US-Präsident Donald Trump verdiente im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit rund 1,2 Milliarden Dollar mit Krypto-Geschäften seiner Familie. Laut Finanzangabe erlitten Anleger in denselben Token hohe Verluste.
Das Weiße Haus hat am Dienstag einen 927-seitigen Finanzbericht beim US-Amt für Regierungsethik eingereicht. Das Dokument zeichnet so detailliert wie bisher noch nie nach, wie das Vermögen von US-Präsident Donald Trump seit seiner Rückkehr ins Amt im Januar 2025 gewachsen ist.
Als Trump vereidigt wurde, standen seine Kryptogeschäfte noch ganz am Anfang. Inzwischen werfen sie mehr Geld ab als große Teile jenes Immobilienimperiums, das er über Jahrzehnte gemeinsam mit seiner Familie aufgebaut hat. Allein im vergangenen Jahr nahm der US-Präsident damit mehr als 1,2 Milliarden Dollar (1,05 Milliarden Euro) ein.
Den Löwenanteil des Kryptogewinns bringen zwei Unternehmen.
World Liberty Financial, ein 2024 von Trumps Söhnen und Geschäftspartnern gestartetes Unternehmen, erzielte mit dem Verkauf neuer Krypto-Produkte mehr als 500 Millionen Dollar (438 Millionen Euro). Dazu gehören sogenannte Governance-Token, die ihren Besitzern ein Stimmrecht bei bestimmten Unternehmensentscheidungen geben, aber keinen Anteil am Unternehmen selbst.
Ein weiteres Geschäft rund um die Meme-Währung $TRUMP, eine Kryptowährung mit dem Gesicht und Namen des US-Präsidenten, brachte durch Tokenverkäufe zusätzliche 635 Millionen Dollar (557 Millionen Euro) ein.
Trumps Aktivitäten im Kryptobereich scheinen maßgeblich dazu beizutragen, dass sich sein Privatvermögen fast verdreifacht hat. Das Magazin „Forbes“ schätzt, dass es zwischen 2024 und 2026 von 2,3 Milliarden Dollar (2 Milliarden Euro) auf 6,5 Milliarden Dollar (5,7 Milliarden Euro) gestiegen ist.
Für viele Käufer fiel die Bilanz dagegen deutlich weniger lukrativ aus.
Die $TRUMP-Münze, die in den ersten Tagen nach dem Start kurzzeitig über 74 Dollar kostete, ist inzwischen auf unter 2 Dollar abgestürzt. Die Token von World Liberty haben seit dem Handelsbeginn im vergangenen September rund 80 Prozent ihres Werts verloren.
Der Bericht weist nur Umsätze aus, keine Gewinne. Wie groß Trumps persönlicher Profit tatsächlich ist, bleibt daher offen. Aus den Unterlagen geht jedoch hervor, dass der US-Präsident und seine Familie Gebühren und Lizenzzahlungen vorab kassierten, während viele Anleger einen drastischen Wertverlust ihrer Anlagen hinnehmen mussten.
Zu den Investoren gehört der in China geborene Krypto-Milliardär Justin Sun. Er steckte 75 Millionen Dollar (65,7 Millionen Euro) in die Governance-Token und 200 Millionen Dollar (175,3 Millionen Euro) in die Meme-Coins $TRUMP und $MELANIA.
Ein Betrugsverfahren in den USA gegen ihn wurde später ausgesetzt und endete mit einem Vergleich über 10 Millionen Dollar (8,7 Millionen Euro). Sun weist jeden Zusammenhang zwischen seinen Ausgaben und dem Ausgang des Rechtsstreits zurück.
Nach Veröffentlichung des Berichts wies auch das Weiße Haus alle Vorwürfe möglicher Interessenkonflikte zurück.
„Weder der Präsident noch seine Familie waren je in Interessenkonflikte verwickelt oder werden es jemals sein“, erklärte die stellvertretende US-Regierungssprecherin Anna Kelly in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
Kelly sagte, US-Präsident Donald Trump habe „die Vereinigten Staaten stolz zur Krypto-Hauptstadt der Welt gemacht“.
„Alle Maßnahmen von Präsident Trump und seiner Regierung erfolgen im besten Interesse des amerikanischen Volkes, und alle sogenannten ,Reporter', die etwas anderes behaupten, recyceln nur dieselbe alte, falsche Erzählung, die Demokraten und traditionelle Medien seit einem Jahrzehnt verbreiten“, fügte Kelly hinzu.
Jenseits von Krypto: Trumps weltweites Geschäftsimperium
Der Bericht beschreibt außerdem eine aggressive internationale Expansion. Neue Verträge über Hotels, Resorts und Eigentumswohnungen brachten Millionenbeträge in Ländern ein, die gleichzeitig mit Washington über Handel und Sicherheit verhandelten.
Ein Projekt in den Vereinigten Arabischen Emiraten brachte dem Trump-Konzern im vergangenen Jahr rund 10,4 Millionen Dollar (9,1 Millionen Euro) ein, eines in Saudi-Arabien etwa 9 Millionen Dollar (7,9 Millionen Euro). Projekte in Katar, Rumänien und Vietnam lagen jeweils bei 5 Millionen Dollar (4,3 Millionen Euro).
Auch im eigenen Land boomten die etablierten Geschäfte des US-Präsidenten parallel zu den neuen Aktivitäten.
Mar-a-Lago, Trumps Privatclub in Florida, setzte etwa 77 Millionen Dollar (67,5 Millionen Euro) um. Das entspricht einem Plus von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr, weil Staats- und Regierungschefs sowie Spitzenmanager in seiner neuen Amtszeit in Scharen in die Anlage strömten.
Der Bericht zeigt zudem, auf welch vielfältige Weise die Marke Trump inzwischen Geld einbringt.
Der US-Präsident verdiente Millionen mit einem breit gefächerten Angebot an Produkten mit seinem Namen, von Turnschuhen und Uhren bis hin zu Autoaufklebern. Allein Uhren mit Trump-Branding brachten 4,7 Millionen Dollar (4,1 Millionen Euro) ein. Mehr als 200.000 Dollar (175.300 Euro) stammen aus der „God Bless the USA“-Bibel, einer Sonderausgabe, die zusammen mit Country-Sänger Lee Greenwood beworben wurde.
Merchandising dieser Art, verkauft von einem amtierenden US-Präsidenten, ist beispiellos.
Ein Gesetz aus dem Jahr 1978 verpflichtet den Präsidenten und den Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, neben ihrem Vermögen auch ihre Einkünfte offenzulegen.
Im Finanzbericht ihres Mannes sind auch die Einkünfte von First Lady Melania Trump aufgeführt. Dazu zählen mehr als 10 Millionen Dollar (8,7 Millionen Euro) aus einer biografischen Amazon-Dokumentation und über 500.000 Dollar (438.250 Euro) aus ihren Memoiren.
Zum Vergleich meldete US-Vizepräsident JD Vance Tantiemen zwischen einer Million Dollar (876.500 Euro) und fünf Millionen Dollar (4,4 Millionen Euro) aus seinem 2016 erschienenen Buch „Hillbilly Elegy“.
Kritiker monieren seit Langem, solche Konstruktionen verwischten die Grenze zwischen öffentlichem Amt und privatem Gewinn. Das Weiße Haus weist diesen Vorwurf kategorisch zurück.