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Europas Feuerprobe: Warum die EU den Waldbränden nur hinterherfliegt

Waldbrände in Frankreich
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Von Evi Kiorri
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Mehr als 434.000 Hektar sind seit Jahresbeginn in Europa abgebrannt. Während die EU zusätzliche Flugzeuge, Hubschrauber und Feuerwehrteams mobilisiert, warnen Experten: Gegen immer größere Brände helfen nicht allein mehr Löschmittel.

Europa steht vor einem weiteren Sommer mit verheerenden Waldbränden. Nach Daten des Europäischen Waldbrand-Informationssystems EFFIS waren seit Jahresbeginn bis zum 30. Juli mehr als 434.976 Hektar abgebrannt. Bei 1.407 registrierten Bränden wurden schätzungsweise 17,98 Millionen Tonnen CO₂ freigesetzt.

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"Diese Brände übersteigen unsere Kapazitäten", sagte ein Vertreter der Europäischen Kommission. Die Waldbrände hätten sich schneller ausgebreitet, als die Löschmaßnahmen Schritt halten konnten.

Die EU hat in den vergangenen zwei Jahren versucht, eine ernsthaftere und stärker integrierte Waldbrandstrategie aufzubauen: mit zusätzlichen Finanzmitteln, einer neuen Flotte, einem neuen Stützpunkt auf Zypern und einer neuen politischen Leitlinie. Seit März 2026 soll Prävention Vorrang vor der reinen Brandbekämpfung haben.

Doch was kann die EU tatsächlich aufbieten? Und hält ihr System dem Druck dieses Sommers stand?

Das Instrumentarium

Im Zentrum steht der EU-Katastrophenschutzmechanismus. Er bildet den Solidaritätsrahmen, über den ein überfordertes Land andere Mitgliedstaaten um Hilfe bitten kann. Automatisch aktiviert wird der Mechanismus nicht. Ein Staat muss Unterstützung anfordern – in der Regel, sobald absehbar ist, dass ein Brand die nationalen Kapazitäten übersteigt.

Gesteuert wird der Einsatz rund um die Uhr vom Koordinierungszentrum für Notfallmaßnahmen, dem ERCC, in Brüssel. Es ordnet Angebote für Flugzeuge, Besatzungen und Ausrüstung den Ländern zu, die sie benötigen, und unterstützt bei der Finanzierung des Transports.

Ergänzt wird das System durch rescEU, die strategische Reserve der EU. Dazu gehören Löschflugzeuge und Hubschrauber, die für den Fall bereitgehalten werden, dass nationale und bereits gebündelte Ressourcen nicht ausreichen.

Daneben gibt es den Europäischen Katastrophenschutzpool. Er besteht aus nationalen Einheiten, die Regierungen vorab für EU-weite Einsätze zugesagt haben. Hinzu kommen zwei wichtige Informationssysteme: Copernicus erstellt mithilfe von Satellitendaten Echtzeitkarten von Brandgebieten und gefährdeter Infrastruktur. EFFIS prognostiziert die Brandgefahr bis zu zehn Tage im Voraus und verfolgt aktive Brände in kurzen Abständen.

Neu ist in diesem Jahr eine Brandbekämpfungszentrale auf Zypern. Dort können sechs Flugzeuge vorstationiert werden. Außerdem verstärkt von Juni bis September ein spezielles Wildfire Support Team das ERCC.

Was in diesem Sommer entsandt wurde

Für die Waldbrandsaison 2026 stellte die Kommission 22 Löschflugzeuge, fünf Hubschrauber, 777 Feuerwehrleute aus 14 Ländern und 21 zertifizierte Teams in zwölf Ländern in Bereitschaft.

Als sich die Brände auf der Iberischen Halbinsel und in Frankreich verschärften, erhielt Frankreich sieben Flugzeuge und vier Hubschrauber. Flugzeuge und Besatzungen kamen aus Tschechien, Kroatien, Deutschland, Portugal, der Slowakei, Schweden und der Türkei.

Spanien erhielt sechs Flugzeuge und drei Bodenteams. Unterstützung kam aus Griechenland, Italien, Portugal und der Türkei. Fünf kanadische Flugzeuge wurden auf Frankreich und Spanien aufgeteilt.

