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Euroviews. Elon Musks Space-X-Börsengang: Die kapitalistische Weltraumrevolution beginnt

Elon Musk, Gründer, CEO und Hauptingenieur/Konstrukteur von SpaceX, während einer Pressekonferenz im Anschluss an einen Testflug der Falcon-9-Rakete von SpaceX in Cape Canaver
Elon Musk, Gründer, CEO und Hauptingenieur/Konstrukteur von SpaceX, während einer Pressekonferenz im Anschluss an einen Testflug der Falcon-9-Rakete von SpaceX in Cape Canaver Copyright  Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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Von Dr. Dr. Rainer Zitelmann, Historiker und Soziologe
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen sind die der Autoren und stellen in keiner Weise die redaktionelle Position von Euronews dar.

Jetzt findet der größte Börsengang der Geschichte statt – Elon Musk will für SpaceX 75 Milliarden Dollar einsammeln und wird damit der erste Billionär des Planeten Erde. Rainer Zitelmann, Historiker und Soziologe erklärt in einem Meinungsbeitrag für Euronews, wie es dazu kam und wie es weiter geht.

Als ich vor einigen Jahren begann, zum Thema Weltraumkapitalismus zu forschen und zu publizieren und an meinem Buch dazu arbeitete, haben viele gelacht: „Was haben Sie sich denn da für ein Nischenthema ausgesucht?“ Oder: „Klingt eher nach Science Fiction“.

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Nun, der Weltraumkapitalismus ist Wirklichkeit. In wenigen Stunden werden wir den größten Börsengang der Geschichte erleben – Elon Musks Firma SpaceX will 75 Milliarden Dollar einsammeln. Elon Musk wird damit zum ersten Billionär in der Geschichte werden. Kluge Leute, wie etwa der amerikanische Politiker und Space-Enthusiast Ted Cruz, haben schon vor zehn Jahren vorhergesagt, dass der erste Billionär (bzw. im englischen Trillionär) aus der Space-Industrie kommen wird.

Vorab: Keine Frage wurde mir in den vergangenen Tagen so oft gestellt wie die, ob ich auch Aktien von SpaceX kaufen werde. Nein. Der Grund ist erstens, weil ich über das Unternehmen schreibe und nicht möchte, dass der Eindruck einer Befangenheit oder eines Interessenkonflikts entsteht. Zweitens gehöre ich prinzipiell im Aktienbereich zu den passiven Investoren, die ausschließlich auf ETFs mit maximal breiter, weltweiter Streuung setzen.

Das großartigste Unternehmen der vergangenen 50 Jahre

Zugleich jedoch sage ich: SpaceX ist das großartigste Unternehmen, das in den vergangenen 50 Jahren gegründet wurde und Elon Musk ist ein genialer Visionär, vergleichbar allenfalls mit Unternehmern wie Thomas Edison oder Henry Ford.

In der Raumfahrt nimmt SpaceX eine einzigartige Stellung ein. Seit 2023, so betont der Prospekt, habe SpaceX jedes Jahr mehr als 80 Prozent der weltweit in den Orbit gebrachten Masse transportiert – bei einer Erfolgsquote von über 99 Prozent mit den Falcon-9-Raketen. SpaceX hätte auch diesen Vergleich anstellen können: Wenn SpaceX ein Land wäre, dann wäre es 2024, 2025 und bisher im Jahr 2026, was die Anzahl der erfolgreichen Raketenstarts anlangt, mit großem Abstand die Nr. 1 vor China. Und von den etwa 15.000 aktiven Satelliten im All sind 10.000 Starlink-Satelliten.

SpaceX führte im Jahr 2025 zwanzigmal mehr Raketenstarts durch als ganz Europa mit seinem staatlich organisierten Raumfahrtprogramm zusammen. Und bereits vor mehr als zehn Jahren entwickelte das Unternehmen die erste wirklich wiederverwendbare Orbitalrakete der Welt – etwas, das bis heute keiner einzigen staatlichen Raumfahrtbehörde irgendwo auf der Welt gelungen ist. Im Vergleich zum Space Shuttle hat Musks Unternehmen die Startkosten um 95 Prozent reduziert!

Von 1957 bis heute haben alle Staaten der Welt zusammen 15.062 Satelliten ins All gebracht. Elon Musk dagegen hat in nur wenigen Jahren 14.844 Satelliten in die Umlaufbahn gebracht.

Musks Visionen

Doch das ist erst der Anfang. Musk verfolgt enorme Ambitionen, etwa den Bau von Rechenzentren im Weltraum. Diese orbitalen Rechenzentren könnten nahezu ununterbrochen mit Sonnenenergie betrieben werden und zugleich einige der Flächen- und Energieprobleme herkömmlicher Rechenzentren lösen.

Das wirklich große Ziel aber ist die Kolonisierung des Mars. Mit der Besiedlung unseres Nachbarplaneten will Musk die Menschheit zu einer multiplanetaren Spezies machen. Sein Ziel ist es, eine Million Menschen auf dem Mars anzusiedeln. Dafür müssten bei jedem Startfenster – das sich ungefähr alle 26 Monate öffnet – 1.000 Starships mit jeweils 100 Kolonisten zum Mars fliegen.

