Der Rhein führt so wenig Wasser wie selten zuvor. Frachtschiffe können vielerorts nur eingeschränkt fahren – das verteuert den Transport von Kraftstoffen. Vor allem im Westen Deutschlands steigen dadurch die Spritpreise.
Der Wasserstand des Rheins ist so niedrig wie noch nie. Die Industrie stellt das vor eine Herausforderung: Die wichtigste Wasserstraße der Republik wird immer schwieriger zu befahren. Und das kommt den Autofahrern teuer zu stehen.
Denn mehr als 80 Prozent des Güterschiffsverkehrs verlaufen über den Rhein, so das Statistische Bundesamt. Transportiert werden vor allem Baustoffe, Erze, Kohle und Stahl, so der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt. Manche der Güterschiffe ersetzen bis zu 150 Lkw.
Aber auch Mineralölerzeugnisse und Chemikalien kommen über den Rhein von A nach B, wie der Ökonom Thilo Schaefer dem Spiegel erklärt. Das könne in der Region zu Engpässen bei Treibstoffen führen, "dann steigen auch die Preise. Neben dem Irankrieg gäbe es einen weiteren Druckfaktor". Auch das Bundeskartellamt warnt: "Niedrigwasser auf dem Rhein trägt zu regionalen Preisunterschieden bei."
"Nord-Süd-Gefälle" bei den Tankstellenpreisen
Die zeigen sich insbesondere in einem "Nord-Süd-Gefälle" bei den Tankstellenpreisen, so das Bundeskartellamt rückblickend zum Juli. Im Süden sei Tanken durchschnittlich günstiger als in anderen Teilen Deutschlands. Insbesondere im Westen und in der Nähe von Köln stiegen die Preise stark an. Das liege daran, dass wegen der niedrigen Wasserpegel Tanker gar nicht mehr oder nur mit deutlich weniger Ladung den Rhein an manchen Stellen passieren können.
Neben den Beschaffungskosten seien auch regionale Wettbewerbsbedingungen für Preisunterschiede ausschlaggebend, beispielsweise die Präsenz preisgünstiger Marken.
Steigen die Transportkosten um 10 Euro, so steigt der Benzinpreis um 0,8 Cent pro Liter, erklärt Jürgen Ziegner der Bild-Zeitung. Ziegner ist Geschäftsführer des Zentralverbands des Tankstellengewerbes (ZTG). Pro Tonne Kraftstoff seien die Transportkosten inzwischen um etwa 150 Euro pro Tonne gestiegen. Bereits bei einer Steigerung von 130 Euro ergebe sich ein Benzinpreis, der 10 Cent teurer ist pro Liter als üblich.
An der Engstelle Kaub liegt der Wasserstand derzeit bei nur noch 19 cm, so die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Am Pegel in Kaub wird festgelegt, wie schwer Schiffe oberhalb von Koblenz beladen werden dürfen. Eine "sinnvolle Binnenschifffahrt" sei auf dem Rhein unter einem Pegelstand von 40 cm bei Kaub nicht möglich, so die IHK-Arbeitsgemeinschaft laut dem SWR.