Die zuständige EU-Kommissarin Hadja Lahbib sagte, der Mechanismus stehe "unter Druck". Zugleich betonte sie: "Er funktioniert."

Eine Strategie, die noch auf dem Papier steht

Im März legte die Kommission eine Mitteilung zum integrierten Risikomanagement bei Waldbränden vor. Darin definierte sie den EU-Ansatz in den Bereichen Prävention, Vorsorge, Reaktion und Wiederaufbau als kontinuierlichen Kreislauf – und nicht mehr als saisonales Gerangel um möglichst viele Flugzeuge.

Die Kommission räumte zugleich ein, dass Europa jahrelang vor allem die Symptome bekämpft habe. Statt zu verhindern, dass Landschaften leicht entflammbar werden, habe man sich darauf konzentriert, immer größere Brände zu löschen.

Vier Monate später ist davon allerdings wenig in neuen Vorschriften zu erkennen. Umweltkommissarin Jessika Roswall erklärte Ende Mai gegenüber den Landwirtschaftsministern, dass die Kommission "keine neuen Initiativen zur Waldbewirtschaftung plane". Auch neue Indikatoren oder Leitlinien seien nicht vorgesehen.

Das einzige Dokument mit annähernd verbindlichem Charakter ist eine am 29. Juni verabschiedete Empfehlung zum integrierten Waldbrandrisikomanagement. Sie ist jedoch rechtlich nicht bindend. Die Waldbewirtschaftung bleibt in nationaler Zuständigkeit.

Eine Sperrminorität, traditionell angeführt von Schweden und Finnland und häufig unterstützt von Frankreich, hat sich dagegen gewehrt, Brüssel mehr Einfluss zu geben. Diese Staaten hatten bereits dazu beigetragen, das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur im Jahr 2024 zu blockieren. Auch gegen das geplante Waldüberwachungsgesetz gab es Widerstand.

"Wir können die Brandsituation nicht allein dem Klimawandel zuschreiben"

Alexander Held, Förster bei der Pan-European Forest Risk Facility des Europäischen Forstinstituts, beobachtet die Veränderung der Brandmuster seit 25 Jahren vor Ort.

"Mittlerweile gibt es Brände von der Türkei über Griechenland bis nach Spanien, Portugal und Frankreich", sagte er. Die frühere, geografisch klarer abgegrenzte Brandsaison sei einem beinahe ganzjährigen, europaweiten Risiko gewichen.

"Wir sehen jetzt Brände im Norden Islands, wir sehen Brände in Grönland und am arktischen Rand", sagte Held weiter. Dies zeige, dass sich "die Pyrogeografie definitiv verändert" habe.

Der Klimawandel sei jedoch nicht die einzige Ursache. "Wir können die Brandsituation nicht allein dem Klimawandel zuschreiben", sagte Held. Entscheidungen bei der Landbewirtschaftung, aufgegebene landwirtschaftliche Flächen, Kiefern- und Eukalyptusmonokulturen sowie Wälder mit lückenhaftem Kronendach trügen dazu bei, dass Landschaften leichter entflammbar würden.

Auch die neueren EU-Instrumente setzten seiner Ansicht nach weiterhin vor allem auf technische Maßnahmen und nicht ausreichend auf Resilienz. "Trotz aller Erklärungen sehen wir keine koordinierten Investitionen in den umfassenderen Bereich des Lernens, mit Feuer zu leben", sagte Held. Es sei nach wie vor deutlich einfacher, in die Brandbekämpfung zu investieren als in die Prävention.

Portugal nennt er als Gegenbeispiel. Das Land habe seine Strategie von der reinen Brandbekämpfung hin zu einem umfassenderen Feuermanagement verschoben und investiere 50 Prozent seines Budgets in Landbewirtschaftung und Prävention.

Held wünscht sich eine klare finanzielle Verbindung zwischen Brandbekämpfung und Vorsorge: Für jeden Euro, der in die Bekämpfung fließe, solle ein weiterer Euro in die Widerstandsfähigkeit investiert werden. "Ich würde mir eine 50-prozentige Hebelwirkung wünschen, sodass jeder Euro für die Brandbekämpfung auch in das 5R-Rahmenkonzept fließt."

