Im Straßeninterview des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) sagt Roman aus Zürich, dass er mehrere Hundert(tausend) Franken im Jahr verdient. Doch der "Finance Bro" erntet auch einen Shitstorm.
In der Innenstadt von Zürich spricht der Reporter des Schweizer Fernsehens SRF Donat Hofer Passanten an, um mit ihnen über das Leben zu reden. Und das Video, das der Journalist für sein Programm "Donat auf Achse" mit dem jungen Roman in der schicken Bahnhofstraße gedreht hat, geht viral.
Dabei erntet Roman auch einen Shitstorm - vor allem weil seine Antworten neben Schwyzerdütsch sehr viel Englisch enthalten. Viele machen sich in den sozialen Medien über den "Finance Bro" lustig. Der Sender SRF hat die Kommentare unter dem Video ausgeblendet und die Funktion abgeschaltet. Einige Firmen werben inzwischen mit dem jungen Schweizer aus der Finanzbranche, der das Internet erobert hat.
Zuerst freut sich Roman im Video darüber, dass er dem Reporter - wohl wegen seiner eleganten Kleidung mit roten Socken und Hochwasser-Hosen - aufgefallen ist. Über das Leben reden, will er nicht so gern.
Mit Earpods im Ohr antwortet Roman dann aber doch, dass er gerade einen Podcast mit dem Titel "The Market Huddle" hört. Ein "Huddle" ist auf Englisch und auch auf Neudeutsch ein Kreis von Sportlern oder anderen Teammitgliedern, die sich gegenseitig motivieren. In der aktuellen Folge des Podcasts geht es -wie Roman erklärt - um "AI, market credits, everything that makes the market go round." Also auf Deutsch um "KI,Kreditmärkte und alles, was die Finanzmärkte am Laufen hält".
Sein Job, den der junge Schweizer bei einem US-Asset-Manager seit vier Jahren macht, gefällt Roman sehr gut. Er sagt in seinem Schwyzerdütsch-Englisch-Mix: "Markets is einfach an evolving story, immer etwas Neues."
Zur Frage, was er arbeite, sagt Roman, er sei "sales guy" und erklärt dem Journalisten, der nicht gleich versteht, er verkaufe ETFs, Exchange Traded Funds, also börsengehandelte Körbe mit Aktien und Wertpapieren.
"Bist du eifersüchtig?"
Und Roman beantwortet im Weggehen sogar die Frage des Reporters, was er pro Jahr verdiene - natürlich wieder in Denglisch. "Multiple hundert." Also: mehrere hundert.
In der Schweiz, dem Land des Bankengeheimnisses und Inbegriffs von Diskretion, sorgt wohl auch die Gehaltsangabe dafür, dass der Hype um das SRF-Video entstanden ist. Eigentlich sagt hier niemand, wie viel er oder sie verdient.
Der Tontechniker des Reporters ist total erstaunt und fragt "Multiple hundert Tausend?" "Donat Hofer lacht: "Ja, sicher. Bist du eifersüchtig?".
Das mediane Einkommen von Schweizerinnen und Schweizern lag 2024 laut dem Schweizer Bundesamts für Statistik (BFS) bei 85.100 Schweizer Franken (CHF) brutto pro Jahr - das entspricht 90.852 Euro. Der Medianlohn entspricht einem Verdienst, bei dem für die Hälfte der Vollzeit-Arbeitnehmer der Lohn über, und für die andere Hälfte der Lohn unter diesem Verdienst liegt. Das Schweizer Einkommen ist damit höher als in Deutschland oder Österreich.
Besonders hoch waren die Einkommen in der Schweiz zuletzt nach Angaben des SRF in der Informationstechnologie, der Pharmaindustrie, bei Banken oder in der Tabakindustrie.
Das Schweizer Nachrichtenportal nau.ch hat gleich mehrere Umfragen zum "Finance Bro" Roman gestartet, um den Hype um das Video besser zu verstehen.