Kurz vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern wirbt Manuela Schwesig in Demmin um Stimmen. Die SPD hat in den Umfragen deutlich aufgeholt. Schwesig grenzt sich von der Bundes-SPD ab und warnt vor der AfD.
Dutzende SPD-Anhänger sind nach Demmin gekommen, um ihrer Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) kurz vor der Landtagswahl am Sonntag Fragen stellen zu können. In dem kleinen Ort mit 10.000 Einwohnern in der Nähe von Rostock in Mecklenburg-Vorpommern ist an diesem Tag sozialdemokratische Hochkonjunktur – es ist Bürgerdialog.
Seit fast zehn Jahren regiert Schwesig inzwischen das Bundesland. Wenn es nach ihr geht, kommt noch eine weitere Amtszeit hinzu. Im Gespräch mit Euronews erklärt sie: "Mein größter Wunsch ist, dass wir im Land zusammenhalten, dass wir Frauen vor allem weiter frei leben können. Ich erlebe als Frau die AfD als bedrohlich. Sie wertet uns Frauen ab. Sie ist in großen Teilen auch sexistisch, und ich möchte, dass unsere Mädchen und Frauen frei aufwachen und aufwachsen. Kein Vater und auch kein Mann kann wollen, dass seine Tochter oder Partnerin benachteiligt wird, nur weil sie eine Frau ist. Dafür stehe ich und nicht die AfD, und das macht den Unterschied."
In den vergangenen Monaten hat die SPD eine rekordverdächtige Aufholjagd hingelegt: Vor einem Jahr, im September 2025, stand sie mit 19 Prozent weit hinter der AfD. Die Rechtsaußenpartei lag damals bei 38 Prozent, so eine Erhebung von Infratest dimap im Auftrag des NDR. Wenige Tage vor der Wahl liegt die SPD laut Umfragen mit rund 35 Prozent fast gleichauf mit der AfD (37 Prozent), so eine Insa-Umfrage im Auftrag der Bild.
In einer Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF haben die Sozialdemokraten den ersten Platz in Mecklenburg-Vorpommern wieder erklommen und die AfD knapp auf Platz zwei verwiesen (36 Prozent). Demnach liegt die Linke bei neun Prozent, die CDU bei sechs Prozent, die Grünen bei fünf Prozent und das BSW bei vier Prozent.
60 Prozent wollen Schwesig als Ministerpräsidentin
Die lokale SPD-Kandidatin in Demmin, Anna-Konstanze Schröder, die ebenfalls am Bürgerdialog teilnimmt, attestiert der AfD leere Versprechen: "Sie haben keine echten Lösungen. Sie arbeiten immer auf der emotionalen Ebene. Das ist so etwas Chauvinistisches. Sie lösen nicht die Probleme, sondern dann trinkt man ein Bierchen und es geht einem wieder gut." Für Schröder könnte nach der Wahl die zweite Amtszeit im Landtag anstehen.
Roland Thoms ist bereits seit 57 Jahren Sozialdemokrat, erzählt er Euronews. In Duellen würde Schwesig die AfD übertrumpfen, das hätte der SPD zum Aufschwung verholfen. "Ich denke, die Leute wachen hoffentlich rechtzeitig auf und nicht zu spät. Wir können wirtschaftlich nicht aus dem Euro weg. Mit wem können wir denn Geschäfte machen?", so der pensionierte Ingenieur. Dass so viele Menschen in der Region AfD wählen wollen, nennt er "geschichtsvergessen". Thoms ist Zeitzeuge des Zweiten Weltkriegs.
Auch für Louis Schmidt ist die SPD hier in Mecklenburg-Vorpommern die einzige Option: "Frau Schwesig steht für mich für Zusammenhalt, für Offenheit, aber auch für Kritik an ihren eigenen Parteikollegen, zum Beispiel im Bund, was ich an ihr sehr schätze."
Kritik am Bund – das übt Schwesig auch in Demmin. Berlin solle nicht nach Mecklenburg-Vorpommern reinregieren, erklärt sie den Bürgern. "Hier wird nicht über den Bund, über Merz und Co. entschieden, sondern über Mecklenburg-Vorpommern." Die Nachricht ist klar: Die schwächelnde Bundes-SPD und Mecklenburg-Vorpommerns SPD sollen nicht in einen Topf geworfen werden.
Stattdessen wirbt Schwesig für ihr Programm: Sie will die Wirtschaft weiter vorantreiben und Unternehmen mehr unterstützen. Sie setzt sich für einen Preisdeckel für Benzin und Diesel ein. Eltern sowie Senioren sollen mehr entlastet werden. Vieles hätte sie in der Vergangenheit schon umgesetzt, darunter kostenfreie Kitas und 20 Euro Rabatt für Senioren auf das Deutschlandticket.
Die SPD setzt in ihrem Wahlkampf auf Schwesig und ihre Beliebtheit. Denn eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des NDR zeigt, dass der Großteil der Befragten Schwesig als Ministerpräsidentin behalten will. 59 Prozent der Befragten würden sich demnach bei einer Direktwahl des Regierungschefs für Schwesig entscheiden. 28 Prozent der Befragten gaben den Spitzenkandidaten der AfD, Leif-Erik Holm, an.