Die Silvesternachtstragödie, bei der sechs Italiener ums Leben kamen und Dutzende verletzt wurden, hat ein diplomatisches Nachspiel: Die Schweiz fordert 100.000 Franken für die Behandlung der Verletzten, doch der italienische Botschafter weist die Rechnung zurück.
Die diplomatischen Spannungen zwischen Italien und der Schweiz sind nach der Tragödie von Crans-Montana weiter eskaliert.
Im Zentrum des Streits steht die Forderung der Schweiz nach Erstattung der Behandlungskosten, die dem Spital in Sitten für drei junge Italiener entstanden sind. Sie waren bei dem Brand in der Bar "Le Constellation" in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar verletzt worden.
Die Berner Behörden legten ihren Standpunkt am Freitag dem italienischen Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, dar. Dieser bekräftigte gegenüber dem Präsidenten des Kantons Wallis, Mathias Reynard, jedoch die Position Roms.
Italien werde die vorgelegte Rechnung in Höhe von rund 100.000 Franken (etwa 108.000 Euro) "für einen einzigen Tag Krankenhausaufenthalt am 1. Januar" nicht bezahlen, sagte Cornado. Zur Begründung verwies er darauf, dass in den Beziehungen zwischen EU-Mitgliedstaaten und ihren Nachbarländern das Prinzip der Gegenseitigkeit gelte.
Nach Angaben des Diplomaten habe Italien seinerseits keine Rückerstattung für die Behandlung von zwei Schweizer Bürgern verlangt, die im Niguarda-Krankenhaus in Mailand über Monate hinweg und mit deutlich höheren Kosten versorgt worden seien. Dennoch habe Rom weder von den Betroffenen noch vom LAMal oder den zuständigen Kantonen eine Erstattung eingefordert, sagte er mit Verweis auf das Schweizer Krankenversicherungssystem.
Außenminister Antonio Tajani bekräftigte am Rande der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Europäischen Volkspartei (EVP) in Rom: "Für mich ist klar, dass wir nicht zahlen."
Reziprozität und Kontroverse: die Gründe für Roms Weigerung
Bereits vor einigen Tagen hatte die direkte Zusendung von Arztrechnungen an die Familien der Überlebenden - mit Beträgen zwischen 17.000 und 66.000 Franken (umgerechnet 18.000 bis 71.000 Euro) - eine Welle der Empörung ausgelöst und sogar Giorgia Meloni auf den Plan gerufen.
Zwar hatten die Schweizer Behörden versucht, das Vorgehen als notwendiges Verwaltungsverfahren zur Funktionsweise ihres Versicherungssystems zu rechtfertigen. Dennoch wurde das Ersuchen weithin als gravierender Mangel an Sensibilität gegenüber den Opfern empfunden.
Unterdessen gab es auch positive Nachrichten zum Zustand eines italienischen Opfers. Elsa, eine 15-jährige Schülerin aus Biella, die bei dem Brand schwer verletzt worden war, wurde nach 58 Tagen von der Intensivstation des CTO in Turin entlassen und soll nun in das Kinderkrankenhaus Regina Margherita verlegt werden.