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COVID-19-Impfung bei Schwangerschaft, Kinderwunsch, Stillzeit: Was in Europa empfohlen wird

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Von Alexandra Leistner
Impfen empfohlen: Schwangere und Frauen in gebährfähigem Alter wird dringend zu einer Impfung gegen Sars-Cov-2 geraten.
Impfen empfohlen: Schwangere und Frauen in gebährfähigem Alter wird dringend zu einer Impfung gegen Sars-Cov-2 geraten.   -   Copyright  Peter Hamlin/AP
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In Europa einen echten Konsens zu finden, ist nicht immer einfach. Das hat die Corona-Krise mit Debatten zu Masken, Abstandsregeln, Schulschließungen und vielen weiteren Themen einmal mehr gezeigt. Bei einem Thema scheinen sich die europäischen Länder aber mittlerweile einig zu sein: Schwangeren Frauen wird empfohlen, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen.

Studien zur Auswirkung des Impfstoffs auf Schwangere - und auf das ungeborene Kind - gibt es nur wenige, Wissenschaftler:innen sind sich aber einer Meinung, dass das Risiko, das für Mutter und Kind durch eine COVID-19-Erkrankung entsteht, höher ist als ein eventuell von der Impfung ausgehendes Risiko.

"COVID-19 in der Schwangerschaft stellt auch ein Risiko für das Baby dar. Schwangere Frauen, die während der Schwangerschaft mit COVID-19 infiziert werden, haben ein höheres Risiko einer Frühgeburt und ihre Kinder ein höheres Risiko, intensivmedizinisch betreut werden zu müssen. Das sind Fakten, die wir heute wissen", erklärt die WHO bezüglich einer Impfempfehlung schwangerer Frauen.

In Deutschland hatte es eine Weile gedauert, erst seit dem 17. September empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung für Schwangere ab dem 4. Schwangerschaftsmonat mit einem mRNA-Impfstoff, das heißt mit Comirnaty von BioNTech/Pfizer oder Spikevax von Moderna.

Schwangere sollten sich demnach mit zwei Dosen im Abstand von drei bis sechs Wochen (BioNTech/Pfizer) bzw. vier bis sechs Wochen (Moderna) impfen lassen.

Auch Stillende zählen laut STIKO "explizit als zu impfende Zielgruppen", für sie gelten die selben Empfehlungen wie für Schwangere.

Warum wurde so lange gezögert bei der Impfempfehlung?

In Deutschland entscheidet die Ständige Impfkommission (STIKO) darüber, ob eine Impfung für Individuen und die Bevölkerung sinnvoll ist.

Vor diesem Hintergrund warteten die Expert:innen ab, bis sie ausreichend Daten zum Risiko von schweren COVID-19-Verläufen in der Schwangerschaft sowie zur Effektivität und Sicherheit der Impfung bei Schwangeren und Stillenden auswerten konnten.

"Eine Empfehlung muss sich immer auf eine gute Datenbasis stützen", erklärte die STIKO, deswegen habe abgewartet mit einer ausdrücklichen Impfempfehlung. Es sei Schwangeren aber auch zuvor schon möglich gewesen, in Absprache mit Ärtz:innen, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen.

Was ist mit den Nebenwirkungen?

Laut Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) "weist die Impfung keine Unterschiede im Nebenwirkungsprofil im Vergleich zu Nicht-Schwangeren auf".

In ihrer Empfehlung stützt sich die DGGG auf ein Register aus dem USA in dem mehr als 100.000 Profile schwangerer Frauen erfasst sind. Demnach gebe es keinen Hinweis für häufigere Komplikationen (Abort, Totgeburt, Frühgeburt, fetale Wachstumseinschränkung, Fehlbildungen, neonatales Versterben) nach einer COVID-Schutzimpfung.

Ist das Baby durch die Impfung geschützt?

Es ist nach Angaben der Expert:innen sehr wahrscheinlich, dass auch das ungeborene Kind bei einer Impfung der Mutter gegen das Coronavirus geschützt wird. Bei mit mRNA-geimpften Schwangeren werden Antikörper gegen Sars-Cov-2 gebildet, die im Test - genauso wie bei Nicht-Schwangeren - "signifikant höher" sind als nach einer Infektion. Diese von der Mutter produzierten Antikörper konnten auch beim Neugeborenen nachgewiesen werden.

Muss ich nach der Impfung eine Pause beim Stillen machen?

Die mRNA des Impfstoffs kann nach Auswertung der DGGG nicht in der Muttermilch gefunden werden. Deswegen muss auch keine Stillpause eingelegt werden. Es gibt den Angaben nach Hinweise, dass für gestillte Kinder eine sogenannte Nestimmunität durch die Impfung der Mutter entstehen kann, da durch die Impfung gebildete Antikörper in der Milch entdeckt wurden.

