Vor dem NATO-Gipfel im Juli bemüht sich Generalsekretär Mark Rutte um ein geschlosseneres Auftreten des Bündnisses. Im Zentrum stehen die Spannungen mit Washington, die Lage in der Straße von Hormus und höhere Verteidigungsausgaben.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte reist in der kommenden Woche nach Washington. Die Bündnispartner wollen vor dem jährlichen NATO-Gipfel im Juli die transatlantischen Spannungen entschärfen, erfuhr Euronews.
Im Mittelpunkt der Gespräche dürften die von Europa angeführten Bemühungen stehen, nach der US-iranischen Vereinbarung zur Beendigung der Kampfhandlungen die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus wiederherzustellen.
Rutte wirbt für freie Schifffahrt in der Straße von Hormus
"Die Wiederherstellung des freien Durchfahrtsrechts durch die Straße von Hormus wäre ein gewaltiger Schritt nach vorn", sagte Rutte am Mittwoch vor Journalisten im NATO-Hauptquartier in Brüssel.
"Ich weiß, dass viele Verbündete über die von Frankreich und dem Vereinigten Königreich geführte Initiative bereitstehen, diesen Einsatz zu unterstützen", fügte er hinzu.
Ruttes Besuch vom 23. bis 25. Juni fällt in eine Phase, in der sich die Verbündeten auf einen Gipfel vorbereiten, der nach Monaten transatlantischer Reibungen aus Sicht der NATO-Verantwortlichen geschlossener ablaufen soll.
Rutte äußerte sich vor dem Treffen der NATO-Verteidigungsminister an diesem Donnerstag in Brüssel, einer weiteren wichtigen Etappe vor dem Gipfel. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth will daran teilnehmen.
Washington-Reise nach Monaten der Spannungen
Nach Angaben aus Bündniskreisen hofft Rutte, das Verhältnis zwischen Washington und den NATO-Partnern zu verbessern. Zuvor hatte es monatelang Spannungen gegeben, weil es in Europa Widerstand gegen die US-israelische Militäroperation gegen den Iran gab.
Beamte betonen, die Vereinbarung der USA mit Teheran habe das Risiko verringert, dass der Juli-Gipfel zu einer Konfrontation zwischen Präsident Donald Trump und europäischen Staats- und Regierungschefs wird.
"Jetzt gibt es ein Abkommen, das bringt uns in eine bessere Ausgangslage", sagte ein NATO-Beamter Euronews. Trump "werde nach dem bestätigten Friedensabkommen mit dem Iran in einer besseren Position sein", ergänzte er.
Die Quelle fügte hinzu: "Seien wir ehrlich: Immer wenn sich die Lage im Iran zuspitzte, bekamen die NATO-Verbündeten die Gegenreaktion zu spüren."
Trump reagierte wütend, nachdem einige NATO-Staaten US-Streitkräften zunächst den Zugang zu Stützpunkten in Europa für Betankung und andere einsatzbezogene Operationen verweigert hatten.
Andere Länder, darunter Deutschland, gewährten der US-Armee uneingeschränkten Zugang zur Air Base Ramstein in Rheinland-Pfalz. Von dort aus wurden Drohnen- und Raketenangriffe auf den Iran koordiniert.
Das Verhältnis verschlechterte sich weiter, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz den Umgang Washingtons mit dem Konflikt kritisiert hatte. Trump reagierte, indem er die Präsenz der US-Streitkräfte in Deutschland verringerte und Verbündete, die seiner Ansicht nach die Operation nicht unterstützt hatten, öffentlich rügte.
"Ob wir Unterstützung bekommen oder nicht, eines kann ich sagen – und das habe ich ihnen auch gesagt: Wir werden uns daran erinnern", sagte Trump im März vor Reportern an Bord der Air Force One.
NATO-Gipfel in Ankara soll neue Zusagen bringen
In Ankara wird Trump zum Gipfel am 7. und 8. Juli erwartet. Dort wollen die Verbündeten weitere Erhöhungen der Verteidigungsausgaben und einen deutlichen Ausbau der Rüstungsproduktion zusagen.
"Wir brauchen mehr Kräfte, mehr Mittel und eine deutlich stärkere industrielle Basis", sagte Rutte vor dem Ministertreffen.
"Das bedeutet, dass wir die Verteidigungsausgaben stetig erhöhen müssen."
Die meisten NATO-Partner haben zugesagt, sich einer von Frankreich und dem Vereinigten Königreich geführten Operation zur Wiederöffnung der Straße von Hormus anzuschließen. Mehrere Staaten haben bereits Einheiten in die Region entsandt, darunter Fregatten, Minensuchboote und Sicherungskräfte.
Europa und Kanada sollen mehr Verantwortung übernehmen
Ein weiterer Schwerpunkt des Gipfels soll darin liegen, Europa und Kanada mehr Verantwortung für die NATO und die transatlantische Sicherheit zu übertragen. Die USA haben die Partner darüber informiert, dass sie bestimmte militärische Fähigkeiten für das Bündnis zurückfahren wollen.
Dazu gehören Langstreckenbomber wie Maschinen vom Typ B-2 und B-52. Zudem dürfte das Pentagon die Zahl der für NATO-Einsätze verfügbaren Kampfjets der Typen F-16 und F-35 verringern.
Von den Verbündeten wird erwartet, dass sie Fortschritte auf dem Weg zu dem Ziel nachweisen, fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben. Darauf hatten sie sich beim NATO-Gipfel im vergangenen Jahr in Den Haag geeinigt.
Quellen berichteten Euronews, Rutte sei zunehmend frustriert über die ausbleibenden Fortschritte in einigen Hauptstädten. Er wolle das Thema in den kommenden Wochen mit Nachdruck vorantreiben.