Eine in den Niederlanden ansässige Initiative bietet Nutzerinnen und Nutzern in Europa eine eigene, europäische Alternative zu den sozialen Netzwerken der Tech-Giganten an.
In Europa ist am Donnerstag eine neue Infrastrukturplattform für soziale Medien an den Start gegangen. Sie verspricht den Nutzerinnen und Nutzern die vollständige Kontrolle über ihre Daten und will damit Konzernen wie Meta und X Konkurrenz machen.
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen Brüssel und den US-Technologiekonzernen, die die sozialen Netzwerke beherrschen. Meta und andere Plattformen geraten zunehmend unter Druck, weil sie mit angeblich suchterzeugendem Design arbeiten.
Im Dezember verhängte die Europäische Kommission gegen Elon Musks X die bislang höchste Geldstrafe wegen Verstößen gegen Transparenzregeln.
Parallel dazu erzeugte der KI-Chatbot Grok des Unternehmens nicht-einvernehmliche Deepfake-Nacktbilder. Rund fünfzig Europaabgeordnete forderten daraufhin die Europäische Kommission auf, „jetzt europäische soziale Medien aufzubauen“.
Die neue Initiative mit Sitz in den Niederlanden heißt Eurosky und ist keine eigene Social-Media-Plattform. Sie stellt den Nutzerinnen und Nutzern jedoch eine einheitliche digitale Identität zur Verfügung. Darüber sollen sie die vollständige Hoheit über ihre Daten behalten, die auf europäischen Servern liegen und dem EU-Recht unterliegen.
Mit dieser digitalen Identität können sie sich mit dem AT-Protokoll verbinden. Dieses Rahmenwerk bildet die technische Grundlage für Dienste wie das soziale Netzwerk Bluesky und weitere Apps.
„Der soziale Teil ist von Big Tech chirurgisch entfernt worden. Die eigentliche Chance besteht darin, das Soziale in den sozialen Medien zurückzubringen“, sagte Sebastian Vogelsang, Mitgründer von Eurosky und Geschäftsführer der Flashes.app, einem auf Bluesky basierenden Instagram-Konkurrenten, in einer Medienrunde.
Diese digitale Identität, auch Personal Data Server (PDS) genannt, bündelt alle Beiträge, das Profil und die eigenen Kontakte.
Nach Angaben der Plattform sollen mit dem Wachstum des Ökosystems nach und nach weitere Apps hinzukommen.
„Nur in einem florierenden Ökosystem für Innovationen im Bereich sozialer Netzwerke können wir die Dominanz von Meta, X, Alphabet und ByteDance ernsthaft infrage stellen“, sagte Vogelsang.
Derzeit stützt sich Eurosky jedoch noch teilweise auf die Kerninfrastruktur von Bluesky, vor allem bei der Moderation von Inhalten.
Nach eigenen Angaben arbeitet Eurosky an einem Fahrplan zur vollständigen Eigenständigkeit. Geplant ist unter anderem ein gemeinsames System zur Inhaltsmoderation, das europäische App-Entwickler lizenzieren können.
Erste persönliche Datenspeicher stellte Eurosky im Februar vorab registrierten Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung.
Der Organisation gehören Unternehmer, Technikexperten und zivilgesellschaftliche Gruppen an. Mit dabei ist unter anderem Robin Berjon, früher Datenstratege bei der New York Times.