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Schnell und beweglich: Bundeswehr bestellt mehr „Schakale“ für NATO-Ostflanke

Der Radschützenpanzer Schakal
Der Radschützenpanzer Schakal Copyright  KNDS
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Von NH
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Die Bundeswehr stärkt die Landes- und Bündnisverteidigung: Deutschland bestellt 35 weitere Radschützenpanzer „Schakal“ beim Hersteller KNDS und erhöht die Gesamtzahl auf 185. Die ersten Fahrzeuge sollen ab Ende 2027, die zusätzlichen Systeme bis 2031 geliefert werden.

Der Schakal ist mehr als ein neues gepanzertes Fahrzeug. Er ist ein zentraler Baustein der sogenannten Mittleren Kräfte des Heeres – einer neuen Kräftekategorie, die schnell verlegbar sein und zugleich über erhebliche Feuerkraft verfügen soll. Gerade mit Blick auf die NATO-Ostflanke kommt dieser Fähigkeit eine besondere Bedeutung zu.

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Schnelle Kräfte für die Ostflanke

Die herrschende sicherheitspolitische Lage in Europa hat die Anforderungen an die Bundeswehr grundlegend verändert. Im Mittelpunkt steht nun wieder die Frage, wie deutsche Verbände im Fall einer Bedrohung schnell an einen Einsatzort verlegt werden können – und wie sie dort auch gegen einen schwer bewaffneten Gegner bestehen können.

Für die NATO ist dabei die sogenannte Ostflanke von besonderer Bedeutung. Da Deutschland innerhalb des Bündnisses eine wichtige Rolle bei der Verstärkung und Verteidigung dieser Region übernimmt, braucht die Bundeswehr Verbände, die nicht erst über längere Zeit aufwendig transportiert werden müssen, sondern möglichst schnell große Entfernungen überwinden können.

Genau hier setzen die Mittleren Kräfte an.

Sie sollen eine Fähigkeit zwischen leichten, besonders beweglichen Verbänden und den schweren Panzertruppen schaffen. Der Schakal ist für diese Aufgabe das zentrale Gefechtsfahrzeug: Die Bundeswehr beschreibt ihn als "Rückgrat" der Mittleren Kräfte.

35 Fahrzeuge mehr als ursprünglich bestellt

Ursprünglich hatte Deutschland 150 Radschützenpanzer Schakal bestellt. Nun kommen 35 weitere hinzu, womit die deutsche Bestellung auf insgesamt 185 Fahrzeuge steigt. Bestandteil des Vertrags sind neben den Fahrzeugen auch weitere Leistungen für Logistik, Ausbildung und Betrieb.

Der Zeitpunkt ist dabei bemerkenswert: Die Bundeswehr befindet sich gleichzeitig in zahlreichen weiteren großen Beschaffungsvorhaben. Neue Kampfpanzer, Artilleriesysteme, Flugabwehr und weitere geschützte Fahrzeuge sollen die in den vergangenen Jahrzehnten entstandenen Lücken schließen.

Warum gerade ein Radschützenpanzer?

Warum setzt die Bundeswehr für diese Aufgabe nicht ausschließlich auf schwere Kettenfahrzeuge?

Die Antwort liegt in der Mobilität.

Der Schakal basiert auf dem GTK Boxer, einem achträdrigen geschützten Fahrzeug. Anders als ein schwerer Kettenpanzer kann er große Entfernungen auf der Straße vergleichsweise schnell aus eigener Kraft zurücklegen. Genau diese Kombination aus Schutz, Feuerkraft und Beweglichkeit ist für die Mittleren Kräfte entscheidend.

Das Konzept dahinter ist einfach: Ein Verband soll möglichst schnell aus eigener Kraft in einen anderen Einsatzraum gelangen können, ohne für jede größere Verlegung auf umfangreiche Transportkapazitäten angewiesen zu sein.

Das ist besonders für ein Bündnis wie die NATO relevant: Verstärkung muss im Ernstfall nicht nur vorhanden sein – sie muss auch rechtzeitig ankommen.

Der Schakal schließt eine Lücke

Mit dem neuen Fahrzeug versucht die Bundeswehr, eine Lücke zwischen verschiedenen Fahrzeugklassen zu schließen.

Auf der einen Seite stehen schwer gepanzerte Kettenfahrzeuge wie der Schützenpanzer Puma. Sie bieten hohe Schutz- und Kampfkraft, sind aber weniger auf schnelle Verlegungen über große Distanzen ausgelegt.

Auf der anderen Seite stehen leichtere geschützte Fahrzeuge, etwa der Dingo. Sie sind beweglicher, verfügen aber nicht über die gleiche Feuerkraft wie ein Schützenpanzer.

Der Schakal soll genau dazwischen liegen: schwer genug für den Kampf, aber beweglich genug für schnelle Operationen.

Was kann der Schakal?

Der Panzer ist eine ungewöhnliche Kombination aus Fahrgestell und Bewaffnung.

Der Schakal nutzt das Boxer-Fahrgestell und trägt einen unbemannten RCT-30-Turm, der vom Schützenpanzer Puma abgeleitet ist. Hauptwaffe ist eine 30-Millimeter-Maschinenkanone.

Damit kann das Fahrzeug unter anderem leicht und mittel gepanzerte Ziele bekämpfen. Hinzu kommen Fähigkeiten zur Drohnen- und Fliegerabwehr sowie das integrierte Lenkflugkörpersystem MELLS zur Bekämpfung schwer gepanzerter Ziele.

Gerade diese Kombination ist für die Mittleren Kräfte entscheidend: Sie sollen nicht nur schnell sein, sondern auch in einem intensiven Gefecht bestehen können.

Die Fahrzeuge kommen – die Fähigkeiten brauchen länger

Die Bestellung allein macht die neuen Panzer natürlich noch nicht einsatzbereit.

Mit den Fahrzeugen müssen auch Soldaten ausgebildet, Ersatzteile und Munition bereitgestellt, Logistikstrukturen aufgebaut und die neuen Verbände vollständig aufgestellt werden. Die ersten Schakale sollen ab Ende 2027 zulaufen. Bis die komplette Flotte und die dazugehörigen Strukturen verfügbar sind, wird es entsprechend länger dauern.

Der Ausbau der Schakal-Flotte ist deshalb vor allem ein langfristiges Projekt.

Er zeigt jedoch, in welche Richtung sich das deutsche Heer entwickelt: hin zu einer Armee, die wieder größere Verbände für einen möglichen konventionellen Konflikt in Europa aufstellen will.

Der Schakal soll eine Fähigkeit liefern, die für die Bundeswehr offenbar zunehmend wichtig wird: schnell verlegbar, mit Schutz und Feuerkraft und mobiler als ein schweres Kettenfahrzeug.

Mehr zur Bundeswehr an der NATO-Ostflanke in der Reportage "Deutsche Soldaten in Litauen: Panzer, Drohnen, Abschreckung".

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