Börsengang von Elon Musks KI- und Raumfahrtfirma könnte Tausende SpaceX-Beschäftigte deutlich reicher machen – selbst die am schlechtesten Bezahlten.
Der lang erwartete Börsengang von SpaceX steht kurz bevor und könnte in wenigen Stunden das Vermögen von Tausenden Beschäftigten grundlegend verändern.
Der Handelsstart ist für diesen Freitag geplant. Er dürfte nicht nur leitende Ingenieure und Spitzenkräfte zu Millionären machen, sondern auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einfachen Jobs, darunter Köche und Schweißer, die Aktienanteile als Teil ihres Gehalts bekommen haben.
Der Geldsegen konzentriert sich vor allem auf Brownsville in Texas, eine der ärmsten Städte der USA. Dort beschäftigt SpaceX an seinem Starbase-Gelände mehr als 3.000 Menschen.
Ungewöhnlich an diesem Börsengang, selbst nach Silicon-Valley-Maßstäben, ist, wie weit nach unten in der Unternehmenshierarchie die Aktienzuteilungen offenbar reichen.
Manche Schätzungen in US-Medien sprechen von rund 4.000 neuen Millionären im gesamten Unternehmen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Zahlen jedoch nicht.
Der in Brownsville ansässige Finanzplaner Michael Limas sagte Bloomberg, dass mehrere nichttechnische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Aktienoptionen als Teil ihrer Vergütung erhalten haben.
„SpaceX ist bei Optionen auf vielen Ebenen sehr großzügig, von ganz oben bis ganz unten. Für diese Region ist das etwas Einzigartiges“, erklärte Limas.
Ein von der Analyseplattform Moby angeführtes Beispiel verdeutlicht das Ausmaß besonders deutlich. Einem Schweißer wurden zunächst Unternehmensanteile im Wert von 10.000 Dollar (8.650 €) zugesprochen; kurz vor dem Börsengang sollen sie fast 880.000 Dollar (762.000 €) wert sein.
Solche Einzelbeispiele fügen sich in ein größeres Bild einer sehr großzügigen Beteiligungspolitik, von der zahlreiche Beschäftigte berichten.
Der Börsengang selbst sieht eine gestaffelte Haltefrist vor, nicht die übliche durchgehende Sperre von 180 Tagen, wie sie viele Unternehmen nutzen.
Laut Prospekt gibt es mehrere vorgezogene Verkaufsfenster. Eines davon ist an die Kursentwicklung gekoppelt: Es greift, wenn die Aktie an fünf von zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen mindestens 30 % über dem Ausgabepreis notiert. Dann könnten manche Beschäftigte schon wenige Wochen nach dem Börsendebüt auf ihr neues Vermögen zugreifen.
Brownsville stellt sich auf Folgen ein
Der Einfluss von SpaceX auf die Region ist schon jetzt deutlich spürbar. Die durch den Börsengang entstehenden Vermögen dürften ihn noch verstärken.
Brownsville zählt seit Langem zu den wirtschaftlich benachteiligten Städten der USA. Das mittlere Familieneinkommen liegt laut Regierungsdaten etwa ein Drittel unter dem Landesdurchschnitt.
SpaceX kam vor rund einem Jahrzehnt in die Region. Das Unternehmen baute an der Küste des Golfs von Mexiko, gut 40 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, den Startplatz Starbase auf.
Seither hat sich die Stadt spürbar gewandelt. Fachkräfte aus Kalifornien und anderen Bundesstaaten ziehen zu, die Immobilienpreise steigen, wie so oft, wenn viel Geld in eine Region fließt.
Maklerinnen und Makler sowie Ökonominnen und Ökonomen schätzen, dass der mittlere Hauspreis im Großraum Brownsville-Harlingen seit 2020 um rund 25 % zugelegt hat – von etwa 185.000 Dollar (160.000 €) auf 233.000 Dollar (201.000 €).
Langjährige Bewohnerinnen und Bewohner mit meist bescheidenem Einkommen spüren den Druck deutlich.
Für viele Beschäftigte ist der Schritt von schwer verkäuflichen Anteilen hin zu verfügbarem Bargeld mit neuen Herausforderungen verbunden.
Laut Bloomberg berichten Vermögensverwalter in der Region von großer Nervosität unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Viele sehen in diesem Moment ihre wohl einzige Chance, Wohlstand für kommende Generationen aufzubauen – und fürchten teure Fehler beim Timing oder bei der Steuerplanung.
Mehr als 100 SpaceX-Beschäftigte in der Region haben sich demnach zusammengeschlossen, um gemeinsam Konditionen für die Vermögensverwaltung mit der Beratungsfirma Choreo auszuhandeln. Weil sie potenzielle Anlagen im Wert zwischen 1 Mrd. Dollar (865 Mio. €) und 5 Mrd. Dollar (4,33 Mrd. €) einbringen, konnten sie so niedrigere Gebühren durchsetzen.
Brownsvilles Bürgermeister John Cowen, dessen Familie seit sechs Generationen in der Region lebt, versucht die Veränderungen positiv zu deuten. In US-Medien betont er, es sei gut für die Stadt, als Ort für Investitionen wahrgenommen zu werden.
Im Windschatten von SpaceX sind weitere Industrieprojekte entstanden, darunter ein Terminal für den Export von Flüssigerdgas in der Nähe des Hafens von Brownsville.
Bereits im März kündigte US-Präsident Donald Trump zudem den Bau einer 300 Mrd. Dollar (260 Mrd. €) teuren Ölraffinerie am Hafen an, die Berichten zufolge 500 Vollzeitarbeitsplätze schaffen könnte.
Ob der Börsengang am Ende hält, was er verspricht, und wie gerecht seine Erträge in einer Stadt verteilt werden, die bisher eher von Entbehrung als von Wohlstand geprägt war, bleibt offen.