Das Abdorrahman-Boroumand-Zentrum, eine Organosation für Menschenrechte, meldet in den ersten sieben Monaten 2026 insgesamt 901 Hinrichtungen im Iran, darunter 56 aus politischen Gründen und 98 Angehörige ethnischer Minderheiten. Die Zahl der Todesurteile steigt damit weiter.
Iran hat seit Beginn des Jahres 2026 mindestens 900 Menschen hinrichten lassen, darunter allein im August 28 Personen. Das geht aus einem Bericht des in Washington ansässigen Abdorrahman Boroumand Center for Human Rights in Iran hervor.
Die Menschenrechtsorganisation verzeichnete zwischen Januar und Juli 901 Hinrichtungen. Sie spricht von einem deutlichen Anstieg des Einsatzes der Todesstrafe in Fällen mit Bezug zur nationalen Sicherheit, bei Drogendelikten und gegen Angehörige ethnischer Minderheiten.
Mindestens 56 Menschen wurden in diesem Zeitraum wegen politischer oder sicherheitsbezogener Vorwürfe hingerichtet, darunter 29 im Zusammenhang mit öffentlichen Protesten, 13 wegen angeblicher Spionage und 14 aufgrund weiterer sicherheitsbezogener Anklagen. Drogendelikte waren für mindestens 268 Hinrichtungen verantwortlich.
Die Zahlen zeigen zudem, dass ethnische Minderheiten und andere besonders verletzliche Gruppen überproportional betroffen sind.
Zwischen Januar und Juli wurden mindestens 98 Angehörige ethnischer Minderheiten hingerichtet, darunter 40 Belutschen, 29 Kurden, 21 Afghanen, sechs Araber, ein Türke und ein Turkmene.
Der Bericht verzeichnet außerdem die Hinrichtung von 16 Frauen sowie von zwei Personen, die zum Zeitpunkt der ihnen vorgeworfenen Taten jünger als 18 Jahre waren. Fünf Hinrichtungen fanden öffentlich statt.
Die meisten Hinrichtungen konzentrierten sich auf einige Provinzen. In Razavi-Chorasan verzeichnete das Zentrum 95 Fälle, in Isfahan 71 und in Alborz 57.
Die neuen Zahlen verstärken die wachsende internationale Sorge über das Ausmaß der Hinrichtungen im Iran.
In einem Bericht an die Generalversammlung der Vereinten Nationen erklärte UN-Generalsekretär António Guterres, im Jahr 2024 seien im Iran mindestens 975 Menschen hingerichtet worden. Das entspricht einem Anstieg um 17 % gegenüber dem Vorjahr und ist der höchste Jahreswert seit 2015.
Der Bericht dokumentiert zudem einen weiteren starken Anstieg in der ersten Jahreshälfte 2025: Zwischen Januar und Juni wurden demnach mindestens 612 Hinrichtungen registriert, 119 % mehr als im gleichen Zeitraum 2024.
Die Vereinten Nationen kritisieren die Anwendung der Todesstrafe im Iran seit Langem, vor allem bei Drogendelikten, sicherheitsbezogenen Anklagen und gegen Angehörige ethnischer Minderheiten. Immer wieder prangern UN-Gremien außerdem fehlende faire Gerichtsverfahren und Geständnisse an, die unter Folter erzwungen worden sein sollen.