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Ceuta: Wie Desinformation das Rote Kreuz ins Visier nimmt

Soldaten der spanischen Armee und Rotkreuz-Helfer unterstützen einen Migranten, der von Marokko zur spanischen Exklave Ceuta geschwommen ist, am Samstag, 1. August 2026.
Soldaten der spanischen Armee und Rotkreuzhelfer unterstützen einen Migranten. Er ist von Marokko in die spanische Exklave Ceuta geschwommen, am ersten August 2026. Copyright  AP Photo
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Von James Thomas & Tamsin Paternoster
Zuerst veröffentlicht am
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In den sozialen Netzwerken gerät das Rote Kreuz wegen seines Umgangs mit der Ceuta-Krise zunehmend unter Beschuss. Nutzer werfen der Organisation vor, marokkanische Migranten zu bevorzugen. "The Cube" hat die Vorwürfe überprüft.

Die anhaltende Migrationskrise im spanischen Ceuta an der Grenze zu Marokko sorgt in den sozialen Netzwerken weiterhin für eine Welle von Falschinformationen. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte, Untersuchungen des diplomatischen Dienstes der EU deuteten darauf hin, dass russische und israelische Netzwerke hinter der Flut gefälschter Beiträge in den sozialen Medien steckten.

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Am Montag sagte er dem Radiosender Cadena Ser, auch die "internationale extreme Rechte" trage Verantwortung. Sie nutze Migration immer wieder, um "nicht nur Spanien, sondern auch Europa anzugreifen". Russland und Israel haben die Vorwürfe zurückgewiesen.

Innerhalb von nur zwei Tagen überquerten mehr als 72.000 Menschen von Marokko aus die Grenze in das spanische Ceuta. Der beispiellose Zustrom forderte mindestens 100 Todesopfer und stürzte die Enklave in eine humanitäre und politische Krise. Tausende Menschen sitzen weiterhin in der Enklave fest. Die spanische Regierung spricht von rund 5.000 Personen, lokale Schätzungen liegen deutlich höher.

Überfüllte Unterkünfte, Massenproteste in ganz Spanien und vereinzelte Gewaltausbrüche setzen Ceuta zusätzlich unter Druck. Auch das Rote Kreuz ist zu einem der wichtigsten Ziele der Desinformation rund um die Krise geworden. Am 27. August versuchten Demonstrierende in Ceuta, Fahrzeuge des Roten Kreuzes zu blockieren, die Lebensmittel zu Migranten bringen sollten. Die Stimmung gegenüber der Hilfsorganisation wird zunehmend feindselig.

Das Rote Kreuz versorgt seit Ende Juli Menschen mit Essen und Trinkwasser, die von Marokko aus schwimmend oder über die Grenzzäune in das spanische Gebiet gelangt sind. Vor diesem Hintergrund verbreiten sich im Internet zahlreiche falsche oder irreführende Behauptungen über die Organisation.

Ein Video, das mehr als 13.000-mal geteilt wurde, soll angeblich zeigen, wie Männer von Ceuta auf das spanische Festland gebracht werden. Einige Nutzer behaupten, dabei würden Maßnahmen zur Verlegung unbegleiteter Minderjähriger missbraucht. Das Video liefert dafür jedoch keinen Beleg.

Einer der Beiträge, der die Behauptung zu dem Video verbreitet
Einer der Beiträge, der die Behauptung zu dem Video verbreitet Euronews

Die Aufnahmen entstanden am Strand El Trampolín in Ceuta und zeigen, wie das Rote Kreuz rund 2.000 Migranten mit Lebensmitteln versorgt. Das lässt sich durch anderes Videomaterial belegen, das einige Tage zuvor von der spanischen Nachrichtenagentur Europa Press veröffentlicht wurde. Die Aufnahmen zeigen aus einem anderen Blickwinkel, wie das Rote Kreuz und weitere Hilfsorganisationen am 3. August am Strand Lebensmittel an Migranten verteilen.

Andere Beiträge werfen dem Roten Kreuz vor, Migranten zu helfen und gleichzeitig spanische Bürgerinnen und Bürger, die von den Waldbränden betroffen sind, im Stich zu lassen. In diesem Sommer verbrannten in Spanien und anderen Teilen Europas Tausende Hektar Land. Begünstigt wurden die Brände durch den menschengemachten Klimawandel und rekordhohe Temperaturen. So behauptete ein Nutzer etwa, er habe bei den Bränden keinen einzigen Einsatz von Helfern des Roten Kreuzes gesehen.

Andere Beiträge unterstellen, spanische Steuergelder würden dafür verwendet, Migranten zu versorgen, anstatt betroffene spanische Bürger zu unterstützen. Weitere Beiträge behaupten, das Rote Kreuz habe auch die Opfer der DANA-Sturzfluten 2024 ignoriert. Bei den Überschwemmungen kamen mehr als 220 Menschen ums Leben, die Schäden gingen in die Milliarden. Demnach seien NGOs erst aufgetaucht, als "die Kameras schon da waren", würden aber "wie ein Schweizer Uhrwerk" arbeiten, sobald es um die Unterstützung von Migranten gehe. Unterlagen des Roten Kreuzes zeigen jedoch, dass die Organisation in beiden Notlagen im Einsatz war.

Nach eigenen Angaben hatte das Rote Kreuz bis zum 24. August mehr als 938 Mitarbeitende und Freiwillige mobilisiert, während die Brände auf der Iberischen Halbinsel wüteten. Sie leisteten fast 6.900 Hilfseinsätze und stellten vorübergehende Unterkünfte für mehr als 5.600 Menschen bereit.

Auch nach den verheerenden Überschwemmungen 2024 war das Rote Kreuz sofort im Einsatz. Zum ersten Jahrestag der Katastrophe berichtete die Organisation, mehr als 143.000 Menschen mit akuter Nothilfe und langfristigen Wiederaufbauprogrammen unterstützt zu haben. In anderen Beiträgen im Internet heißt es, der Druck aus der Bevölkerung habe das Rote Kreuz gezwungen, Ceuta zu verlassen und die Hilfe für Migranten einzustellen.

Tatsächlich blockierten Demonstrierende die Fahrzeuge zeitweise. Lokale Medienberichte zeigen jedoch, dass der Konvoi über eine Ausweichroute den Strand El Trampolín erreichte und die Verteilung abschließen konnte.

Das Spanische Rote Kreuz wollte sich auf Anfrage von "The Cube", dem Faktencheck-Team von Euronews, nicht dazu äußern.

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