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Betrüger am Telefon? Rita Barbosa machte den Fall ihrer Großmutter zur App-Idee

Anwendung erkennt automatisch Telefonbetrug
Anwendung erkennt automatisch Telefonbetrug Copyright  Guardião
Copyright Guardião
Von Ricardo Figueira
Zuerst veröffentlicht am
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Nachdem ihre Großmutter betrogen wurde, entwickelte Rita Barbosa eine App gegen Telefon- und SMS-Betrug. Mit Guardião gewann die 24-Jährige bereits einen großen Wettbewerb in Deutschland - inzwischen unterstützt auch die portugiesische Polizei für öffentliche Sicherheit das Projekt.

Sie ist erst 24 Jahre alt und steht schon hinter einer der meistdiskutierten Apps des Augenblicks - noch bevor sie offiziell auf den Markt kommt. Guardião befindet sich derzeit in der Testphase, soll aber in einigen Wochen verfügbar sein und verspricht, Telefon- und SMS-Betrug wirksam einzudämmen - insbesondere zum Schutz älterer und anderer besonders gefährdeter Menschen. Das von Rita Barbosa und ihrem Bruder Tiago (27) gegründete Start-up hat inzwischen mehrere wichtige neue Partner bekannt gegeben, nachdem bereits eine Zusammenarbeit mit der Polizei für öffentliche Sicherheit (PSP) angekündigt worden war.

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Ritas Großmutter geriet in dieselbe Falle wie viele ältere Menschen. Eines Tages erhielt sie einen Anruf, in dem ihr gesagt wurde, das Wasser, das sie trinke, sei ungeeignet, und sie müsse Filter verwenden, um es sauber und trinkbar zu machen. Das "Unternehmen", das sie kontaktierte, bot ihr vier Filter zu je 1.000 Euro an - also insgesamt 4.000 Euro - und die ältere Frau stimmte dem Kauf zu. Das Problem: Dieselben Filter sind auf dem Markt für etwa zwanzig Euro erhältlich.

Rita machte einen Masterstudiengang in Künstlicher Intelligenz

Erst bei einem Besuch ihrer Enkelin wurde klar, dass sie betrogen worden war. Noch im selben Jahr, 2024, begann Rita einen Masterstudiengang in Künstlicher Intelligenz mit Anwendungen in der Medizin an der Universität Hamburg. Dort kam ihr die Idee zu einer App, die helfen sollte, Situationen wie die ihrer Großmutter zu verhindern - etwas, das durch die jüngsten Fortschritte in der künstlichen Intelligenz erstmals realistisch erschien.

"Da ich mit dieser neuen Spitzentechnologie sehr vertraut bin, habe ich erkannt, dass es mit den neuesten Entwicklungen bereits möglich ist, eine App zu entwickeln, die Handy-Betrug verhindert, ohne Probleme mit dem Datenschutz zu verursachen", erklärt Rita Barbosa. "Etwas, das noch vor sechs Monaten nicht möglich gewesen wäre."

Von dort war es nur ein kleiner Schritt bis zur Präsentation der Idee bei einem internationalen Wettbewerb: Guardião wurde beim Cursor Hackathon AI in Hamburg vorgestellt und mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Rita Barbosa mit dem gewonnenen Preis beim Hackathon in Hamburg
Rita Barbosa mit dem beim Hackathon in Hamburg gewonnenen Preis DR

Daraufhin taten sich Rita und Tiago zusammen, um das Projekt weiterzuentwickeln. Rita brachte das Wertvollste mit: die Idee. Tiago, der einen Masterabschluss in Künstlicher Intelligenz mit Schwerpunkt Cybersicherheit hat, verfügte bereits über Erfahrung beim Aufbau von Start-ups. Er hatte zuvor Three Sigma gegründet, ein führendes Unternehmen im Bereich Finanztechnologie.

"Mein Bruder, der im Bereich Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit arbeitet, sah das Projekt, für das ich den Preis gewonnen hatte, und sagte, er würde mir helfen, es nach Portugal zu bringen", erzählt Rita. "Da er bereits viel Erfahrung mit der Gründung von Start-ups hatte, half er mir dabei, alles in die Praxis umzusetzen. Weil es eine persönliche Geschichte war - nicht nur meine, sondern auch seine -, war er überzeugt, dass meine Mission, die Mobiltelefone besonders gefährdeter Menschen zu schützen, unbedingt verfolgt werden musste. Die Technologie wird immer ausgefeilter, und die einzige Möglichkeit, diese Art von Bedrohung zu bekämpfen, besteht darin, dieselbe Art von Technologie dagegen einzusetzen."

Die Idee war da, das Know-how ebenfalls, und ein Unternehmen war bereits gegründet. Was noch fehlte, war ein Partner, der helfen konnte, das Konzept in eine praktische Anwendung zu verwandeln, die von Millionen Menschen genutzt werden kann. An dieser Stelle kommt Subvisual ins Spiel - eines der wichtigsten portugiesischen Unternehmen im Bereich der App-Entwicklung. Zu seinen Referenzen gehört unter anderem die Entwicklung von StayAway Covid, der App des nationalen Gesundheitsdienstes für Covid-19-Warnungen.

