritte Reich", sagte auf polnisch Konrad Berkowicz, Abgeordneter der rechtsextremen Konfederacja Wolność i Niepodległość (Konföderation der Freiheit und Unabhängigkeit) im polnischen Parlament. Er zeigte außerdem eine israelische Flagge mit einem aufgeklebten Hakenkreuz. "Ich betrachte euch als Nazis", fügte Berkowicz später in den sozialen Medien hinzu.

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Der Abgeordnete kritisierte das Vorgehen Israels im Nahen Osten und sagte, dass Israel seiner Meinung nach einen "Völkermord mit besonderer Grausamkeit" begehe.

"Die Angriffe Israels im Nahen Osten sind für die Polen bereits durch die Treibstoffpreise spürbar, aber wie ist es mit den Kindern, von denen dutzendfach mehr gestorben sind als während des gesamten Krieges in der Ukraine (...) Die Juden verwenden eine Phosphorbombe, die der Luft den Sauerstoff entzieht und zum Erstickungstod führt. Mehr noch, der Rauch dieser Bombe dringt in ihre Lungen und verbrennt sie von innen. Sie ersticken und verbrennen gleichzeitig von innen, Zehntausende von Frauen und Kindern", so Berkowicz.

Vorfall am Holocaust-Gedenktag

Der Vorfall ereignete sich am Dienstag, dem Tag des "Marsches der Lebenden", einer jährlichen Veranstaltung, die am Ort des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz stattfindet und an die sechs Millionen Juden erinnert, die während des Zweiten Weltkriegs von Nazi-Deutschland ermordet wurden.

Die israelische Botschaft in Polen reagierte auf Berkowiczs Verhalten und forderte die polnischen Behörden auf, "diese Schande zu beseitigen und diesen Schandfleck von der Ehre abzuwaschen".

"Am offiziellen israelischen Holocaust-Gedenktag hat der polnische Abgeordnete die israelische Flagge geschändet und das jüdische Symbol und den jüdischen Staat mit den Nazis verglichen, anstatt Solidarität mit den Opfern des Holocausts zu zeigen", schrieb die Botschaft auf X.

Auch das Außenministerium nahm sich des Themas an und erklärte auf X, man verurteile "auf das Schärfste die Verwendung des Hakenkreuzsymbols auf der Flagge des Staates Israel durch den Abgeordneten Konrad Berkowicz".

"Die Kritik des Abgeordneten an der israelischen Regionalpolitik rechtfertigt nicht eine solche Geste, die in höchstem Maße beleidigend ist, nicht nur für Juden und Israelis, sondern für alle, bei denen der Holocaust und andere Naziverbrechen ein wichtiger Teil der Erinnerung und der Identität sind", fügte das Ministerium in dem Kommuniqué hinzu.

Der US-Botschafter in Polen, Tom Rose, äußerte sich ebenfalls auf X und betonte:

"Vielleicht haben Sie sogar bemerkt, dass wir Juden nicht mehr so leicht beiseite geschoben werden? Wir verteidigen uns mit aller Kraft, ohne Entschuldigung (...) wir wissen, wie wir kämpfen und unsere Feinde besiegen können".

Unterstützung hingegen erhielt Berkowicz vom Vorsitzenden des rechtsextremen Bündnisses, Slawomir Mentzen. Auch er verglich Israel mit dem Dritten Reich.

Polnischer Präsident lässt widersprechen

Ein Sprecher von Präsident Karol Nawrocki kritisierte das Verhalten von Berkowicz:

"Es ist inakzeptabel, dass ein Hakenkreuzzeichen im polnischen Parlament erscheint, egal auf welcher Flagge".

Der Fall reiht sich ein in eine Reihe von Äußerungen rechtsextremer Politiker in Polen, die sich auf den Holocaust und die Verbrechen Nazideutschlands beziehen.

"Marsch der Lebenden", Oswiecim, Polen
"Marsch der Lebenden", Oswiecim, Polen Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.

Im vergangenen Jahr sorgte der Europaabgeordnete Grzegorz Braun von der Partei Konfederacja Korony Polskiej für Schlagzeilen. Er leugntete die Existenz von Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz und behauptete, Beweise ihrer Existenz sei "leider gefälscht".

Dass es im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Gaskammern gab, in denen Menschen mit Giftgas ermordet wurden, belegen u. a. erhaltene Dokumente und Fotos sowie Aussagen von Häftlingen, die in den Gaskammern arbeiteten, von KZ-Wachen und von Menschen, die aus dem Lager hatten fliehen können.

Bis heute hat das Institut Yad Vashem fast 7.000 Polen, die während des Zweiten Weltkriegs Juden gerettet haben, mit der Medaille "Gerechte unter den Völkern" geehrt. Nach Einschätzung von Historikern ist die Zahl der Polen, die ihr Leben riskierten, um Juden zu helfen, viel höher als bisher belegt. Im besetzten Polen wurde die Hilfe für Juden mit dem Tod bestraft.

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