Laut einer Studie könnten sexuelle Kontakte in schwulen Saunen in Lyon die Ansteckung ausgelöst haben. Eine Antibiotikatherapie verbesserte den Zustand der Patienten rasch.
Laut einer Studie (Quelle auf Französisch), die ein Team von Epidemiologen der Hospices civils de Lyon (HCL) Anfang Juni in der US-Fachzeitschrift Emerging Infectious Diseases veröffentlicht hat, könnte sich Dermatophilose durch sexuellen Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen.
Diese auch als „gale de boue“ bekannte bakterielle Zoonose ist beim Menschen selten. Bisher haben Ärztinnen und Ärzte sie fast nur bei Landwirten oder Reitern beschrieben, die mit infizierten Pferden oder Rindern in Kontakt standen.
In Frankreich und Spanien wurden von Januar bis Juni rund 40 Fälle registriert, davon etwa 30 in Lyon. Die nun veröffentlichte Studie konzentriert sich auf neun Patienten, die in den HCL vorstellig wurden. Sieben von ihnen berichteten von sexuellen Kontakten in Lyoner Gay-Saunas, teils in denselben Einrichtungen, in den Tagen vor dem Auftreten der Hautläsionen.
Zwar konnten die Forschenden keine direkte Verbindung zwischen den Mitgliedern dieses Clusters nachweisen. Sie halten jedoch fest, dass „die genetische Ähnlichkeit der Erreger und die gemeinsamen sexuellen Expositionen stark auf eine sexuelle Übertragung dieser zoonotischen Bakterien von Mensch zu Mensch hindeuten“. Bei allen Betroffenen handelt es sich um „Männer, die in Lyon und Paris Sex mit Männern haben“.
Behandlung mit Antibiotika
Die Betroffenen entwickelten Pusteln und Krusten auf der Haut, vor allem im Genitalbereich, am Rumpf, um den Mund und an den unteren Extremitäten.
Bei Tieren können solche oberflächlichen Hautveränderungen in eine ausgedehnte, potenziell tödliche Erkrankung übergehen. In dieser Fallserie musste jedoch kein Patient ins Krankenhaus. Eine einfache Behandlung mit Antibiotika, „manchmal in Kombination mit lokalen antiseptischen Maßnahmen“, führte rasch zu einer Besserung.
Die Übertragung erfolgte vermutlich durch direkten Hautkontakt und wurde durch die feucht-heiße Umgebung in den Saunas verstärkt. Die Bedingungen dürften die Freisetzung von Zoosporen begünstigt haben – beweglichen Bakterien, die sich im Wasser ausbreiten und in die Haut eindringen können.