Die Betreiber der Bar in Crans-Montana, Jacques und Jessica Moretti, stehen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Brandstiftung und fahrlässiger Körperverletzung unter Anklage. Bei dem Brand am ersten Januar sind 41 Menschen ums Leben gekommen und 115 verletzt worden.
Jacques und Jessica Moretti, die Betreiber der Bar „Le Constellation“, in der in der Neujahrsnacht bei einem Brand 41 Menschen ums Leben kamen, sind an diesem Freitag erneut von der Schweizer Justiz vorgeladen, um Fragen zu beantworten.
Das französische Paar wird von den Staatsanwälten und den Anwälten der Nebenkläger angehört. Das genaue Format der Vernehmung liege „im Ermessen der Staatsanwälte“, erklärte einer der Nebenklagevertreter, Romain Jordan, der Nachrichtenagentur AFP.
„Letzte Chance für die Morettis, die Wahrheit zu sagen“
Auf den Aufnahmen der Überwachungskameras zum Zeitpunkt des Unglücks, so die Kantonspolizei Wallis, ist zu sehen, dass Funken von Fontänenkerzen die Schaumstoffdämmung an der Decke des Untergeschosses entzündeten.
Es gab kein funktionierendes Alarmsystem. Dutzende Gäste des „Constellation“ waren im Untergeschoss eingeschlossen, Ausgänge blieben unzugänglich. Viele erstickten an den giftigen Rauchgasen. Bei dem Brand wurden zudem 115 Menschen teils schwer verletzt.
Gegen Jacques und Jessica Moretti sowie zwölf weitere Personen ermittelt die Justiz wegen „fahrlässiger Tötung“, „fahrlässiger Körperverletzung“ und „fahrlässiger Brandstiftung“.
„Unsere Erwartungen bleiben dieselben: Antworten bekommen, die Wahrheit erfahren und jede Verantwortung klären, damit sich so etwas nie wiederholt“, sagte Romain Jordan am Vortag der Vernehmung des Ehepaars Moretti.
„Diese Anhörung ist die letzte Gelegenheit für die Morettis, die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit; die Opfer brauchen das für ihre Trauerarbeit und ihre Heilung“.
Die Ermittler zeigen sich bislang nicht überzeugt von den Erklärungen des Ehepaars Moretti. Die beiden schoben die Verantwortung abwechselnd auf einen Mitarbeiter, der beim Hineinbringen von Eiswürfeln eine Tür „versehentlich“ verriegelt haben soll, oder auf einen Gast, der einen Sessel vor einen Ausgang gerückt habe, um auf die Toilette zu gehen.
Jacques Moretti sagte der Zeitung „Libération“, er habe „große Erwartungen“ an diese Anhörung, um „die ganze Wahrheit darüber klarzustellen, was am 1. Januar tatsächlich geschehen ist, und allen Gerüchten ein Ende zu setzen“.
Die Anhörungen finden in Sitten statt, der Hauptstadt des Bergkantons Wallis im Südwesten der Schweiz.
Seit 2019 keine Brandschutzkontrolle
Die Morettis sind seit der Eröffnung des Strafverfahrens wenige Tage nach dem Brand bereits zweimal vernommen worden.
Jacques Moretti saß im Januar zwei Wochen in Untersuchungshaft, bevor er gegen Kaution freikam. Eine weitere Einvernahme am 7. April wurde aus medizinischen Gründen verschoben.
Dem Paar ist zudem die Ausreise aus der Schweiz untersagt, neben weiteren Auflagen.
Zu den zwölf weiteren Beschuldigten gehören mehrere amtierende und ehemalige Mandatsträger sowie Angestellte der Gemeinde. Unmittelbar nach dem Unglück räumten die lokalen Verantwortlichen ein, dass seit 2019 keine Sicherheits- und Brandschutzkontrolle in der Bar vorgenommen worden war.
Die Ermittler wollen neben einer möglichen Verantwortung der Gemeinde auch die von den Eigentümern getroffenen Brandschutzmaßnahmen prüfen und den genauen Ablauf der Ereignisse rekonstruieren.
Die meisten Opfer des Brandes kamen aus der Schweiz. Unter den Toten waren jedoch auch Staatsangehörige anderer Länder, darunter neun Französinnen und Franzosen sowie sechs Italienerinnen und Italiener. 17 der Opfer waren 16 Jahre alt oder jünger.