Neu von Bränden bedrohte Länder sollten nicht davon ausgehen, dass zusätzliche Löschfahrzeuge und Flugzeuge allein die Lösung seien, warnt Held. Selbst gut ausgestattete Staaten verlören bei Großbränden zunehmend die Kontrolle.

"Wenn andere Länder mit weitaus mehr Ressourcen, Erfahrung und Kapazitäten diese Brände nicht unter Kontrolle bringen können, sollten wir daraus nicht den Schluss ziehen, dass wir es genauso machen müssen", sagte Held sinngemäß. "Mehr Flugzeuge allein werden das Problem nicht lösen."

Die EU ist vorbereitet – aber an ihrer Grenze

Kommissionssprecherin Anna-Kaisa Itkonen beschreibt die Entwicklung ähnlich, allerdings aus institutioneller Sicht. "Es ist ganz klar, dass der Klimawandel jeden Sommer heißer, härter und gefährlicher macht", sagte sie. Europa sei "der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Welt".

Allein im Jahr 2025 seien in der gesamten EU "mehr als eine Million Hektar durch Waldbrände zerstört" worden.

"Wir können uns nicht nur darauf konzentrieren, Brände buchstäblich zu löschen", sagte Itkonen. "Die Vorsorge ist für uns wirklich, wirklich wichtig."

Sie verwies auf ein geplantes EU-Portal und Leitlinien zum integrierten Waldbrandrisikomanagement, die bis Anfang 2027 vorliegen sollen. Zudem werde EFFIS weiter ausgebaut.

Auch die permanente rescEU-Flotte wächst. Die EU kauft derzeit zwölf neue Löschflugzeuge und fünf Hubschrauber. Die Auslieferung soll jedoch erst 2030 abgeschlossen sein.

Bei der Finanzierung verwies Itkonen auf die geplante Klimainitiative im nächsten langfristigen EU-Haushalt. 35 Prozent der Mittel sollen für Klima und Umwelt vorgesehen werden. Darin enthalten seien "fast 19 Milliarden Euro aus den Kohäsionsfonds für Anpassungsmaßnahmen".

Der politische Anspruch der Kommission ist klar: "Das Ziel ist nicht, mehr Brände zu bekämpfen. Das Ziel ist eine gute Präventionspolitik und gut koordiniertes Handeln in der gesamten Europäischen Union."

Reicht das aus?

Selbst nach Angaben der Kommission wird das System in diesem Sommer nicht nur durch das Verhalten der Brände, sondern auch durch deren Ausmaß auf die Probe gestellt. Nach Angaben von EU-Beamten begann die Saison 2026 früher als im Vorjahr. Der Katastrophenschutzmechanismus wurde bereits Ende April erstmals aktiviert. Bis Juli hatten die Brände bereits Hunderte Hektar verwüstet.

Jedes Flugzeug und jeder Hubschrauber der derzeitigen Flotte befindet sich weiterhin entweder in nationalem Besitz oder anderweitig im Einsatz. Wenn mehrere Länder gleichzeitig von Bränden betroffen sind, können die verfügbaren Ressourcen deshalb knapp werden. Die ständige rescEU-Flotte wird zudem erst 2030 vollständig einsatzbereit sein.

Weitere Probleme kommen hinzu: Zwischen nationalen Ausrüstungen und Führungssystemen bestehen Interoperabilitätslücken. In mehreren Mitgliedstaaten altert die Feuerwehr. Außerdem halten EU-Sanktionen russische Hubschrauber in Spanien weiterhin am Boden.

Die Instrumente selbst – der Katastrophenschutzmechanismus, das ERCC, rescEU, Copernicus, EFFIS und die vor Ort stationierten Einsatzteams – sind real, erprobt und werden ausgebaut.

Die entscheidende Frage für die EU lautet daher nicht, ob sie noch ein weiteres Flugzeug auftreiben kann. Entscheidend ist, ob sie bereit ist, die langsamere und weniger sichtbare Arbeit zu finanzieren: Landschaften so zu verändern, dass sie vor Beginn der nächsten Brandsaison weniger brennbar sind.

"Wir kennen den Fahrplan", sagte Alexander Held. "Aber es ist noch ein langer Weg."

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