Russlands Angriffe vom Pfingstwochenende mit Dutzenden Drohnen und Raketen haben vier Menschen getötet und in Kyjiw schwere Schäden angerichtet. Der US-Außenminister spricht erneut von Vermittlungsversuchen.
Laut US-Außenminister Marco Rubio ist die Regierung in Washington weiterhin bereit, im Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln. Das sagte Rubio am Dienstag. Zuvor hatte Moskau mit neuen Angriffen auf Kyjiw gedroht.
Die Warnung Russlands, zu der auch der Aufruf an ausländische Diplomaten gehörte, die ukrainische Hauptstadt zu verlassen, bedeutet eine neue Eskalation des inzwischen seit mehr als vier Jahren andauernden Kriegs. Moskau kündigte „systematische“ Angriffe auf Kyjiw an, auch auf „Entscheidungszentren“.
Rubio telefoniert mit Lawrow
Rubios Angebot folgte auf massive Angriffe Russlands am Wochenende, bei denen das Land unter anderem seine Hyperschallrakete Oreschnik einsetzte. Zuvor hatte Rubio mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow telefoniert.
„Jeder dieser großen Angriffe, egal von welcher Seite, erinnert daran, warum dies ein schrecklicher Krieg ist, der inzwischen länger dauert als der Zweite Weltkrieg“, sagte Rubio vor Journalistinnen und Journalisten während eines offiziellen Besuchs in Indien. „Dieser Krieg muss ein Ende finden.“
Der US-Außenminister bezog sich bei der Dauer des Zweiten Weltkriegs auf den Kriegseintritt der USA, der im Dezember des Jahres 1941 erfolgte. Für die Vereinigten Staaten dauert der Zweite Weltkrieg bis zum September des Jahres 1945 und damit rund 45 Monate oder drei Jahre und etwa neun Monate.
„Die USA sind bereit, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um ein Ende dieses Kriegs zu erleichtern. Hoffentlich ergibt sich dafür irgendwann eine Gelegenheit“, so Rubio.
Der Beschuss am Wochenende, bei dem Russland Dutzende Drohnen und Raketen einsetzte, hat vier Menschen getötet und in der ukrainischen Hauptstadt schwere Schäden angerichtet.
Unter den eingesetzten Waffen war nach Angaben Moskaus auch die Hyperschallrakete Oreschnik. Sie erreicht demnach das Zehnfache der Schallgeschwindigkeit und kann mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden.
Bei einem nächtlichen russischen Angriff in Odessa kam nach Angaben des Regionalvertreters Sergii Krasylenko ein 45-jähriger Mann ums Leben, wie er am frühen Dienstag auf Telegram mitteilte.
Angriffe laut Putin "Vergeltung"
Die Angriffe folgten auf den Vorwurf Moskaus, die Ukraine habe eine Berufsschule in der von Russland besetzten Region Luhansk getroffen und dabei 21 Menschen getötet. Präsident Wladimir Putin wies die Streitkräfte an, Vergeltung zu üben.
„Unter den derzeitigen Umständen beginnen die russischen Streitkräfte, systematische Schläge gegen militärisch-industrielle Einrichtungen in Kyjiw zu führen“, erklärte das russische Außenministerium in einer Mitteilung.
„Die Angriffe werden sowohl Entscheidungszentren als auch Kommandoposten treffen. Wir warnen ausländische Staatsbürger, darunter das Personal diplomatischer Vertretungen und internationaler Organisationen, die Stadt so bald wie möglich zu verlassen“, hieß es weiter.
Lawrow übermittelte Rubio diese Warnung in einem Telefonat am Montag und drängte ihn laut russischem Außenministerium, US-Diplomatinnen und -Diplomaten abzuziehen.
Rubio sagte am Dienstag auf Nachfrage, Russland habe „eine Mitteilung an alle Botschaften geschickt“, nicht nur an die US-Vertretung.
„Wir gehen nicht weg“
Bereits Anfang des Monats hatte Russland ausländische Staatsbürger und Diplomaten aufgefordert, Kyjiw zu räumen. Damals drohte Moskau mit massiven Angriffen auf das Stadtzentrum, falls die Ukraine eine Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau störe.
Westliche Vertretungen in der Stadt wiesen beide Aufforderungen zurück.
Eine Sprecherin des französischen Außenministeriums sagte am Montag: „Wir sind Putins Drohungen gewohnt. Eine Evakuierung kommt nicht in Frage.“
Der EU-Botschafter in Kyjiw schrieb auf Facebook: „Wir gehen nirgendwo hin.“
Die Ukraine bezeichnete die russischen Drohungen als „reine Rhetorik“.
„Wir sagen unseren Partnern jetzt, sie sollen diesem russischen Erpressungsversuch nicht nachgeben“, erklärte der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha.
Russland hat seine umfassende Offensive gegen die Ukraine im Februar 2022 begonnen. Seitdem hat sich der Konflikt zum tödlichsten in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt.
Unter US-Führung geführte Gespräche über ein Kriegsende liegen seit einigen Monaten wegen des Konflikts im Iran auf Eis.