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Uruguay warnt EU: Mercosur ratifizieren oder Einfluss in Südamerika an China verlieren

Uruguays Außenminister Mario Lubetkin im Euronews-Interview am Montag, dem sechsten Juli 2026.
Uruguays Außenminister Mario Lubetkin im Interview mit Euronews am Montag, dem sechsten Juli 2026. Copyright  Euronews
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Von Stefan Grobe
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Im Euronews-Exklusivinterview spricht Montevideos Außenminister Mario Lubetkin über das Mercosur-Abkommen, Uruguays politische Optionen und Trumps Einflussversuche in Amerika.

Uruguays Außenminister Mario Lubetkin fordert die Europäische Union auf, eine aus seiner Sicht historische Chance zu nutzen und das EU‑Mercosur-Handelsabkommen endlich zu ratifizieren. Sonst droht Europa, Einfluss in Lateinamerika an China und andere Großmächte zu verlieren.

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Im Gespräch mit Euronews in Brüssel, wo Uruguay gerade den rotierenden Vorsitz im Mercosur übernommen hat, nannte Lubetkin das Abkommen einen „Qualitätssprung“ in den Beziehungen zwischen Europa und Südamerika. Der Block habe seinen Teil der Vereinbarung bereits erfüllt, betonte er.

„Binnen zwei Monaten haben die vier Mercosur-Staaten das Abkommen ratifiziert“, sagte Lubetkin. „Das hat es noch nie gegeben. Regierungen von rechts bis links haben zugestimmt, weil wir es als strategisch wichtig ansehen – nicht nur für uns, sondern auch für Europa.“

Das Abkommen war nach mehr als zwei Jahrzehnten Verhandlungen politisch abgeschlossen. Für Mercosur trat es am 1. Mai in die Umsetzungsphase ein.

In Europa ist die Ratifizierung politisch umstritten; das Europäische Parlament gilt als größtes Hindernis im Verfahren.

Abkommen hängt am Europaparlament

Im Januar 2026 verlangte das Parlament ein Gutachten des Gerichtshofs der Europäischen Union. Es soll klären, ob die Rechtskonstruktion des Abkommens und seine vorläufige Anwendung mit den EU‑Verträgen vereinbar sind.

Seither hat das Parlament dem Vertrag nicht zugestimmt. Das Verfahren liegt auf Eis, bis das Gutachten vorliegt – das kann mehr als ein Jahr dauern.

In der Zwischenzeit ist das gesamte Assoziierungs- und Partnerschaftsabkommen noch nicht vollständig in Kraft, auch wenn die Handelssäule bereits vorläufig läuft.

Lubetkin zeigt sich überzeugt, dass das Europaparlament den Deal am Ende billigen wird. Wann das passiert, bleibt für ihn offen.

„Ich weiß nicht, ob es 2027 oder 2028 sein wird“, sagte er. „Das ist Europas Entscheidung. Für uns ist der Prozess abgeschlossen.“

Uruguay will jedoch nicht auf Brüssel warten.

Als Mercosur-Vorsitz plant Montevideo im Dezember das erste EU‑Mercosur-Handelsforum. Uruguay arbeitet zudem mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des EU-Handelskommissars zusammen, um die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu vertiefen, noch bevor die Ratifizierung abgeschlossen ist.

„Unsere Bürgerinnen und Bürger können nicht warten“, sagte Lubetkin. „Sie brauchen jetzt konkrete Antworten.“

Wandelnde Geopolitik erhöht Bedeutung des Abkommens

Lubetkin hält das Abkommen heute für strategisch noch wichtiger als vor fünf Jahren. Der Welthandel werde immer stärker von geopolitischem Wettbewerb geprägt.

„Europa muss überlegen, mit welchen Regionen es zusammenarbeitet, deren Stärken sich ergänzen“, sagte er. „Das ist ein klassisches Win-win-Abkommen.“

Nach seinen Worten kann Europa mit steigenden Investitionen, mehr Wachstum und neuen Arbeitsplätzen rechnen. Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks würden ihre Aktivitäten ausbauen.

Das Abkommen gehe nicht nur darum, südamerikanische Exporte auf den europäischen Markt zu bringen, fügte er hinzu. In der Region gebe es selbst viel Investitionskraft. Der Austausch laufe in beide Richtungen.

Warnung an Europa

Gleichzeitig richtet Lubetkin eine klare Warnung an europäische Entscheidungsträger: Mercosur wird nicht unbegrenzt warten. „Wenn Europa dieses Abkommen ablehnt, sind die Folgen für Europa deutlich größer als für uns“, sagte er.

Auf die Frage, ob China dann der naheliegende alternative Partner wäre, antwortete Lubetkin ohne Zögern: „Natürlich.“

China ist in den vergangenen 14 Jahren zum wichtigsten Handelspartner Uruguays geworden. Europa bleibt die wichtigste Quelle für Investitionen, die Vereinigten Staaten dominieren bei Dienstleistungen.

Statt sich auf eine Seite zu schlagen, will Uruguay nach seinen Worten die Beziehungen zu allen großen Mächten zugleich ausbauen.

„Wir arbeiten nicht mit China gegen die Vereinigten Staaten“, sagte er. „Wir arbeiten mit China, mit den Vereinigten Staaten und mit der Europäischen Union.“

Während der sechsmonatigen Mercosur-Präsidentschaft Uruguays will der Block zudem die Handelsgespräche mit Kanada, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Indien abschließen. Zugleich sollen die Beziehungen zu den ASEAN-Staaten und zu Afrika ausgebaut werden.

„Niemand wird warten“, warnte Lubetkin.

Uruguay lehnt Großmachtrivalität ab

Lubetkin weist den Vorwurf zurück, Uruguay gerate zwischen Washington und Peking, trotz zunehmenden Drucks der Regierung von US-Präsident Donald Trump, den chinesischen Einfluss in Lateinamerika zu begrenzen.

„Unsere Politik ist positiv, nicht gegen jemanden gerichtet“, sagte er. „Wir wollen die wirtschaftlichen Beziehungen zu allen Partnern vertiefen.“

Dieser Spagat prägt die Außenpolitik Uruguays unter seiner mitte‑linken Regierung, die im März 2025 ihr Amt antrat.

Trotz eines zunehmend konservativen politischen Umfelds in Lateinamerika weist Lubetkin die Vorstellung zurück, Uruguay werde isoliert.

Als Beleg verweist er auf den jüngsten Besuch des chilenischen Präsidenten Gabriel Boric. Ideologische Gegensätze weichen nach seiner Einschätzung immer häufiger praktischer Zusammenarbeit.

„Ob Regierungen rechts oder links stehen, Staaten brauchen einander“, sagte Lubetkin. „Die Welt verändert sich, und Zusammenarbeit wird wichtiger als politische Etiketten.“

Für Uruguay bleibt Europa der bevorzugte strategische Partner. Doch Lubetkins Botschaft in Brüssel war eindeutig: Das Zeitfenster für das Abkommen bleibt nicht dauerhaft offen.

„Wenn Europa vorangeht, profitieren beide Seiten“, sagte er. „Wenn nicht, wird Mercosur anderswo neue Türen öffnen.“

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