Belarus: Lukaschenko entschuldigt sich bei Selenskyj für frühere scharfe Worte, und betont, Belarus bedrohe die Ukraine nicht.
Der belarussische Staatschef Alexander Lukaschenkobetont, sein Land stelle für die Ukraine keine militärische Gefahr dar. Seine früheren Äußerungen seien lediglich eine Reaktion auf Drohungen aus Kyjiw gegen Minsk gewesen, sagte Lukaschenko.
„Falls sich (der ukrainische Präsident) Wolodymyr Oleksandrowytsch (Selenskyj) gekränkt fühlt, entschuldige ich mich bei ihm für diese Worte“, sagte Lukaschenko.
„Vielleicht hätte ich das nicht sagen sollen, schließlich führt er Krieg. Vielleicht hätte ich nicht so offen darüber reden sollen. Andererseits muss er verstehen, dass man, wie wir oft sagen: ‚Man erntet, was man sät‘“, sagte Lukaschenko.
Gleichzeitig forderte er Selenskyj auf, seine Wortwahl zu überdenken und Belarus nicht zu provozieren.
„Von Belarus sind keine militärischen Aktionen zu erwarten, schon gar nicht von mir“, sagte Lukaschenko und fügte hinzu Selenskyj sei „jung und unerfahren“ sowie „kein Militär“.
Vertreterinnen und Vertreter der Regierung in Kyjiw äußern zunehmend die Sorge, Belarus könne tiefer in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hineingezogen werden.
Im Mai erklärte Selenskyj, Kyjiw sei bereit, „präventive“ Maßnahmen gegen Moskau und die belarussische Führung zu ergreifen. Hintergrund seien mögliche militärische Bedrohungen für den Norden der Ukraine, ein gemeinsames Atommanöver Russlands und Belarus sowie wachsende Spannungen mit europäischen NATO-Staaten nach Drohnenvorfällen im Ostseeraum.
Bereits im April hatte Selenskyj unter Berufung auf ukrainische Militärberichte erklärt, Belarus baue Straßen in Richtung der ukrainischen Grenze und richte in Grenznähe Artilleriestellungen ein.
Der Kommandeur der ukrainischen Truppengattung für unbemannte Systeme, Robert Brovdi, erklärte außerdem, das Militär habe in Belarus bereits 500 mögliche Ziele identifiziert. Zugleich warnte er Lukaschenka vor einer stärkeren Verstrickung Minsks in Russlands Krieg.
„Die ersten 500 Ziele sind bereits identifiziert. Ein kostenloser und sehr praktischer Rat: Legt euch nicht mit der Ukraine an“, schrieb Brovdi, dessen Rufname „Magyar“ lautet, in einem Beitrag in sozialen Medien.
Lukaschenko reagierte darauf mit der Drohung, im Falle einer Bedrohung von Belarus ein von ihm als „sehr bedeutend“ bezeichnetes Ziel in der Ukraine anzugreifen.
Die Anführerin der belarussischen Opposition, Swjatlana Zichanouskaja, wertet Lukaschenkos Entschuldigung bei Selenskyj als Beleg für die Stärke der Ukraine.
„Zuerst forderte Lukaschenko die Ukraine zur Kapitulation auf“, schrieb Zichanouskaja auf X. „Jetzt ‚entschuldigt‘ er sich bei Präsident Selenskyj.“
„Das hat die Stärke der Ukraine bewirkt. Sie hat die Schwäche einer Diktatur offengelegt, die auf Lügen, Angst und der Abhängigkeit von Putin basiert“, fügte sie hinzu.
Zichanouskaja sagte weiter: „Keine inszenierte Entschuldigung kann die Mitschuld an der Aggression auslöschen.“ Sie spielte damit auf die Rolle von Belarus als Aufmarschgebiet für die russische Großoffensive Anfang 2022 an sowie auf Lukaschenkas anhaltende Unterstützung für den Krieg Moskaus, der sich inzwischen im fünften Jahr befindet.