Nach einem historischen Mondvorbeiflug ist die Crew auf dem Weg zurück zur Erde. Rekorddistanz, Funkstille und eindrückliche Bilder machen die Mission zu einem Meilenstein der Raumfahrt.
Die vier Astronauten der Artemis-II-Mission der NASA sind auf dem Rückweg zur Erde. Zuvor hatten sie einen erfolgreichen Vorbeiflug am Mond absolviert. Dabei drangen sie weiter in den Weltraum vor als je ein Mensch zuvor.
Die sogenannte Free-Return-Flugbahn nutzt die Anziehungskräfte von Erde und Mond: So lässt sich Treibstoff sparen. Im Kern wird bei der Flugbahn eine Art kosmische Acht geformt, sie brachte die Crew wieder auf Kurs Richtung Heimat. Am Montagabend tauchte das Raumschiff hinter dem Mond wieder auf. Das Kontrollzentrum der NASA in Houston stellte den Kontakt zur Besatzung erneut her.
Rund 40 Minuten lang war das Signal abgerissen. In dieser Zeit flog das Raumschiff hinter dem Mond entlang. Dieser vorübergehende Funkabbruch galt als eingeplant. Auf der erdabgewandten Seite des Mondes bestand keine direkte Verbindung zur Erde. Die Crew war also in dieser Phase vollständig auf sich allein gestellt.
Vor dem geplanten Kontaktabbruch richtete die Missionskontrolle noch persönliche Worte an die Crew. Kapselkommunikatorin Jenni Gibbons sprach Berichten zufolge von einem Privileg, diesen Moment miterleben zu dürfen.
"Es ist so schön, wieder von der Erde zu hören", sagte Astronautin Christina Koch, als der Kontakt wieder stand. "Wir entscheiden uns immer für die Erde, wir entscheiden uns immer füreinander."
Nach der erneuten Verbindung mit der Missionskontrolle bot sich der Besatzung ein seltener Anblick: eine totale Sonnenfinsternis. Für kurze Zeit schob sich der Mond vor die Sonne. Sichtbar wurde die blasse äußere Atmosphäre des Sterns.
"Wir haben gerade Science-Fiction erlebt. Es wirkt völlig unwirklich", sagte Pilot Victor Glover beim Blick auf das Schauspiel. Zuvor hatte das Artemis-II-Team bereits Geschichte geschrieben.
Es übertraf den Entfernungsrekord der Apollo-13-Mission aus dem Jahr 1970. Zunächst stellten sie den bisherigen Rekord ein, dann übertrafen sie ihn. Am weitesten Punkt lag die Crew 406.778 Kilometer von der Erde entfernt. Das sind 6.606 Kilometer mehr als damals. Bereits zuvor hatte die Distanz bei mehr als 400.000 Kilometern gelegen.
US-Präsident Donald Trump gratulierte den Artemis-Astronauten im Mondorbit. Sie hätten "Geschichte geschrieben" und "ganz Amerika wirklich stolz gemacht, unglaublich stolz".
"Sie sind echte Pioniere unserer Zeit", sagte Trump und ging dann in ein lockeres Gespräch über. "Es gehört eine Menge Mut dazu, was Sie tun", fügte er hinzu und würdigte damit den ersten Mondvorbeiflug der NASA seit mehr als 50 Jahren.
Beobachtungen auf dem Mond
Die Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen übermittelten über Stunden hinweg detaillierte Eindrücke vom Mond, den sie umrundeten. "Es ist überwältigend, was sich mit bloßem Auge erkennen lässt. Es wirkt schlicht unglaublich", funkte der kanadische Astronaut Hansen.
Zugleich richtete er einen Appell an "diese und die kommende Generation, dafür zu sorgen, dass dieser Rekord nicht lange bestehen bleibt". Mehr als sechs Stunden lang beobachtete und dokumentierte die Crew die Mondoberfläche. So entstand eine menschliche Perspektive auf Landschaften, die bislang vor allem durch Aufnahmen unbemannter Sonden bekannt sind.
Victor Glover schilderte den sogenannten Terminator, die Grenze zwischen Tag und Nacht auf dem Mond. "Wow, ich wünschte, ich hätte mehr Zeit, einfach hier zu sitzen und zu beschreiben, was ich sehe", sagte er, bevor er den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der Erde ein anschauliches Bild vermittelte. "Der Terminator ist gerade wirklich beeindruckend. Vom Licht her ist er so markant wie nie zuvor, zumindest aus meiner Sicht."
Kelsey Young, leitende Wissenschaftlerin der Artemis-II-Mission, zeigte sich begeistert. "Oh mein Gott, das war ein unglaubliches Bild, das Sie da gezeichnet haben", sagte sie. "Solche Beobachtungen sind etwas, das nur Menschen leisten können."
"Es hat uns wirklich mitgerissen." Astronautin Christina Koch fand derweil eindrückliche Worte für die Mondlandschaft. Sie beschrieb die Krater in leuchtenden Bildern. "Es wirkt wie ein Lampenschirm mit unzähligen kleinen Löchern, durch die Licht fällt", sagte sie. "Sie strahlen so hell, ganz anders als der übrige Mond."
Vor dem Start bat die Crew um Erlaubnis, zwei auffällige, frisch entstandene Krater benennen zu dürfen. Vorgeschlagen wurden "Integrity", nach ihrer Raumkapsel, und "Carroll", der Name der Ehefrau von Kommandant Wiseman, die 2020 an Krebs starb. Wiseman brach in Tränen aus, als Hansen den Antrag an die Missionskontrolle übermittelte.
Die vier Astronautinnen und Astronauten lagen sich anschließend bewegt in den Armen. Artemis II ist der erste bemannte Mondflug der NASA seit Apollo 17 im Jahr 1972. Die Mission gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zu Artemis III im kommenden Jahr. Dann soll eine Orion-Crew das Andocken an ein Mondlandesystem in der Erdumlaufbahn erproben. Die eigentliche Landung ist für Artemis IV geplant. Zwei Astronauten sollen 2028 nahe dem Südpol des Mondes aufsetzen.