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Wie 500-Atombomben: Deutschlands größter Vulkan kann wieder explodieren

Deutschlands wuchtigster Vulkan: Laacher See Vulkan hat vor 13.000 Jahren Teile Europas verwüstet
Deutschlands wuchtigster Vulkan: Laacher See Vulkan hat vor 13.000 Jahren Teile Europas verwüstet Copyright  Df1paw, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Copyright Df1paw, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
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Vor rund 13.000 Jahren explodierte der Laacher-See-Vulkan mit gewaltiger Kraft. Heute bebt es wieder tief unter der Eifel. Forscher haben Hunderte Mikro-Erdbeben registriert und Hinweise auf ein weiterhin aktives Vulkansystem gefunden.

Immer wieder bebt die Erde in Deutschland, doch viele bekommen davon gar nichts mit. Denn die Beben passieren tief unter der Erde und haben niedrige Frequenzen. Doch weiter unten, da könnte es brodeln - das denken zumindest Forscher, die den Laacher See in der Eifel im Westen Deutschlands über mehrere Jahre beobachtet haben.

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Zwischen September 2022 und August 2023 haben sie mit mehreren Messstellen über 500 Mikro-Erdbeben aufgezeichnet. Unter einem See, der vor rund 13.000 Jahren selbst die Ausbruchsstelle eines Vulkans war.

Deutschlands wuchtigster Vulkan

Vor etwa 13.000 Jahren ist der Laacher-See-Vulkan bisher zum letzten Mal ausgebrochen. Die Explosion war von solch einer Wucht, dass Ascheregen sogar bis nach Schweden und Italien getragen wurde. Immer wieder plädieren Experten dafür, diesen Ort heutzutage kontinuierlich zu überwachen.

Denn mehreren Forschungen zeigen, dass es sich unter der Erde regt. Im Oktober 2025 wurde erneut eine leichte Zunahme der Erdbebenaktivität im Bereich der Osteifel bekannt, zuletzt stellte das auch eine Studie aus dem Jahr 2019 fest. Forscher nennen die Bewegungen "Deep-Low-Frequency"-Beben, Abkürzung: DLF.

Diese DLF-Beben werden als Anzeichen dafür gewertet, dass der Laacher-See-Vulkan eines Tages tatsächlich wieder ausbrechen könnte. Zentrum der Untersuchungen ist der Laacher See in Rheinland-Pfalz, es handelt sich um den größten See in dem Bundesland. Die Vulkaneifel hat nicht ohne Grund den Namen des härtesten Gesteins inne. In der Osteifel liegt ein Vulkanfeld aus etwa 100 Vulkanen.

"DLF-Erdbeben gelten weltweit als Hinweis auf die Bewegung magmatischer Fluide in großer Tiefe", erläutert Torsten Dahm, Sektionsleiter Erdbeben- und Vulkanphysik am GFZ zu einer Studie aus dem Jahr 2019. "Unter aktiven Vulkanen, beispielsweise auf Island, in Japan oder Kamtschatka, lassen sich solche Erdbeben regelmäßig beobachten."

Mehrere Erdbebenschwärme beobachtet

In etwa 12 bis 14 Kilometern Tiefe sollen sich der Studie zufolge magmatische Fluide ansammeln. Magmatische Fluide können Wasser, Sauerstoff, Schwefelverbindungen oder Halogene sein. Sie alle haben gemeinsam, dass sie aus einer Gesteinsschmelze entweichen. Dadurch steuern sie maßgeblich, wie explosiv ein Vulkan ausbricht und lösen im Untergrund Erdbeben aus.

Diese magmatischen Fluide könnten aus dem oberen Erdmantel in die Erdkruse aufsteigen. Sie würden laut dem Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GfZ) in Potsdam entlang der Ochtendunger Störungszone aufsteigen und beweisen: Das Vulkansystem am Laacher See ist noch aktiv.

Sie geben jedoch Hinweise, dass Magmenkammern in der Erdkruste unterhalb des Laacher Sees existieren und sich langsam füllen könnten. In der Nacht zum 10. Oktober 2025 ist es zu einem ungewöhnlichen Erdbebenschwarm mit rund 92 kleinen Mikrobeben innerhalb von zwölf Stunden gekommen. Das stärkste Beben erreichte gerade einmal 0,9 auf der Erdbeben-Skala.

"Insgesamt wurden in den vergangenen fünf Jahren vier räumlich eng begrenzte Gruppen solcher DLF-Erdbeben in der Osteifel nachgewiesen", erklärte Studienleiter MArtin Hensch vom Verbund der Landeserdbebendienste 2019.

