Ein russischer Angriff auf Sumy fordert mehrere Todesopfer, die Ukraine antwortet mit ihrem bislang tiefsten Schlag auf russisches Gebiet. Selenskyj wirbt zeitgleich in Kanada um Unterstützung und trifft den Premierminister Mark Carney.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist zu Gesprächen mit Kanadas Regierungschef Mark Carney in Kanada eingetroffen. Gleichzeitig setzen Russland und die Ukraine ihre gegenseitigen Angriffe fort.
Bei nächtlichen russischen Angriffen wurden mindestens drei Menschen getötet. Nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte feuerte Moskau in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag 149 Drohnen auf die Ukraine ab, von denen 128 abgeschossen wurden. Die Drohnen seien aus russischen Städten wie Kursk und Millerowo sowie aus den vorübergehend besetzten Regionen Donezk und Hvardiiske auf der Krim gestartet und hätten 13 Ziele getroffen.
Am Mittwochabend traf ein russischer Angriff den Parkplatz eines Einkaufszentrums in der Stadt Sumy. Dabei wurden mindestens drei Menschen getötet und 14 verletzt, darunter ein Teenager. Das teilte Oleh Hryhorow, Leiter der Militärverwaltung der Oblast Sumy, auf Telegram mit.
In der ostukrainischen Stadt Charkiw wurden nach Angaben von Bürgermeister Ihor Terechow mindestens zwei Menschen verletzt, nachdem Drohnen mehrere Wohnhäuser beschädigt hatten. In der zentralukrainischen Stadt Krywyj Rih traf ein weiterer großangelegter Angriff Wohngebäude und versetzte zwei Menschen in kritischen Zustand, berichtete der Leiter des örtlichen Verteidigungsrats, Oleksandr Wilkul, auf Telegram.
In der westukrainischen Stadt Chmelnyzkyj mussten vier Feuerwehrleute ins Krankenhaus gebracht werden, nachdem sie einen Brand auf einem Markt gelöscht hatten, der durch Trümmer einer russischen Drohne ausgelöst worden war. Die Einsatzkräfte wurden nach Behördenangaben bei einer zweiten Explosion verletzt.
Bisher weitreichendster Schlag auf russisches Gebiet
Die ukrainischen Spezialkräfte meldeten unterdessen ihren bisher tiefsten Schlag auf russisches Gebiet. Ihre Drohnen legten rund 3.000 Kilometer zurück und trafen zwei Gaskondensat-Anlagen in Nowy Urengoi und Purowski, gelegen im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen, einer der wichtigsten Öl- und Gasregionen Russlands. Ukrainische Medien berichteten zudem, russische Telegram-Kanäle hätten von einem ukrainischen Drohnenangriff auf die Republik Dagestan gesprochen.
Nach Angaben russischer Behörden geriet auch die südrussische Küstenstadt Sotschi unter Beschuss ukrainischer unbemannter Überwasserdrohnen, wodurch mehrere Brände ausbrachen. Russische Medien berichteten außerdem, Bewohner der Hafenstadt Machatschkala am Kaspischen Meer hätten Explosionen gemeldet. Der Hafen ist auf den Umschlag fester und flüssiger Güter spezialisiert. Einwohner beklagten fehlende Luftschutzwarnungen.
Selenskyj besucht Kanada
Während die Kämpfe zwischen Russland und der Ukraine andauern, reiste Präsident Selenskyj am Mittwoch nach Kanada, um mit Premierminister Mark Carney über eine engere Zusammenarbeit mit den Verbündeten zu sprechen. Nach Angaben Carneys werde sich der Besuch auf gemeinsame Prioritäten zwischen Kanada und der Ukraine konzentrieren, darunter eine vertiefte Zusammenarbeit in den Bereichen Verteidigung, Wirtschaft und Energie.
Carney erklärte zudem, der Besuch werde auch die menschlichen Kosten von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine thematisieren und auf den engen Beziehungen zwischen beiden Gesellschaften aufbauen. Kanada bleibe entschlossen, die Verteidigung, den Wiederaufbau und die Erholung der Ukraine zu unterstützen.
Selenskyj und seine Frau Olena Selenska werden voraussichtlich bis Freitag in Kanada bleiben. Geplant sind Termine in Calgary, Toronto und North Bay sowie ein Treffen mit Kabinettsmitgliedern im Ferienort Banff in der Provinz Alberta.