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Die EU-Länder im Vergleich: Wer impft schneller gegen Covid-19?

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Von Cornelia Trefflich
Die nationalen Impfkampagnen in Europa gehen in unterschiedlichem Tempo voran.
Die nationalen Impfkampagnen in Europa gehen in unterschiedlichem Tempo voran.   -   Copyright  AP

Experten sind sich einig: Der einzige Ausweg aus dem Covid-19-Albtraum besteht darin, so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich zu impfen.

Anfangs lag Großbritannien in Bezug auf die absolute Zahl der Impfungen vorn. Das Land hatte seinen ersten COVID-19-Impfstoff am 2. Dezember, also fast drei Wochen vor der EU, zugelassen. Ein halbes Jahr später hatten mehrere Länder die Briten beim Impftempo eingeholt.

Europa befindet sich zu Beginn des Winters mitten in der vierten Welle - in Frankreich spricht man wegen der vielen Infektionen während der Sommerferien sogar von der fünften Welle. Vielerorts sind Auffrisch-Impfungen - also eine dritte Dosis - in Planung oder haben begonnen.

Auch in Deutschland sollen die Impfzentren mit Hilfen des Bundes wieder öffnen und die Gesellschaft so schnell wie möglich "geboostert" werden. Das gilt für alle bereits geimpften Personen und wird sechs Monate nach der zweiten Impfung empfohlen. "Boostern nach sechs Monaten sollte die Regel werden, nicht die Ausnahme", sagte der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn.

Die dritte Dosis wird unter anderem notwendig, weil die entwickelten Impfstoffe weniger gut gegen die Delta-Variante des Coronavirus schützen.

Booster für alle - jezt doch, und bitte zügig

Das anfängliche Zögern wurde von vielen Gesundheitsexpert:innen und Politiker:innen kritisiert. Als Vorzeigeland wird oft Israel genannt: Dort hält die seit September breit verabreichte Drittimpfung Experten zufolge die Infektionszahlen niedrig.

In Deutschland wurde zunächst Menschen mit Vorerkrankuneg und Angestellten in Pflegeeinrichtungen sowie Personal in medizinischen Einrichtungen mit Patientenkontakt die Drittimpfung empfohlen. Mittlerweile sind die Booster aber für alle verfügbar.

Gesundheitsexperten - etwa der Ständigen Impfkommission STIKO - hatten zunächst geraten, mit der Impfstrategie die Menschen versuchen zu erreichen, die keine Erstimpfung erhalten haben und sich beim Boostern auf diejenigen konzentrieren, die es am Nötigsten haben.

Doch die hohe Inzidenz zeigt: Ungeimpfte treiben die Pandemie voran. Die Impfung kann in den meisten Fällen vor einer schweren Erkrankung mit Krankenhausaufenthalt sowie nach RKI-Angaben zu 94 Prozent vor Tod schützen.

Wie sieht die Lage in anderen Ländern in Europa aus? Wer impft am schnellsten gegen Covid-19?

Die Impfkampagne in Deutschland - sei es für Booster, Erst- und Zweitimpfungen - nimmt offiziellen Angaben zufolge wieder Fahrt auf.

Die nachfolgende Grafik zeigt den Anteil der doppelt geimpften Personen weltweit gemessen an der Gesamtbevölkerung.

In Deutschland steht zudem die Zulassung des Corminaty-Impftstoffs für Kinder von 5 bis 11 Jahren kurz bevor. Gesundheitsminister Jens Spahn sagte, die Impfstoff-Bestellungen seien bereits gestiegen, sodass bald alle Kinder sowie Booster-willige Erwachsene geimpft werden können.

In der gesamten Weltbevölkerung sind nach Angaben von Our World in Data 52,1 Prozent der Menschen mindestens ein Mal geimpft. 7,51 Milliarden Dosen wurden weltweit bisher verabreicht, und 31,22 Millionen werden derzeit jeden Tag verabreicht.

Nur 4,5 % der Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen haben mindestens eine Dosis erhalten.

Wie viel Prozent der Bevölkerung ist vollständig geimpft?

Der Nachteil an dieser Grafik ist, dass sie mehr über die Impfstrategie eines Landes aussagt als über den Erfolg nach dem Start der Impfkampagne.

