Welche Nationen sind die mit den treuesten und eifrigsten Fans, die keine Kosten und Mühen scheuen, um ihr Team vor Ort jenseits des Atlantiks anzufeuern?
Eine blaue Welle ist in die Vereinigten Staaten geschwappt: Schottische Fans sind dank einer überragenden Qualifikationsphase nach 28 Jahren wieder bei der Fußball-Weltmeisterschaft dabei – und strömen in Scharen an die Ostküste.
Die Flugbuchungen aus Großbritannien in Austragungsorte wie Boston und Miami sind in die Höhe geschnellt: ein Anstieg um rund 1.000 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
In der Zahl sind zwar auch die englischen Fans enthalten, doch laut den Datenanalysten von FlightsFinder treiben vor allem die schottischen Fans den Boom an.
Boston: Partyhochburg der Schottland-Fans
"Alle Flüge waren voller Schottland-Fans", begeistert sich John Finnigan, ein Fußball-Anhänger, der aus Edinburgh angereist ist. Er berichtet Europe in Motion, er sehe "Tausende" von ihnen in der Stadt. Die Stimmung in Boston sei "klasse, eine einzige Party".
Schon 1998 war er mit der schottischen Mannschaft in Frankreich unterwegs. Diesmal hat er seinen Sohn Joe mit nach Amerika genommen.
Das erste Spiel war eng, brachte aber die erhofften drei Punkte: Eins zu Null gegen Haiti.
Nun stehen Begegnungen mit Marokko und Brasilien bevor. Reicht die Unterstützung der "Tartan Army", um das Team in die K.-o.-Phase zu tragen?
Finnigan ist zuversichtlich. "Die nächsten beiden Partien sind hart, aber ein Unentschieden sollte reichen."
Auch deutsche Fans reisten und reisen in großer Zahl an, die Buchungen haben sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppelt. Die deutschen Fans verteilen sich auf Toronto, New Jersey und Houston.
Und fallen durch effiziente Organisation auf: Keine andere Fan-Gruppe aus Europa buchte ihre USA-Flüge so früh wie die Deutschen: im Schnitt 138 Tage vor Beginn der Gruppenphase.
Der Aufwand zahlte sich bislang aus: Die Mannschaft startete mit einem klaren 7:1 gegen WM-Neuling Curaçao.
Einen weiteren Tourismus-Schub bescheren türkische Anhänger dem amerikanischen Kontinent. Sie nehmen Kalifornien im Sturm ein, mit einem Buchungsplus von 85 Prozent. Zahlreich über den Atlantik gereist sind auch portugiesische (plus 45 Prozent) und französische Fußball-Begeisterte (plus 30 Prozent). Die Franzosen hoffen auf ein drittes WM-Finale in Folge.
Außerhalb Europas fällt vor allem Marokko mit einem deutlichen Plus auf. Nach Angaben von FlightsFinder musste Royal Air Maroc zwischen dem 13. und 27. Juni zusätzlich 8.800 Plätze anbieten, um die Nachfrage zu bedienen.
Marokko erlebt wohl den Höhepunkt seiner Fußballgeschichte: Platz vier bei der WM 2022, das Finale beim letzten Afrika-Cup – und nun das vielversprechende Unentschieden gegen Brasilien am Sonntag. All das befeuert die Begeisterung rund um die "Löwen des Atlas" weiter.
Schlechte Nachrichten hingegen für den Europameister Spanien: Dort gingen die Buchungen um 26 Prozent zurück, da Fans es traditionell vorziehen, zu Hause zu bleiben und im eigenen Land große Fan-Zonen aufgebaut haben. "Dies, zusammen mit stark gestiegenen Flugpreisen, hat dazu geführt, dass die meisten Menschen nicht reisen", erläutert FlightsFinder gegenüber Europe in Motion.
Auch die Schweiz macht den Reiseboom nicht mit: Dort sanken die Buchungen in die Spielorte um drei Prozent. Norwegen verzeichnet ebenfalls ein Minus von rund fünf Prozent bei den Buchungen, obwohl das Land wie Schottland nach 28 Jahren zur WM zurückkehrt.