"Warum sollten wir Italien angreifen? Wir lieben die Italiener", schrieb die iranische Botschaft in Thailand auf X. Doch was wie eine touristische Hommage klingt ist Teil einer Strategie. Eine Analyse.
Der Iran verbreitete eine verstörende Nachricht: Die iranische Botschaft in Thailand schrieb auf X: "Warum sollten wir Italien angreifen? Wir lieben die Italiener, den Fußball und das Essen." Dann folgte eine Liste von Städten: Rom, Mailand, Neapel, Venedig, Sizilien und der ganze Rest des Landes.
Der Beitrag klang fast wie eine touristische Hommage. Doch dahinter steckt eine Strategie.
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran und die Rolle Italiens
Die Botschaft kommt inmitten eines neuen Spannungsmoments zwischen den USA und dem Iran. Donald Trump warf der italienischen Ministerpräsidentin Georgia Meloni Distanz im Iran-Konflikt vor. Trump kritisierte auch die Position des Papstes zum Krieg. Dieser forderte Israel und die USA zuletzt auf, auf einen Frieden im Nahen Osten hinzuarbeiten.
Daraufhin schrieb die iranischen Botschaft in Thailand eine Nachricht, in der es einen fast ironischen Ton wählte.
Der Beitrag ist kein Einzelfall: Die diplomatische Präsenz des Iran in den sozialen Medien ist heute Teil einer umfassenderen Kommunikationsstrategie, bei der sich die Botschaften nicht auf eine institutionelle Kommunikation beschränken, sondern mit kurzen, emotionalen und leicht zu teilenden Botschaften direkt in die internationale öffentliche Debatte eingreifen .
Die virale Botschaft auf X
Der von der iranischen Botschaft in Thailand veröffentlichte Text hat gerade wegen seines informellen Tons und der Wahl des Inhalts einen Nerv getroffen. In der Botschaft heißt es, dasses keinen Grund gäbe, Italien ins Visier zu nehmen, gefolgt von einer Homage an die Italiener, an den Fußball und an die Küche - Elemente, die eine sofort erkennbare universelle Sprache bilden.
Was den Beitrag noch viraler machte, war die lange Liste der erwähnten italienischen Städte, von Rom bis Mailand, von Neapel bis Venedig, über die Inseln und viele andere Orte.
Das Ergebnis ist ein typisches Beispiel für digitale "sanfte Diplomatie", bei der die Sprache nicht auf institutionelle Präzision abzielt, sondern auf den Aufbau einer positiven und unmittelbaren Erzählung, die sich schnell in sozialen Netzwerken und in den Medien verbreiten kann.
Diplomatie oder strategische Kommunikation?
Abgesehen von dem beruhigenden Tonfall ist die Nchricht der Botschaft Teil einer breiteren Dynamik, die von verschiedenen internationalen Beobachtern analysiert wird. Der Iran versucht offenbar, sich gegenüber Europa neu zu positionieren.
Unter diesem Gesichtspunkt sollten Mitteilungen wie die der Botschaft nicht nur als Gesten der Höflichkeit oder emotionale Propaganda verstanden werden, sondern als Teil einer umfassenderen Strategie, in der die öffentliche Wahrnehmung zu einem Raum für geopolitische Konfrontation wird.
Italien als "emotionales" Symbol
Auffallend ist auch die Wahl der in der Botschaft verwendeten Elemente. Es werden keine Abkommen, Verträge oder wirtschaftliche Fragen erwähnt, sondern ausschließlich kulturelle und identitätsbezogene Bezüge. Italien wird durch das repräsentiert, was es im Ausland sofort erkennbar macht: die Städte der Kunst, des Essens, des Fußballs und eine stark positive kollektive Vorstellung.
Auf diese Weise wird das Land eher zu einem emotionalen Symbol als zu einem politischen Akteur, zu einer Präsenz, die eher durch gemeinsame Bilder als durch konkrete diplomatische Beziehungen hervorgerufen wird. Es ist eine narrative Konstruktion, die gerade deshalb funktioniert, weil sie die Komplexität umgeht und die öffentliche Meinung direkt anspricht.