Nach der tödlichen Amokfahrt in Leipzig kursieren im Internet gefälschte Bilder und Videos. Sie bringen den Tatverdächtigen mit der Antifa und der AfD in Verbindung und sorgen für Verwirrung. Euronews The Cube klärt auf.
Bereits kurz nach der tödlichen Amokfahrt in Leipzig sind im Internet Videos und Bilder aufgetaucht, die nicht eindeutig zugeordnet werden konnten. Manche legen nahe, dass der Verdächtige mit der linken Antifa-Bewegung in Verbindung steht, während andere Kontakte zur Rechts-Außen-Partei Alternative für Deutschland (AfD) andeuten.
Der Täter, der in deutschen Medien als Jeffrey K. bezeichnet wird, fuhr am Montag, den 4. Mai mit seinem Auto in eine Menschenmenge, wobei zwei Menschen getötet und mehrere andere schwer verletzt wurden. Nach der Amokfahrt wurde ein Bild verbreitet, auf dem der Verdächtige ein T-Shirt mit dem Logo "Antifa International" trug.
The Cube, das Faktencheck-Team von Euronews, war nicht in der Lage, unabhängig zu überprüfen, wo das Originalbild aufgenommen wurde oder woher es stammt.
Mutmaßlich manipuliertes Bild des Tatverdächtigen
Faktenprüfer verfolgten einen der ersten Uploads des Fotos zu einem Konto, das ein scheinbar echtes Foto des Verdächtigen in einem grünen Hemd neben dem Bild mit dem "Antifa International"-Shirt veröffentlichte.
Auf Nachfrage gab der Inhaber des Kontos an, er habe das Bild auf einer Nischen-Website "Pr0gramm" gefunden - obwohl eine Suche auf der Website keinen Hinweis auf das Bild ergab.
Der Screenshot des Bildes zeigt, dass das Konto, welches das Foto ursprünglich gepostet hat, in Kalifornien ansässig ist. Es stammt außerdem aus einer Vorlage, die zur Veranschaulichung einer Instagram-Anzeige verwendet wurde, was darauf hindeutet, dass das Bild manipuliert sein könnte.
Ein anderer Account, der das Bild weiterverbreitet hatte, stellte später klar, dass es sich um eine Fälschung handelte. Grok, ein von Elon Musks xAI entwickelter KI-Chatbot, hatte das Bild ursprünglich für authentisch gehalten.
Zur gleichen Zeit verbreitete sich im Internet ein manipuliertes Foto desselben Bildes, auf dem der Mann ein T-Shirt mit dem Logo der AfD-Partei trug. Die Analyse dieses Bildes im Vergleich zu dem anderen zeigt eindeutig, dass es digital manipuliert wurde.
Einige der Beiträge, die das Bild des mutmaßlichen Verdächtigen mit dem AfD-Shirt teilten, taten dies, um zu zeigen, wie leicht ein Foto verändert werden kann. Mehrere Beiträge, von denen einige Tausende Aufrufe hatten, enthielten jedoch Bildunterschriften, in denen behauptet wurde, der Verdächtige sei aufgrund des manipulierten Bildes ein AfD-Wähler.
Das wissen wir über den Tatverdächtigen
Trotz dieser gefälschten Bilder, die den mutmaßlichen Täter sowohl mit der Antifa als auch mit der AfD in Verbindung bringen, gibt es nach Angaben der Behörden derzeit keine Hinweise darauf, dass der Täter ein politisches oder religiöses Motiv hatte.
Die Behörden bestätigten, dass es sich bei dem Verdächtigen um einen 33-jährigen Mann handelt, der im Raum Leipzig wohnt und in Deutschland geboren wurde.
Sie fügten hinzu, dass er den Behörden bereits zuvor wegen "Drohungen und Verleumdungen in seinem sozialen Umfeld" aufgefallen war und in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen und behandelt wurde.
Nach dem Vorfall kursierten mehrere Videos auf TikTok und X, die angeblich Tausende Menschen zeigten, die sich nach dem Angriff zur Unterstützung von Neuwahlen und der AfD versammelten.
Diese Videos verbreiteten sich auf TikTok und X. Mindestens eines davon erhielt mehrere zehntausend Aufrufe.
Dieses Bildmaterial ist jedoch nicht aktuell und hat nichts mit dem Vorfall zu tun. Eine umgekehrte Bildsuche zeigt, dass es von einer Demonstration im Februar 2025 in Nürnberg stammt. Damals demonstrierten laut der deutschen Nachrichtenagentur DPA mindestens 20.000 Menschen auf dem Nürnberger Kornmarkt für Demokratie.