Kyjiw warnt, Belarus könnte tiefer in Russlands Krieg in der Ukraine hineingezogen werden. Präsident Selenskyj empfängt die belarussische Oppositionspolitikerin Tichanowskaja zu ihrem ersten offiziellen Besuch in der ukrainischen Hauptstadt.
Auf den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko habe niemand Einfluss außer Russlands Präsident Wladimir Putin. Das sagt die belarussische Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja im Gespräch mit Euronews.
"Er erfüllt alle Anweisungen Putins, aber er handelt damit gegen den Willen des belarussischen Volkes“, erklärt sie in der Morgensendung "Europe Today".
Der französische Präsident Emmanuel Macron soll Lukaschenko am Sonntag davor gewarnt haben, die Beteiligung seines Landes an Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine auszuweiten.
In dem seltenen Telefonat eines westlichen Spitzenpolitikers mit Lukaschenko ging es Berichten zufolge um mögliche militärische Bedrohungen von Belarus gegen den Norden der Ukraine und um ein mögliches russisch-belarussisches Atommanöver. Zudem sprachen Macron und Lukaschenko über die verschärften Spannungen mit europäischen NATO-Staaten nach Drohnenvorfällen über der Ostsee.
"Lukaschenko und Putin haben eine symbiotische Freundschaft"
Tichanowskaja bezweifelt jedoch, dass solche Gespräche greifbare Ergebnisse bringen.
"Lukaschenko dient den Interessen Russlands, nicht den Interessen des belarussischen Volkes. Er ist bereit, unsere Souveränität und unsere Unabhängigkeit zu verraten, nur um an der Macht zu bleiben. Man sollte also nicht glauben, dass man Lukaschenko vom Kreml trennen kann“, so Tichanowskaja.
Aus Kyjiw zugeschaltet sagt sie Euronews, niemand könne einen Keil zwischen Lukaschenko und Putin treiben.
"Lukaschenko und Putin haben eine Art symbiotische Freundschaft. Sie stützen sich gegenseitig und nutzen sich gegenseitig aus. Es ist eine Illusion zu glauben, man könnte sie voneinander lösen.“
Belarus: Drohungen gegen Ukraine
Kyjiw hat mehrfach davor gewarnt, Russland könnte mit Unterstützung von Belarus eine neue Offensive gegen den Norden der Ukraine vorbereiten.
Zu Beginn von Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine im Jahr 2022 nutzte Moskau belarussisches Territorium, um die Grenze zu überqueren und Truppen in die nördlichen Regionen und auf die Hauptstadt Kyjiw zuzubewegen.
Bei ihrem ersten offiziellen Besuch in der Ukraine erklärte Tichanowskaja: "Die Ukraine verteidigt die gesamte Region vor dem russischen Imperialismus.“ Sie betonte, die Menschen in Belarus seien "Verbündete und keine Feinde“ der Ukraine.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, Kyjiw sei bereit, "präventive“ Maßnahmen gegen Russland und die belarussische Führung zu ergreifen, falls es neue militärische Bedrohungen für den Norden der Ukraine gebe.
"Die faktische Führung von Belarus" müsse "auf der Hut bleiben – das heißt klar verstehen, dass es Konsequenzen geben wird, falls aggressive Handlungen gegen die Ukraine, gegen unser Volk, unternommen werden“.
Wie schon 2022 bestreitet Lukaschenko, dass er sein Land in Putins Krieg hineinziehen will, es sei denn, "gegen das (belarussische) Territorium wird Aggression verübt“. Damit meint er nicht nur die Ukraine, sondern auch die baltischen Staaten.
Im April erhob der belarussische Präsident unbelegte Vorwürfe über angebliche Aggressionen gegen Belarus aus Polen und den baltischen Staaten. Lukaschenko kündigte an, Minsk werde gemeinsam mit Moskau mit allen verfügbaren Mitteln reagieren, auch mit Atomwaffen.
"Meine Aufgabe ist es, meine Nachbarn zu warnen – Estland, Lettland, Litauen, Polen und in gewissem Maß auch die Ukraine. Gott bewahre sie davor, Aggression gegen Belarus zu verüben. Wir wollen keinen Krieg, wir haben nicht vor, gegen sie zu kämpfen“, sagte Lukaschenko.