Das Protokoll mit dem PSP wurde am Dienstag, dem 17. März, unterzeichnet.

"Sie wissen, wie man Prozesse beschleunigt, und kennen die Anforderungen an eine sichere App, die von allen Portugiesen genutzt werden kann", erklärt Rita. Neben Subvisual ist auch die Fakultät für Wissenschaft und Technologie der Universität Nova (Nova FCT), an der Rita ihren Abschluss gemacht hat, als Partner an Bord.

Wie funktioniert Guardião?

Der große Vorteil für die Nutzer - insbesondere für die Zielgruppe, die mit diesem Tool erreicht werden soll - besteht darin, dass sie nach der Installation praktisch nichts mehr tun müssen. "Das wurde mit Blick auf die ältere Bevölkerung entwickelt. Deshalb wollen wir immer unsichtbar und proaktiv handeln."

In der Praxis bedeutet das: Man installiert lediglich die App und erteilt die erforderlichen Berechtigungen. Alles Weitere übernimmt die Anwendung selbst. Sie blockiert automatisch jeden Anruf oder jede SMS, sobald der Verdacht besteht, dass es sich um Betrug handelt.

"Die App erkennt alle bekannten Betrugsmuster - ob es sich um den Sohn handelt, der von einer neuen Nummer schreibt und um Geld bittet, oder um die alte Masche, dass man einen wichtigen Preis gewonnen habe, oder um andere standardisierte Betrugsversuche", erklärt Rita Barbosa. "Es ist wie ein virtueller Assistent, der den Anruf prüft und filtert, bevor er das Mobiltelefon überhaupt erreicht. Mit anderen Worten: Wenn es sich um einen betrügerischen Anruf handelt, klingelt das Telefon gar nicht erst. Wenn es eine Nachricht ist, kommt sie nicht an. Die App überprüft Links, analysiert Dringlichkeitsmuster und gleicht sie mit bekannten Betrugsschemata ab."

Nach Angaben der Entwickler kann die App sogar zwischen einer betrügerischen und einer legitimen Nachricht unterscheiden - etwa dann, wenn ein Kind schreibt, es habe sein Handy verloren oder der Akku sei leer, und es nutze deshalb eine neue Nummer. Zwar sind viele von Betrügern verwendete Nummern bereits erfasst, aber nicht immer. Gerade deshalb soll die von der App eingesetzte künstliche Intelligenz bei der Prüfung besonders wirksam sein.

Bislang funktioniert Guardião für SMS und Telefonanrufe. Perspektivisch will Rita den Anwendungsbereich aber auch auf E-Mail und WhatsApp ausweiten. "Wir wollen all diese Plattformen vor Betrug schützen. Daran arbeiten wir bereits."

Rita und Tiago Barbosa, die Gründungsgeschwister von Guardião
Rita und Tiago Barbosa, die Gründungsgeschwister von Guardião DR

Eine der ersten Situationen, die Rita testete, war genau der Betrugsfall, dem ihre Großmutter zum Opfer gefallen war. Die App erkannte sofort den bösartigen Ursprung der Nachricht und blockierte sie. "Das war einer der ersten Tests, die wir intern durchgeführt haben, und sie erkannte sofort, dass es sich um einen Betrug handelte."

Für Rita geht es nicht nur darum, finanzielle Schäden zu verhindern, sondern auch darum, andere gefährdete Menschen vor den emotionalen Folgen solcher Erfahrungen zu bewahren. "Neben dem Geld geht es auch um Angst, Unsicherheit und Isolation. Das belastet die Betroffenen oft stärker als der finanzielle Verlust selbst."

Rita ist überzeugt, dass von den rund zwei Millionen Menschen über 65 in Portugal ein erheblicher Teil für solche Situationen anfällig ist. Laut Polizeidaten ist genau diese Gruppe besonders häufig betroffen. Während dieser Betrug vor allem ältere Menschen trifft, betreffen andere Delikte - etwa sexuelle Erpressung im Internet - eher jüngere Menschen. Rita hält es für denkbar, dass diese oder eine andere von ihr entwickelte App künftig auch solche Fälle verhindern könnte.

Wann wird die App einsatzbereit sein?

Guardião muss mehrere Testphasen durchlaufen, bevor die App der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden kann.

Derzeit befindet sie sich in einer internen Testphase. In der nächsten Phase, die Rita Barbosa voraussichtlich im April abschließen will, soll die App von einer Gruppe von etwa 100 Personen getestet werden. Rita lehnt den Begriff "Versuchskaninchen" ab - darum gehe es nicht. Vielmehr handle es sich um Menschen mit Fachkenntnissen, die wertvolles Feedback geben können, darunter auch Personen, die mit Institutionen wie der PSP oder der portugiesischen Opferhilfevereinigung APAV verbunden sind.

