Im polnischen Konotop steht nun eines der ungewöhnlichsten neuen Monumente: eine 55,6 Meter hohe Statue der Muttergottes der Barmherzigkeit, über der Rosen aus Hubschraubern niedergingen.
Die Feier fand am 15. August, dem Hochfest Mariä Himmelfahrt, statt. Zahlreiche Gläubige nahmen teil, Ehrengast war der frühere Präsident Lech Wałęsa.
Der exakt 55,6 Meter hohe Monumentalbau steht auf einem Feld in Konotopie, direkt an der Landesstraße Nr. 10 zwischen Stettin und Warschau. Gestiftet und initiiert haben ihn das Unternehmerpaar Grażyna und Roman Karkosik. Sie nennen das Denkmal ihr „persönliches Dankesvotum für die Rückkehr zu Gesundheit und Leben“.
„Mein Mann erlitt einen sehr schweren Schlaganfall. Nach einer Operation lag er zwei Wochen im Krankenhaus. Der Arzt sagte mir nur: ‚Wenn Sie gläubig sind, beten Sie.‘ Und ich habe jeden Tag gebetet. Es wurden Messen gefeiert und Priester beteten an seinem Krankenbett. Es ist ein Wunder Gottes, denn er hätte es nicht schaffen können“, betonte die Ehefrau des Unternehmers in einem Gespräch mit der polnischen Zeitung Fakt.
Sie fügte hinzu: „Es kam plötzlich, wie eine Art Eingebung. Es war nicht geplant. Mein Mann hatte das Gefühl, dass er etwas tun müsse. Er spürte es in seinem Herzen und in seiner Seele. Er hatte das Bedürfnis, Gott für sein Leben zu danken.“
Maria mit offenen Armen
Die Feier begann mit einem Rosenkranzgebet, anschließend feierten die Gläubigen eine Heilige Messe. Hauptzelebrant war Bischof Krzysztof Wętkowski, der Bischof der Diözese Włocławek. Nach der Eucharistie weihte er gemeinsam mit Grażyna Karkosik das Monument und die Gedenktafel im Inneren des Sockels.
In seiner Predigt betonte Bischof Wętkowski die Symbolik der Figur. Maria steht mit geöffneten Armen, die Hände den Betrachtenden zugewandt. Diese Geste soll Barmherzigkeit, Offenheit und die Einladung zu einer geistlichen Begegnung ausdrücken.
„Hier in Konotopie nimmt uns Maria in dem Bild, das wir sehen, alle an, sie neigt sich zu uns, öffnet ihre Arme und lädt ein, den Blick zu Gott und zum Himmel zu erheben“, sagte Bischof Wętkowski.
Der Geistliche stellte zugleich fest, dass der heutige Mensch oft vor allem um sich selbst und den Alltag kreist. „Viele Menschen unserer Zeit richten den Blick nur auf den Boden und sind nur mit sich selbst beschäftigt“, sagte er.
Mit Blick auf den Titel Mutter der Barmherzigkeit erinnerte der Bischof auch an die Bedeutung der Barmherzigkeit im gesellschaftlichen Leben. Die Welt könne besser werden, meinte er, wenn Menschen einander Güte und Sensibilität schenkten.
Monument überragt berühmte Statuen
Das Monument in Konotopie gehört zu den größten Marienstatuen der Welt. Es überragt unter anderem die berühmte Christus-Erlöser-Statue in Rio de Janeiro, deren Figur 38 Meter misst, sowie die Statue Christi, des "Königs des Universums", im polnischen Świebodzin. Diese ist 36 Meter hoch und erreicht zusammen mit dem künstlichen Hügel eine Gesamthöhe von 52,5 Metern.
Das Monument in Konotopie entstand nach einem Entwurf des Bildhauers Adam Jakub Matejkowski. Der Bau besteht aus Stahlbeton mit weißem Sichtbeton; dadurch wirkt die Figur wie ein heller, geschlossener Block.
Die Konstruktion des Denkmals erlaubt es, sein Inneres zu betreten. Den Sockel umringen acht Pfeiler, die eine markante Krone bilden. In ihr liegt in 15,3 Metern Höhe eine Aussichtsplattform. Besucher gelangen über Treppen oder einen Aufzug hinauf. Erst ab dieser Ebene beginnt die eigentliche Figur der Gottesmutter.
So lässt sich das Monument nicht nur von außen betrachten. Die Konstruktion ermöglicht auch den Aufstieg in das Innere und bietet einen Blick weit über die umliegende Landschaft.
Rosenregen vom Himmel
Nach der Segnung kreisten zwei Hubschrauber über dem Monument. Sie flogen mehrere Runden und streuten aus der Luft rote Rosenblätter über die Statue. Der spektakuläre Moment wurde zu einem der eindrücklichsten Bilder der Feier.
Zum Abschluss trat für die Anwesenden das Staatliche Volkslieder- und Tanzensemble „Mazowsze“ auf.
Das Datum 15. August für die Weihe wählten die Veranstalter ganz bewusst. Das Hochfest Mariä Himmelfahrt zählt zu den wichtigsten Marienfesten der katholischen Kirche.
Das Monument in Konotopie soll nicht nur die Landschaft bestimmen und von der nahe gelegenen Landesstraße 10 aus weithin sichtbar sein. Vor allem versteht es sich als Zeichen des Kultes der Mutter der Barmherzigkeit. Ihre geöffneten Hände sollen an Barmherzigkeit, Offenheit und die Einladung erinnern, im Alltag einen Moment innezuhalten.