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EU-Mercosur-Abkommen: Lässt es "wurmstichigen Kaffee aus Brasilien" nach Europa?

Die Sonne scheint über der Kaffeeplantage von Jose Natal da Silva in Porciuncula im Bundesstaat Rio de Janeiro, Donnerstag, 17. Juli 2025.
Über der Kaffeeplantage von Produzent José Natal da Silva in Porciuncula im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro scheint am Donnerstag, 17. Juli 2025 die Sonne. Copyright  AP Photo
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Von Estelle Nilsson-Julien & Tamsin Paternoster
Zuerst veröffentlicht am
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Rechtsextreme Politiker in Polen und Frankreich verbreiten Posts, in denen sie eine abgelehnte Lieferung brasilianischen Kaffees mit dem EU‑Mercosur‑Abkommen verknüpfen. Was steckt hinter den Vorwürfen?

In sozialen Netzwerken werden derzeit zahlreiche Beiträge geteilt, die eine in Polen abgelehnte Lieferung von Kaffee aus Brasilien mit dem EU-Mercosur-Abkommen in Verbindung bringen. Darin wird behauptet, das Handelsbkommen öffne verunreinigten Produkten den Weg in die EU.

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Die Vorwürfe tauchten auf, nachdem die polnische Behörde für landwirtschaftliche und lebensmittelbezogene Qualitätskontrolle (IJHARS) auf Facebook mitgeteilt hatte, sie habe den Import von 63 Kilo rohen grünen Kaffees nach Polen verhindert.

Die Lieferung, die laut Inspektoren in Poznań gestoppt wurde, enthielt "beschädigte Bohnen" und "lebende Schädlinge".

Die polnische rechtsextreme EU-Abgeordnete Ewa Zajączkowska-Hernik und der frühere französische Europaabgeordnete und Gründer der europakritischen Partei "Les Patriotes", Florian Philippot, brachten die abgelehnte Lieferung beide mit dem EU-Mercosur-Handelsabkommen in Verbindung. Dieses gilt vorläufig seit dem 1. Mai.

Zajączkowska-Hernik bezeichnete die Lieferung als Beispiel dafür, wie das Abkommen "in der Praxis“ funktioniere, und warf dem EU-Mercosur-Deal vor, "Menschen zu vergiften, nur um deutsche Wirtschaftsinteressen zu bedienen".

Der ehemalige Le-Pen-Vertraute Philippot behauptete, die Lieferung, die nie nach Polen gelangte, sei "von Würmern befallen" gewesen, obwohl die polnischen Inspektoren nicht angegeben hatten, welche lebenden Schädlinge in der Ware gefunden wurden.

Den Beitrag von Zajączkowska-Hernik griff das polnische rechtsgerichtete politische Kommentarportal wPolityce auf, das ebenfalls schrieb, der Kaffee sei "von Würmern befallen“.

Offizielle Stellungnahmen und öffentlich zugängliche Handelsdaten, die vom The Cube-Faktencheck-Team von Euronews, ausgewertet wurden, zeigen jedoch, dass es keine Belege für einen Zusammenhang der Kaffee-Lieferung mit dem EU-Mercosur-Abkommen gibt.

Grüner Kaffee kommt schon zollfrei in die EU

Kritiker des EU-Mercosur-Abkommens - das Einfuhrzölle auf Waren zwischen der EU und den Mercosur-Staaten abschafft - warnen, niedrigere Zölle würden Europa mit Agrarprodukten überschwemmen, die nicht den europäischen Standards entsprechen. Damit werde der Druck auf Lebensmittelkontrollen und Landwirte erhöht.

Offizielle Unterlagen zeigen jedoch, dass grüner Kaffee – die rohen Samen der Kaffeekirschen, die später geröstet werden – schon lange vor dem Start der vorläufigen Anwendung von EU-Mercosur zollfrei in die EU gelangte.

Laut UN-Comtrade-Daten exportierte Brasilien allein im Jahr 2024 mehr als 15 Millionen Kilo grünen Kaffee nach Polen.

Ein Bericht der International Coffee Organisation aus dem Jahr 2011 konstatiert, dass "nicht entkoffeinierter grüner Kaffee zollfrei in die Europäische Union eingeführt werden kann“, während für verarbeiteten Kaffee höhere Zölle anfallen.

Eine separate Handelsanalyse des US-Landwirtschaftsministeriums vom Februar 2026 stellt ebenfalls fest, dass "grüne Kaffeebohnen, die 97 Prozent von Brasiliens Kaffeeexporten in die EU ausmachen, bereits zollfrei auf den europäischen Markt kommen“.

Kaffeelieferung: Einfuhr unter EU-Mercosur-Regeln?

Polens Kontrollstelle IJHARS teilte Euronews mit, die Lieferung sei einer "standardmäßigen handelsüblichen Qualitätskontrolle" unterzogen worden, die auf Grundlage der bestehenden nationalen Vorschriften erfolgt.

Die Behörde erklärte nicht, dass der grüne Kaffee unter den im EU-Mercosur-Abkommen vorgesehenen Vorzugsbedingungen nach Polen eingeführt wurde, und verwies darauf, dass für zollrechtliche Fragen die Steuer- und Zollbehörden zuständig sind.

IJHARS betonte zudem, es sei nicht ungewöhnlich, dass die Behörde Lebensmittel zurückweise, die nicht den Vorgaben entsprechen. Allein im Jahr 2025 erließ sie 95 Entscheidungen zur Blockierung von Lebensmittellieferungen aus Nicht-EU-Staaten; betroffen waren 121 Güter, die nach Polen eingeführt werden sollten.

Brasiliens Botschafter bei der EU, Pedro Miguel da Costa e Silva, wies einen Zusammenhang zwischen der Lieferung und dem EU-Mercosur-Abkommen zurück.

"Grüner Kaffee kam schon zuvor zollfrei in die EU. Es hat sich nichts geändert“, erklärte er Euronews. Brasilien exportiere grünen Kaffee "schon seit dem 19. Jahrhundert" nach Europa.

Kritiker des EU-Mercosur-Abkommens äußern weiterhin Bedenken in Bezug auf Lebensmittelsicherheit, Agrarimporte und die wirtschaftliche Lage europäischer Landwirte. Bei Bauernprotesten wurde befürchtet, günstigere Agrarprodukte aus den Mercosur-Staaten – darunter Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay und Bolivien – könnten die Existenz europäischer Landwirte gefährden.

Trotz der Behauptungen im Netz liefern die vorliegenden Belege jedoch keinen Hinweis darauf, dass gerade diese Kaffeesendung in irgendetwas mit dem EU-Mercosur-Handelsabkommen zu tun hatte.

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