Auch einige Schlüsselpersonen innerhalb der APAV-Struktur werden in dieser Phase mitwirken - darunter Mitarbeiter aus Beratungsstellen für ältere Menschen, etwa von der Safe Internet Line, die täglich mit ähnlichen Fällen wie dem von Ritas Großmutter konfrontiert sind.

Wie Guardião funktioniert

In der dritten Phase sollen dann alle Personen einbezogen werden, die sich über die Website der Anwendung registriert haben, um sie auszuprobieren. Das ist weiterhin möglich.

"Wir wollen sie zunächst mit einer Gruppe von etwa 1.000 Personen testen und dann auf 2.000, 3.000 und so weiter ausweiten. Erst wenn die App an Tausenden Menschen - in sogenannten Kohorten - getestet wurde, wird sie für alle geöffnet", sagt Rita. Das soll "so schnell wie möglich" geschehen. Der Beitrag von Subvisual ist dabei entscheidend: "Sie beschleunigen den Prozess auf unglaubliche Weise."

Welche Rolle spielt die PSP?

"Sie haben denselben Auftrag wie wir: die Menschen zu schützen", sagt Rita. Sie berichtet, dass die Polizei sie kontaktierte, sobald die Nachricht über die Auszeichnung in Deutschland bekannt geworden war.

"Als sie sahen, dass wir uns für den Schutz weiterer Familien einsetzen, erhielt ich einen Anruf von Ricardo Toscano, dem Leiter der Abteilung für Cyberkriminalität der Kriminalpolizei. Er sagte mir, dass die Polizei unsere Ziele sehr unterstütze und bereit sei, bei allem, was wir brauchen, mit uns zusammenzuarbeiten." Die Unterzeichnung des Protokolls sei ein Schritt in die richtige Richtung gewesen.

Für Guardião leistet die PSP vor allem einen wichtigen Beitrag in Form kriminalpolizeilicher Erkenntnisse. "Sie kennen die Betrugsmuster bereits und wissen, wie diese Delikte in Portugal ablaufen, weil sie der PSP häufig gemeldet werden. Im Moment helfen sie uns und geben uns Rückmeldung dazu, wie wir die Menschen besser schützen können."

Ein weiteres Ziel der Zusammenarbeit ist, dass die App künftig auch als Kommunikationsmittel zwischen der Polizei und den Nutzern dienen kann. "Mit anderen Worten: Wer etwas melden möchte, kann das über uns tun, oder wir können die Menschen direkt an die richtigen Ansprechpartner weiterleiten."

"Die App wurde - zumindest in dieser ersten Phase - für die am stärksten gefährdete Bevölkerung entwickelt, mit der die PSP durch verschiedene Präventionsprogramme täglich arbeitet", erklärte Ricardo Toscano gegenüber Euronews. Dazu gehören unter anderem das Programm "Sichere Schule" und das Programm "Support 65", das ältere Menschen unterstützt.

Durch Programme wie diese, bei denen die Polizei in direktem Kontakt mit der Bevölkerung steht, will die PSP die App gerade in diesen Bevölkerungsgruppen bekannt machen - insbesondere bei älteren Menschen, die zumindest in der ersten Phase die Hauptzielgruppe von Guardião sind. Um sie zu erreichen, nutzen die Betrüger ein besonders verbreitetes Mittel: das Telefon.

"Der erste Kontakt mit dem Opfer ist immer oder fast immer ein Telefonanruf", ergänzt Toscano.

Auch bei der Entwicklung der App unterstützt die PSP maßgeblich die Erkennung von Mustern. "Eines der Themen, an denen wir arbeiten, ist die Identifizierung neuer Modi Operandi - also von Gesprächsformen, die die App als potenziellen Betrug erkennen soll", erklärt Toscano. Hinzu kommt, dass die PSP bereits über eine umfangreiche Datenbank mit Telefonnummern verfügt, die bei bekannten Betrugsfällen verwendet wurden.

Der erste Kontakt erfolgt fast immer über einen Telefonanruf.
Ricardo Toscano
Direktor des Zentrums für Cyberkriminalität der PSP

Zu einem späteren Zeitpunkt möchte Ricardo Toscano gemeinsam mit Guardião ein umfassenderes Toolkit entwickeln, das nicht nur Telefonbetrug verhindert, sondern ein "ganzes digitales Ökosystem" abdeckt - einschließlich der Überprüfung von E-Mails oder Online-Handelsseiten. Mehrere große Unternehmen aus dem Sektor sollen bereits Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet haben.

Mit der fortschreitenden technologischen Entwicklung und der immer leichteren Verfügbarkeit entsprechender Mittel sei Betrug einfacher geworden. "Man braucht keine großen technischen Kenntnisse mehr - vor allem seit den jüngsten Fortschritten im Bereich der künstlichen Intelligenz. Heute ist es extrem einfach, solche Straftaten zu begehen", sagt Toscano abschließend.

Diese "Demokratisierung" der Internetkriminalität erfordert aus seiner Sicht eine entsprechende Reaktion - und genau dazu will die neue App einen wichtigen Beitrag leisten. Damit sich Fälle wie der von Ritas Großmutter so selten wie möglich wiederholen.

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