Selenskyj berichtet, dass Kyjiw aus Washington derzeit nur ein Prozent der dringend benötigten Abfangraketen erhält; russische Angriffe überfordern weiter die Luftabwehr.
Wolodymyr Selenskyj fordert Washington auf, einen Teil der US-Patriot-Abfangraketen freizugeben. Die Ukraine brauche fünf Prozent der Raketen, um über den Winter zu kommen und „Menschenleben zu retten“.
„Wenn sie uns fünf Prozent verkaufen, kommen wir über den Winter und retten Menschenleben. Wenn sie uns zehn Prozent verkaufen, vernichten wir alle ballistischen Raketen Russlands“, sagte Selenskyj in einem Interview mit dem US-Sender CNN.
Kyjiw verfügt derzeit nur über ein Prozent dessen, was die Ukraine nach seinen Angaben braucht.
„Um von einem auf fünf Prozent zu kommen, bleiben mir einige Monate – und Millionen Telefonate und andere Anstrengungen.“ Auf die Frage, ob die USA bereits auf die Bitte reagiert haben, ließ Selenskyj durchblicken, dass es vertrauliche diplomatische Bemühungen gibt. „Ich tue Dinge, über die ich nicht einmal sprechen kann. Das heißt nicht, dass sie außerhalb des Gesetzes stehen. Aber ich darf nicht darüber reden.“
Ukraine gehen Abfangraketen aus
Der Appell kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Russland den Beschuss von Kyjiw verstärkt. Etwa einmal pro Woche startet die russische Armee nun massive Raketenangriffe, bei denen Zivilisten getötet und Wohnhäuser zerstört werden.
Bei einem dieser Angriffe Anfang des Monats konnte die ukrainische Luftabwehr keine der 28 auf die Stadt abgefeuerten ballistischen Raketen abschießen. Damals holte sie keine einzige der Raketen vom Himmel.
Selenskyj sagte, die Ukraine verfüge heute über zweieinhalbmal weniger Abfangraketen als im Jahr 2025, während „Russland inzwischen doppelt so viele ballistische Raketen pro Monat hat wie zuvor“.
Ballistische Raketen lassen sich deutlich schwerer abfangen als Marschflugkörper oder Drohnen. Der Grund sind ihre hohe Geschwindigkeit und ihre steile Flugbahn. Der Bestand an Patriot-Abfangraketen in Kyjiw ist zudem seit Ende Februar knapp, seitdem die USA und Israel Krieg gegen den Iran führen und Lieferungen der Systeme an andere Frontabschnitte umgeleitet werden.
Russland feuerte im vergangenen Monat mehr als 450 Raketen auf die Ukraine ab, fast 200 davon mit ballistischer Flugbahn. Die Vereinten Nationen sprechen von der tödlichsten Beschusswelle für Zivilisten seit Beginn der großangelegten Invasion im Jahr 2022.