Kontaktpersonen impfen

Sowohl das RKI und die STIKO als auch die DGGG empfehlen neben dem Impfen von Schwangeren, dass auch Menschen im engen Umfeld von schwangeren Frauen sich impfen lassen (Parter:innen, Ärzte, Hebammen).

Ich möchte schwanger werden, soll ich mich impfen lassen?

Frauen mit Kinderwunsch wird auf dem COVID-Portal der München Klinik erklärt, dass eine Impfung gegen Sars-CoV-2 weder den Mann noch die Frau unfruchtbar macht.

"Wir sehen keine vermehrte Unfruchtbarkeit und auch keine erhöhte Abortrate und keine erhöhte Rate an Fehlbildungen aufgrund der Impfung", ist dort zu lesen.

Mit einem warnenden Unterton schreibt die Klinik zudem: "Was wir in unseren Kliniken beobachten, sind schwere COVID-19-Verläufe bei Schwangeren - und damit junge Mütter, die mehrere Wochen auf der Intensivstation liegen und ihr Kind nicht sehen."

Auch die DGGG weist darauf hin, dass man bei Schwangeren - wenn nicht geimpft - allgemein häufiger schwere Verläufe von COVID-Erkrankungen beobachtet. Sie müssen sechs Mal so häufig intensivmedizinisch betreut und 23-mal häufiger beatmet werden.

Schwangere, die an COVID-19 erkranken haben eine 26-fach erhöhtes Risiko unter der Geburt zu sterben, das Risiko einer Frühgeburt liegt bei Erkrankten sogar bei 80 Prozent.

Laut Paul-Ehrlich-Institut "ist im Rahmen einer Arzneimittelzulassung die bestmögliche Sicherheit für den Ausschluss von Schäden an Fortpflanzungsorganen und von einer Beeinträchtigung der Fortpflanzung beim Menschen gewährleistet." Eine Impfung bei Kinderwunsch ist also ausdrücklich empfohlen, damit der Schutz schon zu Beginn der Schwangerschaft besteht.

Österreich

Österreich nennt die Wirkung der COVID-19 Impfung für Schwangere "evident". Das Nationale Impfgremium (NIG) empfiehlt die Impfung mit mRNA-Impfstoffen: "Bisher liegen nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von COVID-19-Impfstoffen bei Schwangeren vor, diese ließen ausnahmslos keine Auffälligkeiten erkennen. Insbesondere zu mRNA-Impfstoffen wurden mittlerweile Daten publiziert, weshalb bei der Impfung von Schwangeren mRNA-Impfstoffe zu bevorzugen sind."

Kyle Green/AP
Schwangere haben ein sehr viel höheres Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19. Das Bild zeigt eine intubierte Schwangere in einem US-Krankenhaus in Idaho, August 2021.Kyle Green/AP

Schweiz

Etwa zeitgleich mit Deutschland rieten auch das Schweizer Bun­des­amt für Ge­sund­heit (BAG) und die Eid­ge­nös­si­sche Impf­kom­mis­si­on (Efik), zur Co­ro­na­imp­fung für al­le Schwan­ge­ren - "auch sol­chen ohne Vor­er­kran­kun­gen oder in spe­zi­el­len Ri­si­ko­si­tua­tio­nen". Die Imp­fung soll­te erst im zwei­ten oder drit­ten Schwan­ger­schaft­s­tri­me­non mit ei­nem mRNA-Impf­stoff (Mo­der­na bzw. Bio­NTech/Pfi­zer) durch­ge­führt wer­den. Die Schwei­ze­ri­sche Gy­nä­ko­lo­gen­ge­sell­schaft (SGGG) hatte die Empfehlung vorab gefordert.

Auch Kon­takt­per­so­nen von Schwan­ge­ren wird die Imp­fung empfohlen.

Spanien

Als eines der ersten Länder in Europa hat Spanien im Juli schwangeren und stillenden Frauen empfohlen, sich "egal zu welchem Zeitpunkt" mit einem mRNA-Impfstoffen impfen zu lassen.

"Auf der Grundlage der verfügbaren Daten - die keine nachteiligen Auswirkungen auf die Schwangerschaft erkennen lassen - und der Empfehlungen anderer Länder wird vorgeschlagen, schwangere oder stillende Frauen mit mRNA-Impfstoffen zu impfen, wenn dies gemäß der Prioritätsgruppe, zu der sie gehören, angemessen ist - zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft".

Die spanische Gesundheitsministerin Carolina Darias erklärte im Juli, es sei notwendig, "an der Sensibilisierung für die Impfung von Schwangeren zu arbeiten".

