Fast sechzig Prozent der Befragten in Deutschland hatten laut einer aktuellen Umfrage schon ein Vorstellungsgespräch mit KI. So klappt es besonders gut.
Personalverantwortliche greifen bereits auf künstliche Intelligenz (KI) zurück, um Lebensläufe zu sichten. Einige gehen jetzt noch einen Schritt weiter: Sie lassen das Vorstellungsgespräch von KI führen.
Unternehmen wie Google entwickeln spezialisierte KI-Systeme (Quelle auf Englisch), die Bewerberinnen und Bewerber schon in der Vorauswahl befragen – per Telefon, Videochat mit Bildschirm-Avataren oder per Textnachricht.
Laut einer Studie der Recruiting-Plattform Greenhouse (Quelle auf Englisch) unter fast 3.000 Jobsuchenden in den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich, Irland, Deutschland und Australien steigen jedoch die Zahlen derjenigen, die Auswahlverfahren mit KI abbrechen.
Mehr als die Hälfte der Befragten, die an solchen Gesprächen teilnahmen, hörte danach nichts mehr – entweder, weil das Unternehmen gar nicht mehr reagierte, oder weil sie noch immer auf eine Antwort warten.
Wer sich trotzdem auf ein KI-Vorstellungsgespräch einlässt, sollte wissen, was ihn erwartet – und wie er sich gezielt darauf vorbereiten kann.
Üben, üben, üben
Die wichtigsten Tipps gelten für Gespräche mit Menschen wie mit KI gleichermaßen: die Stellenausschreibung genau lesen, das Unternehmen recherchieren und verstehen, welche Fähigkeiten gefragt sind. Das rät Amanda Augustine, Karriereberaterin beim Unternehmen Careerminds, das entlassenen Beschäftigten bei Lebensläufen und Jobsuche hilft.
„Je besser Sie vorbereitet sind, desto leichter können Sie Ihre Antworten zuschneiden – selbst wenn Sie mit einer KI sprechen und nicht mit einer Person“, sagte sie.
In einem KI-Interview gibt es oft kaum Aufwärmphase oder Smalltalk, um eine Beziehung zur rekrutierenden Person aufzubauen.
Der beste Weg, diese Hürde zu überwinden, ist nach Ansicht von Priya Rathod, Workplace-Trends-Redakteurin beim Online-Jobportal Indeed, lautes Üben: „Sprechen Sie Ihre Antworten wirklich laut aus – das braucht der Chatbot, um alles korrekt zu erfassen.“
Eine KI-Interviewerin „achtet weniger auf meinen Tonfall, sondern vor allem auf den Inhalt“, so Rathod.
„Sie müssen besonders anschaulich und sprachlich sehr klar formulieren, damit die KI all das erkennt, was eine menschliche Interviewerin vielleicht über Mimik und Tonfall wahrnimmt“, ergänzte sie.
Zur Vorbereitung empfiehlt Augustine Online-Simulatoren für Bewerbungsgespräche. Sie zeichnen Antworten auf und geben sofort Rückmeldung zum Inhalt, zur Präsentation oder zum Tempo.
Solche Tools helfen auch dabei, sich an das Sprechen in eine Kamera zu gewöhnen, Zeitvorgaben einzuhalten und Antworten ohne Dialog dennoch strukturiert zu geben, sagte sie.
Vor dem Gespräch sollten Bewerbende außerdem ihren Arbeitsplatz und den Computer sorgfältig einrichten: funktionierende Audio- und Videoverbindungen testen, für gutes Licht sorgen und den Laptop auf Augenhöhe platzieren.
Antworten klar strukturieren
KI-Interviewerinnen stützen sich stark auf Fragen zum Verhalten, sagte Rathod. Dabei fordern sie konkrete Beispiele, wie Bewerbende bestimmte berufliche Situationen gelöst haben – möglichst mit Zahlen und messbaren Ergebnissen.
„Verwenden Sie so oft wie möglich Zahlen“, riet sie. „Auch wenn Sie nicht direkt Umsatz verantworten, können Sie beschreiben, wie Sie etwas beeinflusst oder in einer Gruppe verändert haben.“
Bei solchen Fragen sollten Bewerbende die STAR-Methode nutzen – Situation, Task, Action, Result – und diese Struktur vorab einüben, so Rathod.
Manche Jobsuchende wollen KI nutzen, um Antworten zu formulieren. Rathod warnt jedoch: Für KI-Interview-Software und für Menschen, die die Aufzeichnung prüfen, ist das meist „ziemlich leicht zu erkennen“ und kann Kandidatinnen und Kandidaten sofort aus dem Rennen werfen.
Einige Fragen der KI-Recruiter seien bewusst umständlich formuliert, sagte Mehak Chowdhary, Marketingchefin bei TestGorilla, einer niederländischen Plattform für kompetenzbasiertes Recruiting. So lasse sich prüfen, ob Bewerbende parallel eine KI mitlaufen lassen.
„Wir machen das gezielt, um herauszufinden, ob jemand nebenher eine KI nutzt. Diese versucht dann, die Länge der Frage zu optimieren“, erklärte sie. „Wenn Sie Ihre Fähigkeiten kennen, verstehen Sie jedoch, was wirklich gefragt ist.“
Wer mit einer Frage Schwierigkeiten hat, kann die KI bitten, sie zu präzisieren oder zu wiederholen, fügte sie hinzu.
Dieser Artikel wurde aktualisiert, um den Namen der Recruiting-Plattform Greenhouse zu korrigieren.