Die EU überarbeitet die MiCA-Regeln: Künftig gelten sie auch für Emittenten außerhalb der Union, nachdem Trumps Stablecoin-Kurs neue Aufsichtsfragen auslöst.
Die EU stellt ihre Regeln für Kryptoanlagen erneut zur Diskussion. Sie will klären, wie sie zahlreiche Emissionen von Kryptoassets aus Nicht-EU-Staaten erfasst und den Rahmen auf neue Technologien ausweitet, erklärten mehrere mit den Gesprächen vertraute EU-Diplomaten Euronews.
Die Europäische Kommission befragt noch bis zum 30. September Branchenvertreter. Sie prüft, ob sie die einschlägigen Gesetze wieder aufschlagen soll. Im Europaparlament gilt eine Überarbeitung jedoch schon jetzt als unausweichlich.
„Eine Neuauflage des Dossiers erscheint derzeit unvermeidbar. Das liegt nicht nur an den Stellungnahmen mehrerer europäischer Institutionen, allen voran der EZB, sondern auch an den jüngsten weltweiten Entwicklungen bei Regulierung und Technologie“, sagte ein EU-Diplomat Euronews.
US-Präsident Donald Trump investiert massiv in Stablecoins. Dadurch wächst der Druck auf die EU, klarzustellen, wie sie Unternehmen aus Drittstaaten reguliert, die diese digitalen Vermögenswerte herausgeben und in Europa tätig sind. Der derzeitige EU-Rahmen enthält keine spezifischen Vorgaben für Stablecoin-Emittenten mit Sitz außerhalb der EU, die im europäischen Markt aktiv sind.
Stablecoins sind Kryptowährungen, deren Wert möglichst stabil bleiben soll. Sie sind in der Regel an reale Vermögenswerte gekoppelt, etwa an den US-Dollar.
Stablecoins laufen außerhalb des klassischen Bankensystems. Sie unterliegen deshalb nicht den üblichen Bankenregeln. Oft geben mehrere Unternehmen ein und dieselbe digitale Währung heraus, was eine Regulierung zusätzlich verkompliziert.
Die Bedeutung von Stablecoins nimmt rasant zu. Ihr Einsatz hat in den vergangenen Jahren stark angezogen. Laut Daten von Artemis Analytics stieg das Transaktionsvolumen 2025 um 72 Prozent auf 33 Billionen Dollar (28 Billionen Euro).
Trump unterzeichnete 2025 den US-Gesetzesrahmen 'Guiding and Establishing National Innovation for US Stablecoins (GENIUS) Act'. Das Gesetz schafft klare Vorgaben für diese digitalen Vermögenswerte.
Da weltweit rund 95 Prozent aller Stablecoins durch den US-Dollar gedeckt sind, will Trump die amerikanische Währung mit der neuen Technologie stärken. Stablecoins sollen zu einem zentralen Zahlungsmittel für internationale und strategisch wichtige Transaktionen werden.
Gleichzeitig wandelt sich der Markt für digitale Zahlungen. Neue Netztechnologien entstehen, etwa die Tokenisierung. Sie soll Transaktionen sicherer machen und besser vor Betrug schützen.
Nach Angaben eines EU-Diplomaten dürfte die Überprüfung der EU-Kryptoregeln auch klären, ob der Geltungsbereich auf neue, tokenisierte Zahlungsformen und Einlagen ausgeweitet werden soll. Solche Produkte werden in den kommenden Jahren erwartet und könnten stark wachsen.
Parallel dazu hat die Europäische Zentralbank Ende März eine neue Zahlungsstrategie vorgestellt. Kernstück sind zwei Netzwerk-Infrastrukturen namens Pontes und Appia. Sie sollen die EZB auf Tokenisierung und weitere Innovationen wie die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) vorbereiten.