Im vergangenen Sommer brach eine 56-jährige Reiseleiterin bei einer Führung durch das Kolosseum in Rom in brütender Hitze zusammen. Kurz darauf starb sie.
Acht Stunden am Tag auf einer archäologischen Ausgrabungsstätte ohne Schatten stehen oder eine Stadtführung bei Temperaturen von mindestens 30 Grad leiten: Mitten in der Feriensaison und bei Rekordhitze in Europa sehen sich viele Reiseleiter sich an der Front der Hitzewellen.
Im vergangenen Sommer starb die 56-jährige italienische Reiseleiterin Giovanna Maria Giammarino, nachdem sie bei einer Führung durch das Kolosseum in Rom in der glühenden Hitze zusammengebrochen war.
Nach ihrem Tod forderten die italienischen Berufsverbände der Reiseleiter, Federagit und AGTA, Reformen wie aktualisierte Sommerprotokolle im Kulturtourismus. Doch das Problem bleibt bestehen – auch über Italien hinaus.
Absagen sind schwierig für die Tourguides
„Heute Nachmittag waren wir in Pérouges, einem kleinen mittelalterlichen Städtchen nordöstlich von Lyon. In der Sonne hat es über 40 Grad, das ist ziemlich heftig“, sagt Gabriel Quentin-Gerbault.
Der französische Reiseleiter berichtet: Selbstständige Guides können ihre Kundschaft manchmal bitten, eine Führung wegen der Hitze abzusagen oder zu verschieben. Für Guides, die über Vermittler arbeiten, ist das oft keine Option, denn viele Touren sind lange im Voraus gebucht.
„Meist arbeiten wir für eine Agentur, einen Reiseveranstalter oder eine Kreuzfahrtreederei. Das ist sehr unterschiedlich. Aber sie entscheiden, ganz klar. Und meistens wird nicht abgesagt – auch wenn es vorkommt“, sagt Gabriel.
Statt eine Führung zu streichen, bitten einige seiner Kollegen ihre Auftraggeber zum Beispiel, eine Radtour in eine Bustour umzuwandeln oder einen Stadtrundgang durch den Besuch eines klimatisierten Museums zu ersetzen.
Solche Änderungen liegen aus Gabriels Sicht auch im Interesse der Gäste. Die meisten seine Kunden sind über 60 Jahre alt, manche verkraften die Hitze nur schwer.
Griechenland macht es vor
Im Vereinigten Königreich zeichnet sich der heißeste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen ab. Themis Halvantzi-Stringer, verantwortlich für die Ausbildung bei der Europäischen Föderation der Fremdenführerverbände, die rund 60.000 professionelle Reiseleiter vertritt, fordert, dass Stätten ihre Öffnungszeiten ausweiten, damit Führungen frühmorgens und spätabends in den kühleren Stunden stattfinden können.
„In Griechenland öffnen viele Museen und Freiluftstätten schon sehr früh am Morgen und bleiben bis 20 oder 21 Uhr geöffnet. So können Menschen zu Zeiten kommen, die angenehmer sind, statt in der Mittagssonne“, sagt die in London lebende Reiseleiterin.
Themis regt außerdem an, Überdachungen zu bauen, unter denen Gruppen im Schatten warten können – in der Warteschlange oder bei Zwischenstopps für Erklärungen.
Weitere Maßnahmen sind das Verteilen von Wasserflaschen, mehr öffentliche Trinkbrunnen und Sprühnebelduschen, die Besucher abkühlen.
Hitzeperioden werden durch den Klimawandel häufiger und intensiver. Reisende könnten ihre Trips daher eher in den Mai oder September legen statt in die Hochsommermonate.
„Wir werden unsere Konsumgewohnheiten überdenken müssen“, meint Gabriel. „Das gilt auch für den Tourismus.“
In Deutschland könnte der Freitag zum heißesten Tag dieser Woche werden. Nach Angaben der Meteorologen sind am Oberrhein Höchstwerte von bis zu 40 Grad möglich. Im restlichen Bundesgebiet dürften die Temperaturen auf 32 bis 38 Grad steigen. Auch im hohen Norden werden demnach 33 bis 34 Grad erwartet.