Nach wachsendem Druck aus Hollywood und rechtlichen Drohungen von Disney verschärft ByteDance die Sicherheitsregeln für seine KI‑Video‑App Seedance 2.0.
Der chinesische Technologiekonzern ByteDance will ein umstrittenes, von künstlicher Intelligenz gestütztes Videotool einschränken. Vorausgegangen sind Urheberrechtsbeschwerden mehrerer großer Medienunternehmen.
Seedance 2.0 ist die jüngste Version des KI-Videogenerators und seit dem zwölften Februar nur in China verfügbar. Das Modell ging im Netz viral. Nutzerinnen und Nutzer können mit kurzen Texteingaben realistische Bilder und Videos von bekannten Schauspielern und Zeichentrickfiguren erstellen.
Eines der KI-Bilder zeigte etwa Brad Pitt und Tom Cruise in einem Kampf. Im Netz loben viele Seedance für die besonders realistischen Ergebnisse, vor allem im Vergleich zu bereits etablierten Systemen wie DeepSeek.
Mehrere Hollywood-Studios drohen ByteDance jedoch mit rechtlichen Schritten.
Am 13. Februar schickte Disney dem Unternehmen ein Unterlassungsschreiben. Darin wirft der Konzern ByteDance laut Medienberichten vor, Seedance mit einer „illegal kopierten Bibliothek“ trainiert zu haben, in der auch bekannte Figuren aus Star Wars, Marvel und weiteren Disney-Marken enthalten seien.
Eine Quelle sagte Reuters, in dem Schreiben heiße es, Seedance nutze und verbreite kreative Werke wie „gemeinfreie Clipart“ und verletze damit Disneys Urheberrechte und geistiges Eigentum.
Auch Paramount Skydance schickte ByteDance eine Unterlassungsaufforderung und warf dem Unternehmen Urheberrechtsverletzungen vor, berichtete „Variety“.
„Wir haben die Bedenken zu Seedance 2.0 zur Kenntnis genommen“, erklärte ByteDance am Sonntag in einer Stellungnahme.
„Wir ergreifen Maßnahmen, um bestehende Schutzmechanismen zu verstärken und zu verhindern, dass Nutzer geistiges Eigentum oder das Erscheinungsbild realer Personen unbefugt verwenden“, hieß es weiter.
Welche konkreten Schritte das Unternehmen plant, blieb offen.
Die BBC berichtete, ByteDance habe zuvor erklärt, man habe die Möglichkeit für Nutzer, Bilder realer Personen hochzuladen, vorerst ausgesetzt.
Die US-Gewerkschaft SAG-AFTRA, die die Rechte von Schauspielerinnen, Schauspielern und anderen Kunstschaffenden schützt, äußerte sich besorgt über die „unerlaubte Nutzung der Stimmen und des Abbilds ihrer Mitglieder“. In einer Erklärung forderte der Verband eine „verantwortungsvolle KI-Entwicklung“ – etwas, das man im Fall von ByteDance derzeit nicht gegeben sieht.
Bereits 2025 schickte Disney auch dem Unternehmen Character.ai eine Unterlassungsaufforderung, weil dessen Dienst Figuren des Konzerns ohne Erlaubnis nutzte. Der Chatbot-Dienst entfernte daraufhin alle Charaktere, die Disneys geistiges Eigentum verletzten.
Auch Disney und MBCUniversal klagten 2025 wegen Urheberrechtsverletzung gegen den Online-Bildgenerator Midourney. Das Verfahren läuft noch, zeigt aber, wie weit Disney und andere Kreativunternehmen gehen, um ihr geistiges Eigentum zu schützen.
Gleichzeitig schließen diese Konzerne auch Deals mit KI-Firmen. Disney hat mit OpenAI einen Deal im Volumen von einer Milliarde Dollar abgeschlossen, damit dessen Videogenerator Sora AI im Rahmen einer dreijährigen Lizenzvereinbarung das Erscheinungsbild von Figuren wie Micky Maus, Cinderella und Luke Skywalker kreativ nutzen darf.