Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Studie: Armut prägt Kinderhirn stärker als Erziehung und IQ

Familiäre Finanzlage prägt kindliche Gehirnentwicklung stark.
Finanzlage der Familie prägt Kindergehirn stark. Copyright  Cleared/Canva
Copyright Cleared/Canva
Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Eine neue Studie zeigt: Die finanzielle Lage einer Familie beeinflusst die Gehirnentwicklung von Kindern ganz entscheidend, vor allem in den ersten Lebensjahren.

Alles, was ein Kind erlebt, hinterlässt Spuren im Gehirn und beeinflusst Entwicklung und Funktion für den Rest seines Lebens.

WERBUNG
WERBUNG

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die finanzielle Lage der Familie und das Umfeld eines Kindes, etwa das Viertel, in dem es aufwächst, die Hirnentwicklung stärker prägen als bisher gedacht.

Eine Studie von Forschenden der Washington University in den Vereinigten Staaten ergab, dass sozioökonomische Faktoren rund 16 Prozent der Unterschiede in Messwerten zur Gehirnfunktion von Kindern erklären. Sie wirkten damit stärker als Intelligenzquotient (IQ), Erziehungsstil oder Krankengeschichte.

„Das Gehirn eines Kindes aus einem sozial benachteiligten Haushalt sieht aus wie das eines Kindes aus einem privilegierten Umfeld, das zu wenig Schlaf bekommt und unter Stress steht“, sagte Nico Dosenbach, Seniorautor der Studie.

Er betonte, es handle sich nicht um ein „weniger kluges Gehirn“. Wenn sich Schlaf und Stress bei Kindern aus Familien mit geringeren Chancen verbessern ließen, könnten die Unterschiede, die mit diesen Lebensumständen zusammenhängen, kleiner werden.

Kinder sind besonders verletzlich gegenüber Armut. Sie leben häufiger in Armut als Erwachsene, und die Folgen treffen sie in entscheidenden Entwicklungsphasen oft stärker.

Laut UNICEF leben weltweit fast 900 Millionen Kinder in sogenannter multidimensionaler Armut. Ihnen fehlen grundlegende Dinge wie Nahrung, Wasser, Unterkunft, Bildung und Gesundheitsversorgung.

Die Forschenden analysierten Daten von rund 12.000 Kindern im Alter zwischen neun und zehn Jahren und untersuchten deren Umfeld, Gesundheit und Alltag.

Sie bewerteten 649 Einflussfaktoren auf die Gehirnentwicklung, unterteilt in Kategorien wie Bildschirmzeit, kognitive Fähigkeiten, körperliche und psychische Gesundheit, Erziehungsverhalten sowie Herkunft und Geschlecht.

Besonders stark wirkten sich die Bedingungen im Wohnviertel und der finanzielle Status der Familien aus. Sie standen vor allem mit Funktionsmerkmalen in den motorischen und sensorischen Hirnarealen in Verbindung, die sehr empfindlich auf tägliche Schwankungen von Schlaf und Stress reagieren.

„Ich habe angefangen, es den ‚Elefanten im Gehirn‘ zu nennen“, sagte Scott Marek, Erstautor der Studie. „Ich wusste, dass sozioökonomische Chancen wichtig sind, aber nicht, dass sie so stark ins Gewicht fallen. Sie haben alles andere in den Schatten gestellt.“

Er erklärte, dass das Team allein anhand von Hirnscans erkennen konnte, wie wohlhabend eine Familie ist und wie viel Schlaf und Bildschirmzeit ein Kind bekommt.

Den IQ lasse sich aus den Aufnahmen jedoch nicht ablesen. „Das zeigt mir, dass IQ nicht fest in der Neurobiologie verankert ist. Die Umwelt formt die Gehirne von Kindern auf eine Weise, die man lange fälschlich als Abbild des IQ interpretiert hat – dabei spiegelt sie vor allem Stress und Schlafmangel wider“, sagte Marek.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

WHO: Europa muss nach 200.000 vermeidbaren Hitzetoten handeln

WHO-Europachef ruft Fans zum WM-Genuss auf, USA drängen auf Reisebeschränkungen

Studie: Können KI-Modelle Gefühle simulieren und Forschung zu psychischer Gesundheit ändern