In Polen sind Stachelschweine in Vororten der Hauptstadt Warschau in Häuser eingedrungen. Die Polizei mahnt die Menschen zur Vorsicht.
Am 14. August meldete die Gemeinde Leoncin im Nordwesten von Warschau einen äußerst ungewöhnlichen Besucher im Garten eines Wohnhauses.
Die Hausbewohner informierten die Behörden, weil ein Stachelschwein zuerst "die Pflanzen im Garten probiert" habe und dann - während der Eigentümer seine Beobachtung meldete -"ins Haus gelangt" sei.
Die Gemeindeverwaltung veröffentlichte ein Video des ganz besonderen Vorfalls in den sozialen Netzwerken.
Und es ist nicht die erste Begegnung dieser Art in Polen, während anderswo - wie in Berlin oder in Portugal - schon Sichtungen von Wildschweinen in der Stadt für Aufruhr sorgen.
Das erste Stachelschwein in der Region Warschau wurde am 11. August noch näher am Zentrum der Hauptstadt in Łomianki gefangen, ebenfalls in der Woiwodschaft Masowien.
Beide Stachelschweine - das aus Leoncin und das aus Lomianki - wurden in eine Tierarztpraxis gebracht, wo festgestellt wurde, dass sie gesund sind.
Bemowo: Suche nach Stachelschwein läuft
Die Stiftung "Kopytka z nadzieją“ (wörtlich: "Klöße mit Hoffnung"), die sich um Wald- und Haustiere kümmert, erklärte der Redaktion von TVP3 Warschau, dass sich insgesamt drei Stachelschweine auf freiem Fuß befinden. Wahrscheinlich sind alle von einem einzigen Halter oder einer Halterin ausgebüxt.
Nach verschiedenen Berichten wurden die Tiere in den vergangenen Tagen tatsächlich auch in der Hauptstadt Warschau gesehen. Wie die Tierschutz-Organisation am 15. August mitteilte, läuft derzeit die Suche nach einem Stachelschwein, das zuletzt im Warschauer Stadtteil Bemowo, etwa zwei bis drei Kilometer von Fort Bema entfernt, gesichtet wurde. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass es gefunden wurde.
Die Stiftung ruft dazu auf, auf "Hinterhöfe in Wohnanlagen, Grünflächen und Orte zu achten, an denen das Tier einen Unterschlupf suchen könnte“.
Ein Stachelschwein wurde auch in der Umgebung der Puszcza Kampinoska, dem Nationalpark Kampinos, gesehen.
Der Nationalpark hatte bereits vor einem Jahr über das Auftauchen eines solchen Nagetieres berichtet, das eigentlich in Asien, Afrika und Südeuropa beheimatet ist.
Zur gleichen Zeit tauchten in der Gegend auch vietnamesische Hängebauchschweine auf.
Stachelschwein nicht selbst einfangen
Stachelschweine sind große Nagetiere mit langen, auffälligen Stacheln. Sie leben vor allem in Afrika und Asien und nutzen ihre Stacheln zur Verteidigung gegen Fressfeinde.
In Polen kommen sie in freier Wildbahn nicht natürlich vor, einige werden jedoch privat gehalten. Die Stachelschweine aus dem Raum Warschau sind höchstwahrscheinlich aus einer privaten Zucht entkommen.
Sowohl die Stiftung „Kopytka z nadzieją“ als auch der Nationalpark Kampinos bitten darum, frei laufende Stachelschweine nicht selbst zu fangen. Fühlt sich das Tier bedroht, kann es sich wehren, und seine Stacheln stellen eine ernsthafte Gefahr für Menschen und Hunde dar.
Wer ein Stachelschwein sieht, soll aus sicherer Entfernung beobachten, in welche Richtung es sich bewegt, ein Foto machen und der Stiftung den genauen Standort oder einen Kartenausschnitt schicken.
Die polnische Telefonnummer der Stiftung lautet: 883 720 000.
Immer mehr exotische Tiere auf freiem Fuß
Es ist ein weiterer Fall eines exotischen Tiers in Freiheit. Erst vor wenigen Tagen berichteten Medien über Pumas, die unter anderem in der Umgebung von Kłodzko in Niederschlesien gesichtet wurden.
Nach Einschätzung von Fachleuten fliehen viele nicht in Europa beheimatete Tiere aus Gehegen, weil ihre Unterbringungen ungeeignet sind oder sie sich nicht an ein Leben in Gefangenschaft gewöhnen können. Manchmal setzen ehemalige Besitzer sie auch aus, wenn sie sich nicht mehr um sie kümmern wollen oder können.
Experten verweisen zudem auf die wachsende Nachfrage nach exotischen Tieren in Europa. Viele werden privat gehalten, oft unter Bedingungen, die ihrem Wohlbefinden schaden. Umwelt- und Naturschutzgruppen fordern daher strengere Regeln und besseren Schutz für wilde Arten.