Italien

Die Regierung in Rom sprach ihre Impfempfehlung für Schwangere und Stillende "im zweiten und dritten Trimester und im ersten Trimester nur nach einer Bewertung der potenziellen Risiken und Vorteile" am 24. September aus. Gleiches gilt für stillenden Frauen.

Frankreich

In Frankreich haben Frauen ab dem 2. Trimester (16. Amenorrhoe-Woche) vorrangig Zugang zur Impfung gegen COVID-19. Eine Impfung ist ab dem ersten Trimester möglich. Die derzeit empfohlenen Impfstoffe sind die beiden mRNA-Impfstoffe Comirnaty oder Moderna.

Wurde eine erste Dosis in der Frühschwangerschaft verabreicht, als die Schwangerschaft noch nicht bekannt war, gibt es bisher keine Hinweise auf Bedenken für die Mutter und das ungeborene Kind, unabhängig vom Impfstoff.

Es gibt keine Studien über den Übergang von Impfstoffen in die Milch, heißt es aus Frankreich. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der Impfstoff-RNAs vom Körper abgebaut werden, und der biologischen Mechanismen der mRNA-Impfstoffaufnahme sind jedoch keine impfstoffbedingten Auswirkungen auf Säuglinge und Kinder zu erwarten, die von einer geimpften Frau gestillt werden.

Die Entscheidung für oder gegen eine Impfung sollte im Zusammenhang mit dem Stillen und insbesondere bei Vorliegen von Risikofaktoren in enger Absprache mit dem Arzt, der Hebamme oder dem Gynäkologen getroffen werden.

Ungarn

In Ungarn dürfen sich Frauen ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel impfen lassen. Die erste Dosis muss nach der 12. Schwangerschaftswoche, die zweite Dosis bis zur 36. Woche verabreicht werden. Auch stillenden Müttern wird eine COVID-Impfung empfohlen.

Belgien

Wie der Conseil Supérieur de la Santé am 21. April 2021 mitteilte, wird auf der Grundlage wissenschaftlicher Daten und damals aktueller Datenlage empfohlen, schwangere Frauen systematisch gegen COVID-19 zu impfen. "Schwangere Frauen haben ein höheres Risiko, an einer schweren Form von COVID-19 zu erkranken und ein Kind zu früh zu gebären".

Wenn die Schwangere an Begleiterkrankungen leidet, wie z. B. Übergewicht vor der Schwangerschaft, Bluthochdruck, Diabetes usw., wird die Impfung umso mehr empfohlen.

Bei Frauen, die schwanger werden wollen, hat der Oberste Gesundheitsrat (CSS) keine Einwände gegen eine systematische Impfung. Hinweise auf erhöhte Gefahren gebe es nicht.

Alle stillenden Frauen können geimpft werden, insbesondere wenn sie im Gesundheitswesen tätig sind oder zu anderen Risikogruppen gehören, die vorrangig geimpft werden müssen.

Niederlande

Auch in den Niederlanden wird Schwangeren, Stillenden und Frauen mit Kinderwunsch empfohlen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. "Wenn Sie schwanger sind, können Sie sich bedenkenlos gegen das Coronavirus impfen lassen. Die Impfung ist weder für Sie noch für das Kind in Ihrem Bauch schädlich", heißt es in einem von der Regierung herausgegebenen Infoblatt.

Russland - als einiziges Land mit Vektor-Impfstoff

In Russland wird schwangeren Frauen seit Ende Juni empfohlen sich mit dem Impfstoff Sputnik V gegen einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung zu schützen.

Im August erklärte der Direktor des staatlichen Gamaleya-Instituts für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau, Alexander Gintsburg, dass die Sputnik-V-Impfung bei schwangeren Frauen normal verlaufe und der Impfstoff keine Auswirkungen auf Neugeborenen habe, außer dass die Antikörper der Mutter an sie weitergegeben würden.

Allerdings bedauern die Behörden, dass Durchimpfungsrate gegen das Coronavirus bei schwangeren Frauen in Russland gering ist.

Die Impfung wird ab der 22. Schwangerschaftswoche empfohlen, in manchen Fällen ab der 18. Woche. Vor allem Frauen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Adipositas oder etwa Nierenproblemen wird dringend geraten, sich zu impfen.

Von den vier in Russland zugelassenen Impfstoffen Sputnik V, EpiVacCorona, CoviVac und Sputnik Light ist nur Sputnik V für Schwangere zugelassen. Sputnik V ist ein sogenannter Vektor-Impfstoff wie die von AstraZeneca und Johnson&Johnson entwickelten Vakzine, Sputnik V ist kein mRNA-Impfstoff.