Der Russe Robert K., bekannt als Putin-kritischer Künstler und Satiriker Simon Skrepetski,ist in Polen erschossen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch wegen eines möglichen Auftragsmords. Zwei Belarussen wurden festgenommen.
Der Vorfall ereignete sich am 15. Juni gegen 9.50 Uhr auf einem Parkplatz nahe der Wohnung des 44-Jährigen in der polnischen Stadt Biała Podlaska. Wie die polnische Staatsanwaltschaft mitteilt, geht aus den bisherigen Ermittlungen hervor, dass ein unbekannter Mann auf Robert K. zuging und zwei Schüsse aus nächster Nähe auf ihn abgab. Das Opfer stürzte zu Boden. Der Täter feuerte noch drei weitere Schüsse ab und flüchtete dann vom Tatort.
Die Ermittler prüfen verschiedene Hintergründe. Bei einem Pressebriefing der Staatsanwaltschaft in Lublin standen direkt Fragen nach einer möglichen mafiösen Hinrichtung im Raum.
"Die Schlüsse möchte ich Ihnen überlassen“, sagte Marcin Kozak von der Staatsanwaltschaft in Lublin. Im Gespräch mit Euronews kündigte er an: "In dem Verfahren wird es noch viele Festnahmen geben.“
Kritiker Putins und Kadyrows: Wer war Simon Skrepetski?
Fragen nach einer gezielten Hinrichtung kamen auch wegen der Drohungen auf, über die der Künstler selbst auf Telegram schrieb. Robert K., der unter dem Pseudonym Simon Skrepetski auftrat, lebte seit 2021 in Polen. Er hatte Russland aus Angst vor Repressionen verlassen. Medienberichten zufolge nahm er wenige Tage vor seinem Tod an einer Demonstration vor der russischen Botschaft in Berlin teil, wo er kremlkritische Arbeiten und Performances zeigte.
Skrepetski war Satiriker und politischer Künstler. In seinen Karikaturen verspottete er nicht nur Wladimir Putin, sondern auch den tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow und das gesamte politische System der Russischen Föderation.
Noch am Tag seiner Ermordung berichtete er auf seinem Telegram-Kanal von Drohungen gegen ihn. In einem Beitrag schrieb er, russische Nationalisten und Kreml-Anhänger drohten ihm mit Vergeltung.
"Der Trick mit der Flagge war bei russischen Patrioten sehr beliebt. Verschiedene Typen versprechen, dass Kadyrow persönlich mich auf Putins Befehl im ‚Blauen Szpikule‘ vergewaltigen wird.“
Staatsanwaltschaft: "Es noch viele Festnahmen geben“
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft rief der Stadtpolizeikommandant von Biała Podlaska kurz nach der Tat für die gesamte Dienststelle Alarm aus.
Daraufhin nahmen Einsatzkräfte in der Nähe des Konsulats der Republik Belarus zwei belarussische Staatsbürger im Alter von 37 und 33 Jahren fest. Ermittler vernehmen die Männer derzeit. Wie Marcin Kozak im Gespräch mit Euronews jedoch betonte, ist der Fall vielschichtig, und bisher hat die Staatsanwaltschaft gegen keinen der Festgenommenen Anklage erhoben.
"Wir prüfen verschiedene Versionen, die unterschiedlich wahrscheinlich sind. Wir können auch ein privates Motiv nicht ausschließen. So spektakulär das im Moment aussieht, am Ende könnte es sich als gewöhnliche Beziehungstat herausstellen. Aber das sind wirklich nur meine Spekulationen“, sagte er.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sicherten Ermittler am Tatort fünf Patronenhülsen und ein Projektil des Kalibers 9 mm Luger Geco. Kozak erklärt, das bisher gesammelte Beweismaterial sei umfangreich und erlaube den Ermittlern, das Geschehen Schritt für Schritt genauer zu rekonstruieren.
"Ich möchte betonen, dass es in diesem Fall noch viele Festnahmen und Durchsuchungen geben wird, Identitätsfeststellungen und Fahrzeugkontrollen. Wir werden jeder Spur nachgehen. Auf der heutigen Pressekonferenz haben wir alle gebeten, sich zu melden, die zum Zeitpunkt der Tat in der Nähe waren und Menschen oder Fahrzeuge in Richtung Tatort gefilmt oder fotografiert haben.“
"Die Schlussfolgerungen drängen sich auf“
Bei der Pressekonferenz erklärte Kozak, die Staatsanwaltschaft könne derzeit keine Angaben zu den Hauptmotiven des Mordes machen. Er deutete jedoch an, dass es sich trotz aller offenen Fragen mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine gezielte Hinrichtung handelt.
"Die Schlüsse möchte ich Ihnen überlassen. Ich habe die Fakten dargestellt: Ein Angreifer nähert sich einem Mann auf dem Gehweg, schießt drei Mal von hinten, und nachdem das Opfer zu Boden gegangen ist, geht er erneut auf ihn zu und feuert zwei weitere Schüsse ab. Die Schlussfolgerungen liegen wohl auf der Hand, aber ich bin verpflichtet, mich an die Fakten zu halten.“
Der Tod von Simon Skrepetski steht in einem größeren Kontext der Schicksale russischer Künstler, Aktivisten und Oppositioneller, die den Kreml kritisieren. Eines der bekanntesten Symbole dieses Protests ist die Musikgruppe Pussy Riot. Mehrere ihrer Mitglieder saßen wegen ihrer Aktionen gegen Putin im Gefängnis oder wurden strafrechtlich verfolgt. Am 7. Mai 2026 protestierten sie in Venedig gegen die Präsenz Russlands auf der 61. Internationalen Kunstausstellung, der Biennale.
In den vergangenen Jahren mussten viele Gegner Wladimir Putins ins Exil gehen. Manche von ihnen wurden bedroht, verfolgt oder mit Strafverfahren überzogen. Der prominenteste Fall ist der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny, der nach einer Vergiftung und anschließender Haft im Jahr 2024 in einer russischen Strafkolonie starb.
Der Kreml weist den Vorwurf, den Oppositionellen ermordet zu haben, zurück. Nach seinem Tod warf die russische Führung dem Westen vor, den Fall gegen Russland auszuschlachten, und bezeichnete die Kritik westlicher Staats- und Regierungschefs als "inakzeptabel“.
Im Jahr 2025 teilte die Witwe des Oppositionellen, Julia Nawalnaja, jedoch mit, dass Untersuchungen ausländischer Labore mit Unterstützung der Regierungen von fünf Staaten in Proben aus dem Körper Alexej Nawalnys das Nervengift Epibatidin nachgewiesen hätten – ein starkes Neurotoxin, das im Gift einiger Froscharten vorkommt.