In sozialen Medien kursieren mehrsprachige Posts, die fälschlich behaupten, Fotografen hätten auf Dächern auf einen Treffer des UNESCO-Welterbeklosters Petscherska-Lawra in Kyjiw gewartet. Sie sagen, der Angriff wäre inszeniert worden.
Nicht alle Fotos vom Angriff auf die ukrainische Kultur-Welterbestätte dr Petschersk Lawra sind echt. Manche davon wurden mit Künstlicher Intelligenz (KI) generiert, und mit der Behauptung verbreitet, Fotografen wären auf den Angriff vorbereitet gewesen und hätten sich bereits im Voraus positioniert.
Laut einigen pro-russischen Internetnutzern würden diese Aufnahmen belegen, dass die Fotografen beauftragt wurden, den Angriff auf eine der wichtigsten religiösen Stätten der Ukraine zu dokumentieren. In den Beiträgen wird behauptet, die Präsenz der Kamerateams auf den umliegenden Dächern belege, dass die Ukraine den Angriff auf die Kyjiw-Petschersk-Lawra inszeniert habe.
Der Klosterkomplex wurde in der Nacht vom 14. und den 15. Juni getroffen, als Russland eine Serienangriff mit Drohnen und Raketen auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw abfeuerte.
Nach Angaben der Behörden kamen fünf Menschen ums Leben, Wohngebiete wurden getroffen. Raketen beschädigten sowohl den zum UNESCO-Welterbe gehörenden Klosterkomplex als auch die Oleksandr-Dowschenko-Filmstudios.
Das im 11. Jahrhundert gegründete weitläufige Ensemble aus Klöstern und Kirchen gehört zu den bedeutendsten orthodoxen Stätten der Ukraine.
Ein Video aus der unmittelbaren Folge des Angriffs, das die ukrainische Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko veröffentlichte, zeigte die Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Flammen.
Russland beschuldigt Ukraine für den Angriff
Im Anschluss an den Beschuss erklärten russische Stellen, die Ukraine trage die Schuld und die Kathedrale sei von einer US-Patriot-Rakete beschädigt worden.
Auch in mehreren Beiträgen auf X, Facebook und TikTok hieß es, die Ukrainer hätten den Angriff gestellt; den Posts waren zwei Fotos beigefügt.
Eines zeigt zwei Männer, die auf einem Dach ein Stativ aufbauen und es auf die Kathedrale ausrichten. Das zweite soll einen Mann zeigen, der die Zerstörung fotografiert, während das Dach bereits in Flammen steht.
Das Cube-Team, der Faktencheck von Euronews, fand entsprechende Beiträge auf Deutsch und Griechisch. Zusammengenommen erzielten sie mehr als 11.000 Aufrufe und unterstellten den Kameraleuten, sie hätten vorab von dem Angriff gewusst.
"Das Filmen von Bombardierungen in der Ukraine ist verboten", behauptet ein Beitrag. "Doch ausgerechnet in dieser Nacht seien Fotografen mit professioneller Ausrüstung auf die Dächer der Häuser neben der Lawra in Kyjiw gelangt."
The Cube analysierte beide Bilder mit dem Bildprüfwerkzeug von OpenAI, das in jeder Datei ein SynthID-Wasserzeichen entdeckte.
SynthID ist ein unsichtbares digitales Wasserzeichen, das in Bilder eingebettet wird, die mit den Bildgeneratoren von OpenAI erstellt wurden. So lassen sie sich auch nach dem Teilen im Netz identifizieren.
Auch inhaltlich stimmen die Bilder nicht. Sie zeigen das Dach der Kathedrale in Grün - bestätigte Aufnahmen des Komplexes belegen jedoch, dass es braun ist. Nur einige benachbarte Gebäude haben grüne Dächer.
Ukraine beschuldigt Russland
Der ukrainische Sicherheitsdienst SBU macht Russland für den Angriff verantwortlich. Demnach traf eine unbemannte Geran-2-Drohne den Komplex.
Bislang gibt es keine Belege dafür, dass der Angriff inszeniert wurde oder dass ukrainische Fotografen zuvor von dem Beschuss wussten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beschrieb den Angriff als "eines der schwersten Verbrechen Russlands gegen die christliche Kultur bisher". Außenminister Andrii Sybiha kündigte zudem an, die Ukraine werde bei der UNESCO und "anderen internationalen Mechanismen" Verfahren einleiten, um eine Reaktion auf die "russischen Terroristen" einzufordern.
Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte auf X: "So wie der Angriffskrieg, den Russland seit mehr als vier Jahren gegen die Ukraine führt, ist auch dieser Angriff auf unser gemeinsames Welterbe durch nichts zu rechtfertigen."