Aktuelle vulkanische Aktivitäten erwarten die Forscher jedoch nicht. Datierungen der beim letzten Ausbruch vor 12.900 Jahren geförderten Magmen zeigen, dass die Befüllung der oberen Magmenkammer unter dem Laacher See etwa 30.000 Jahre gedauert haben könnte, bevor es zum Ausbruch kam, wie es in einer GFZ-Mitteilung heißt.

Gefahr eines baldigen Ausbruchs? Nein

"Der Aufstieg von Magma in die flache Erdkruste geht in aller Regel mit hochfrequenten Erdbebenschwärmen einher. Eine solche Aktivität war in der Osteifel bis jetzt nicht zu beobachten", berichtet Joachim Ritter vom Geophysikalischen Institut (GPI) des KIT. "Außerdem fehlen Hinweise auf Hebungen der Erdoberfläche, die bei massiven Magmenaufstiegen deutlich feststellbar sein müssten", ergänzt Dahm.

Denn neben den kleinen Beben und zuletzt einem sogenannten Bebenschwarm (HIER MEHR) gebe es weitere Anzeichen einer anhaltenden CO2-Entgasung aus dem Mantel.

Immer wieder sind an der Seeoberfläche Kohlendioxidblasen zu sehen. Gase steigen aus den Untiefen aus.
Immer wieder sind an der Seeoberfläche Kohlendioxidblasen zu sehen. Gase steigen aus den Untiefen aus. RaSlaMa, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Im Jahr 2024 hat das GFZ RMT-Messungen an zwei Stellen im Umfeld des Laacher Sees durchgeführt. An beiden Stellen konnte der Austritt von CO2-Gasen magmatischen Ursprungs nachgewiesen werden. Alle Aktivitäten deuten letztendlich darauf hin, dass unterirdische Prozesse aktiv von statten gehen.

Von September 2022 bis August 2023 haben Geologen in einer Studie aus dem Jahr 2026 über 500 lokale Mikro-Erdbeben aufgezeichnet. Dabei werde das Gestein hydraulisch aufgebrochen, die Forscher sprechen hierbei von einem Beispiel für natürliches hydraulisches Fracking.

Sie haben dabei auch herausgefunden, dass vermutlich in einer Tiefe von zwölf bis 14 Kilometern eine Reservoirstruktur, etwa eine mögliche Magmakammer liegt. Sie erstreckt sich horizontal über 15 Kilometer unterhalb der aktiven Erdbebenzone.

Ausbruch vor rund 13.000 Jahren: Europaweiter Schaden

In der Eiszeit, vor etwa 13.000 Jahren, ist der Vulkan in der Eifel bereits ausgebrochen. Die jüngsten Studien haben den Ausbruch neu datiert, er soll sich vor 13.084 Jahren ereignet haben, etwa 184 Jahre früher als bisher angenommen.

Die Vulkan-Explosion war von unvorstellbarem Ausmaß. Vulkanasche soll bis in die Stratosphäre aufgestiegen sein und erreichte vermutlich eine Höhe von 30 Kilometern. Winde sollen die Vulkanasche über Tausende Kilometer weit transportiert haben: Richtung Norden bis nach Schweden und Richtung Süden bis nach Norditalien. Heute spricht man ihm die Sprengkraft von rund 500 Hiroshima-Bomben zu, wie es auch auf der Webseite vom angrenzenden Kloster Maria Laach heißt.

Vulkanasche und Bims bildeten im Rheintal eine sieben Meter mächtige Schicht. In Vulkannähe soll die Schicht eine Dicke von etwa 60 Meter betragen. Im heutigen Köln-Bonner Raum lagerte sich die Vulkanasche bis zu ein Meter hoch ab.

Der Laacher See ist der größte See in Rheinland-Pfalz.
Der Laacher See ist der größte See in Rheinland-Pfalz. Bungert55, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Erst danach ist der Laacher See überhaupt entstanden. 10 Tage lang explodierte die Erde immer wieder, mit einigen Ruhephasen. Mit heißen Gasen, die beim Aufeinandertreffen mit Grundwasser das Grundgebierge und alte Lavaströme zersprengten, bereiteten Explosionen den Weg für aufsteigendes Magma.

Es wird auch vom größten Vulkanausbruch des späten Quartärs in Mitteleuropa gesprochen.

Um den Ausbruch genau zu datieren suchte ein Forscherteam der Universitäten Mainz, Frankfurt und Heidelberg nach Schwefelablagerungen in verschiedenen natürlichen Klimaarchiven. Hinweise fanden in in einem Eisbohrkern in Grönland als auch in einem Tropfstein einer Höhle im Westerwald. Die Sulfatkonzentration brachte den Schlüssel.

Die Gesteine, die zu Zeiten des Ausbruchs flüssiges Magma waren, wurden im 19. Jahrhundert unter anderem für den Dombau verwendet.

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