Die Polizei geht davon aus, dass der Ring echte Aufenthaltsdokumente syrischer Flüchtlinge nutzte, um ähnlich aussehenden Personen in Syrien die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen.
Die deutsche Polizei hat am Dienstag eine großangelegte Razzia gegen einen mutmaßlichen Schleuserring durchgeführt. Der Gruppe wird vorgeworfen, syrische Flüchtlinge mit Aufenthaltspapieren betrogen zu haben, um Landsleuten die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen.
Rund 1.000 Polizisten waren im Einsatz, um mehr als 50 Wohnungen und Geschäftsräume in und um Leipzig zu durchsuchen, teilte die Bundespolizei in Halle an der Saale mit.
Nach Einschätzung der Ermittler operierte der Ring mit echten Aufenthaltspapieren syrischer Flüchtlinge in Deutschland, die an ähnlich aussehende Personen in Syrien geschickt wurden.
Die meisten der bei den Razzien festgenommenen Personen stehen im Verdacht, die Nutzung ihrer Dokumente erlaubt zu haben. Eine kleinere Zahl wird verdächtigt, die "unerlaubte Einreise" nach Deutschland organisiert zu haben.
Die Polizei beschlagnahmte nach eigenen Angaben Beweismaterial, darunter Mobiltelefone, Aufenthaltsdokumente, Unterlagen zu Flugbuchungen und mindestens 93.000 Euro Bargeld.
Außerdem stellten die Beamten "Verstöße gegen das Betäubungsmittel- und Sprengstoffgesetz" fest. Nach Angaben der Polizei gibt es zudem Hinweise darauf, dass einige der Verdächtigen Verbindungen zur organisierten Kriminalität haben.
44 Verdächtige wurden erkennungsdienstlich behandelt.
Dokumentenmissbrauch über Flughäfen aufgedeckt
Viele der mutmaßlichen Betrugsfälle wurden von deutschen "Dokumenten- und Visumberatern" aufgedeckt, die an verschiedenen Flughäfen im Nahen Osten im Einsatz sind.
Seit 2024 hat die Bundespolizei 71 solcher Berater außerhalb der EU eingesetzt. Sie unterstützen die Visastellen an deutschen Botschaften und Konsulaten sowie Fluggesellschaften an großen internationalen Flughäfen.
In Deutschland lebt mit mehr als einer Million Menschen die größte syrische Diaspora in der Europäischen Union. Viele von ihnen kamen während des Höhepunkts der Fluchtbewegung in den Jahren 2015 und 2016.
Rückkehr syrischer Flüchtlinge als politisches Ziel
Bundeskanzler Friedrich Merz traf sich im März mit dem syrischen Interimspräsidenten Ahmed al-Sharaa. Dabei erklärte er, beide Politiker wollten, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer in ihre Heimat zurückkehren.
Nach dem Treffen mit al-Sharaa in Berlin sagte Merz, die beiden Staats- und Regierungschefs würden "gemeinsam daran arbeiten, dass mehr Syrer zurückkehren können".
Der Bundeskanzler, der eine härtere Einwanderungspolitik seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr zu einer Priorität gemacht hat, erklärte zudem, er und al-Sharaa hätten sich darauf verständigt, dass acht von zehn Syrern in Deutschland "innerhalb der nächsten drei Jahre" zurückkehren sollten.
Dem 43-jährigen al-Sharaa ist es gelungen, Beziehungen zu westlichen Regierungen aufzubauen. Er unternahm mehrere Auslandsreisen, unter anderem in die Vereinigten Staaten, nach Frankreich und Russland.
In der Folge wurden zahlreiche internationale Sanktionen gegen Syrien aufgehoben, die noch während der Herrschaft des langjährigen Machthabers Bashar al-Assad verhängt worden waren. Damit soll das Land beim Wiederaufbau nach dem blutigen, 14 Jahre dauernden Bürgerkrieg unterstützt werden.