Was die langfristigen Perspektiven anlangt, so heißt es im IPO-Prospekt: „Wir glauben, dass unsere derzeitigen Weltraumaktivitäten transformative Durchbrüche katalysieren werden, die irdische Industrien neu gestalten und zur Entstehung neuer Billionen-Dollar-Märkte auf dem Mond, dem Mars und darüber hinaus führen könnten.“

Hier setzen viele Kritiker an, die befürchten, SpaceX könne das Geld, das z.B. mit Starlink verdient werde, mit Marsmissionen verbrennen, die nur Geld kosten und kein oder wenig Geld bringen. Der Prospekt bleibt hier vage. Zum Beispiel heißt es: „Insbesondere glauben wir, dass unser Ziel, eine Präsenz auf dem Mond aufzubauen, ein jährliches Wachstum von KI-Rechenkapazitäten im Terawatt-Maßstab ermöglichen, tiefere Weltraumerkundung und Industrialisierung unterstützen und als Sprungbrett für die Errichtung einer Zivilisation auf dem Mars dienen wird.“

Musks Ziel: Die Menschheit interplanetar zu machen

Musk wiederholt auch, was er immer gesagt hat, dass sein eigentliches Ziel sei, die Menschheit interplanetar zu machen, denn: „Die Abhängigkeit von nur einem planetaren Zuhause stellt eine zentrale Schwachstelle dar und birgt existenzielle Risiken … Wir wollen nicht, dass die Menschheit dasselbe Schicksal erleidet wie die Dinosaurier.“ Als Mission des Unternehmens wird beschrieben: „Unsere Mission ist es, die Systeme und Technologien zu entwickeln, die notwendig sind, um das Leben multiplanetar zu machen, die wahre Natur des Universums zu verstehen und das Licht des Bewusstseins zu den Sternen auszudehnen.“ In Verbindung mit dem Hinweis, dass – u.a. wegen 15 Milliarden Dollar Investitionen in das Starship – SpaceX im Moment Verluste schreibt und auch künftig nicht beabsichtige, Dividenden auszuzahlen, liest sich das für Kritiker wie Jay Ritter, einen Finanzprofessor an der University of Florida, so: „Selbst wenn Starlink jedes Jahr Gewinne in Höhe von mehreren zehn Milliarden Dollar für SpaceX generiert, könnte dieses Geld verschwendet werden, um Menschen zum Mars zu schicken, statt es an die Aktionäre auszuschütten.“

Börsenprospekt: Chancen werden zu vage beschrieben

Erst im hinteren Teil des Prospekts werden Geschäftsfelder genannt wie Weltraumtourismus, Produktion im Orbit, Passagier- und Frachttransport zum Mond und Mars sowie Energieproduktion auf Mond und Mars. Auch Asteroidenbergbau wird als künftiges Geschäftsfeld genannt, allerdings nur in einem Satz. Hier bleiben die Aussagen im Prospekt dünn, obwohl man z.B. in Bezug auf Produktion im Orbit, Asteroidenbergbau und Weltraumtourismus ausführlicher über mögliche wirtschaftliche Chancen in der Zukunft hätte schreiben können. Ich habe dem mehrere Kapitel in meinem Buch „Weltraumkapitalismus“ gewidmet.

Was aus meiner Sicht fehlt, sind die enormen Chancen, die sich aus dem Immobiliengeschäft ergeben. Im Weltraumvertrag von 1967 ist klar geregelt, dass Staaten keine Himmelskörper oder Land auf Himmelskörpern besitzen dürfen. Ob das Verbot auch für private Firmen gilt, ist unter Juristen umstritten. Manche Space-Juristen argumentieren: Nationale Souveränität endet dort, wo der Weltraum beginnt, was bedeutet, dass die nationale Aneignung des Mondes, anderer Planeten und Asteroiden verboten ist – nicht jedoch privates Eigentum an Himmelskörpern. Diese Interpretation stützt sich auf die juristische Doktrin expressio unius est exclusio alterius: Die ausdrückliche Erwähnung einer Sache impliziert den Ausschluss anderer.

Rechtliche Unsicherheiten: wem gehören Asteroiden?

Hier liegen zugegebenermaßen rechtliche Unsicherheiten, aber eben auch Chancen. Sollte es SpaceX gelingen, Eigentum z.B. an Asteroiden oder an Grund und Boden auf Mond und Mars zu erwerben, würde aus SpaceX die größte Immobilien-Story der Geschichte – mit der Möglichkeit, Space-REITs an die Börse zu bringen. Hier liegen vermutlich sogar die größten langfristigen Geschäftschancen für ein Unternehmen wie SpaceX.

Da es aber in der Natur von Börsenprospekten liegt, eher Haftung zu minimieren durch ausführliche Risikobeschreibung als Chancen aufzuzeigen, fehlen diese Elemente im Prospekt. Ich vermute, die Berater des Unternehmens haben von allem abgeraten, was dem Leser zu sehr wie Science Fiction erscheinen könnte. Durch den Verzicht, diese Chancen ausführlicher zu beschreiben, wird jedoch genau das Gegenteil erreicht: Da die – zweifelsohne sehr großen – Verdienstmöglichkeiten auf Gebieten wie Weltraumtourismus oder Asteroidenbergbau nur genannt, aber nicht ausgeführt werden und die Immobilienchancen nicht einmal diskutiert werden, scheint es für den Leser, der mit der Materie nicht vertraut ist, so, dass SpaceX Geld mit idealistischen Science-Fiction-Visionen verbrennen würde. Das ist abwegig, denn wenn eines sicher ist, dann ist es das: Wo es Möglichkeiten gibt, Geld zu verdienen, wird Musk diese nutzen.

Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist Historiker und Soziologe sowie Autor von 31 Büchern, die in 35 Sprache veröffentlicht wurden. Sein Buch "New Weltraumkapitalismus" ist jetzt erschienen.

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