Die Impfstrategie einiger europäischer Länder sah zunächst vor, so vielen Menschen wie möglich eine Erstimpfung zu verabreichen und den Abstand zur Zweitimpfung maximal auszudehnen.

Für eine vollständige Immunisierung sind bei dreien von den vier in der EU zugelassenen Impfstoffen zwei Injektionen erforderlich. Beim Impfstoff von Johnson & Johnson reichte zunächst eine Impfdosis für einen vollständigen Impfschutz aus. Wer mit letzterem geimpft ist, soll in vielen Staaten jetzt ein Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff (BioNTech/Pfizer oder Moderna) bekommen.

Heißt vollständig geimpft bald drei Impfdosen?

Bisher heißt vollständig geimpft, dass eine Person alle notwendigen Impfungen - also je nach Impfstoff eine oder zwei Injektionen - bekommen hat.

Das folgende Schaubild zeigt, wie viele Booster-Impfungen pro 100 Einwohner bisher verabreicht wurden. Die Länder, die hier nicht vorkommen, haben bisher keine Zahlen geliefert. Zur Veranschaulichung haben wir in diesen Datensatz Israel mit aufgenommen, wo seit mehreren Monaten alle Doppeltgeimpften auch Zugang zu einer dritten Impfung bekommen haben.

Sollen die Reichen mehr Rücksicht nehmen?

Schon oft wurden Vorwürfe laut, dass seit der Einführung der Corona-Impfungen deren Verteilung weltweit zu einer "Impfstoff-Apartheid" führt.

Die WHO hat sich gegen die Auffrisch-Impfungen ausgesprochen, solange in vielen ärmeren Staaten nur wenige Menschen geimpft sind.

Um zu sehen, was in Europa passiert ist, haben wir das Pro-Kopf-BIP eines Landes mit der Anzahl der verabreichten Impfstoffe pro 100.000 Menschen verglichen.

Ein paar der ärmeren Länder - gemessen an den Standards der Europäischen Union - hat später mit den Impfungen begonnen und hat zudem weniger Menschen erfasst. Die Liste umfasst Länder wie die Ukraine, Moldawien, Albanien, Montenegro und Belarus.

Serbien und Luxemburg gehören zu den Ausreißern in der Tabelle.

Ersteres hat, gemessen an seinem Wohlstand, überdurchschnittlich oft geimpft.

Bei letzterem ist es genau umgekehrt: Es ist das reichste der vorgestellten Länder, hat aber eine unterdurchschnittliche Impfrate.

Gleiches Spielfeld?

Die Einschränkung bei vergleichenden europäischen Daten wie diesen ist, dass nicht jedes Land zur gleichen Zeit mit den Impfungen begonnen hat.

Die Übersicht weiter unten gibt einen Blick darauf, wer einen Vorsprung vor anderen Ländern hatte.

In Deutschland wurde die erste Corona-Impfung am 26. Dezember 2020 verabreicht. In Österreich war es der 27. Dezember 2020. In der Schweiz erfolgte der offizielle Impfstart am 4. Januar 2021.

Welche Gruppen wurden zuerst geimpft?

Ein weiterer interessanter Indikator ist, welche Personengruppe jedes Land als erste mit dem COVID-19-Impfstoff geimpft hat.

Die hier herangezogenen Länder teilen sich zu gleichen Teilen in medizinisches Fachpersonal und ältere Menschen auf. Während in Deutschland und Österreich Senior:innen in den Genuss der ersten Corona-Impfungen kamen, wurde in der Schweiz mit der Impfung "besonders gefährdeter Personen" begonnen. Dazu gehörten neben Senior:innen auch Pflegepersonal und "Personen mit chronischen Krankheiten mit höchstem Risiko, unabhängig vom Alter".

Die Türkei, Serbien, Tschechien und Bulgarien haben eine andere Strategie gewählt. Sie entschieden sich dafür, den Impfstoff zuerst an Politiker zu verabreichen. Damit sollen offenbar die Ängste einer impfskeptischen Bevölkerung zerstreut werden.

Weitere Quellen • Our World in Data