Stadtautobahn Neapel wird erste Smart Road Italiens: Das Infrastrukturministerium vergibt Zertifikat, Sensoren und vernetzte Autos treiben Mobilität der Zukunft.
Revolution der intelligenten Mobilität in Italien startet in Neapel. Die Tangenziale di Napoli ist nämlich die erste Straßeninfrastruktur des Landes, die die offizielle Smart-Road-Zertifizierung des Ministeriums für Infrastruktur und Verkehr erhalten hat.
Die Auszeichnung bestätigt den Einsatz moderner Technologien für die Überwachung der Infrastruktur, ein intelligentes Verkehrsmanagement und die Echtzeitkommunikation zwischen Straße und vernetzten Fahrzeugen, einschließlich selbstfahrender Autos.
Damit rückt Italien in eine neue Ära der Mobilität vor. Eine der wichtigsten städtischen Verkehrsachsen des Mezzogiorno wird zu einem nationalen Vorzeigemodell für Innovation.
Das Projekt hinter dem Wandel der Tangenziale di Napoli
Die Initiative ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen der Tangenziale di Napoli, einem Unternehmen der Gruppe Autostrade per l’Italia, dem Ministerium für Infrastruktur und Verkehr, dem Nationalen Zentrum für nachhaltige Mobilität (MOST) und Movyon, dem Technologie-Hub der Aspi-Gruppe.
Das Ziel war klar: Die Infrastruktur sollte Daten in Echtzeit erfassen, auswerten und teilen. So sollte der Verkehr sicherer, effizienter und nachhaltiger werden.
Heute gilt die Tangenziale di Napoli als eines der modernsten italienischen Versuchsfelder für vernetzte und kooperative Mobilität.
Drei Merkmale einer Smart Road
Für die Zertifizierung musste die Tangenziale drei grundlegende Vorgaben der Regelung erfüllen.
Intelligente Verkehrsüberwachung
Entlang des gesamten Netzes erfassen Sensoren fortlaufend Daten zum Verkehr. Fortschrittliche Verkehrsmodelle werten sie aus und unterstützen die Mitarbeitenden in der Leitstelle bei Entscheidungen zur Steuerung des Verkehrsflusses.
So können die Verantwortlichen früh eingreifen. Staus und kritische Situationen lassen sich oft entschärfen, bevor sie zu Notfällen werden.
Echtzeitüberwachung von Wetter und hydrogeologischen Risiken
Ein weiteres Schlüsselelement betrifft die Überwachung der Umweltbedingungen.
Wetterstationen und spezialisierte Sensoren erfassen Daten zu Niederschlag, Fahrbahnzustand, Wasserständen und zur Situation im umliegenden Gebiet. Das System erkennt frühzeitig Risiken wie Überschwemmungen, Erdrutsche oder andere potenziell gefährliche Phänomene und alarmiert die Leitstelle, sobald bestimmte Sicherheitsgrenzen überschritten werden.
Kommunikation zwischen Infrastruktur und Fahrzeugen
Der eigentliche Durchbruch liegt in der bidirektionalen Kommunikation zwischen Straße und Fahrzeug.
Dank Vehicle-to-Infrastructure-Technologien (V2I) erhalten vernetzte Fahrzeuge direkt an Bord Informationen über Unfälle, Baustellen, Hindernisse, Wetterlage, Fahrbahnbeschaffenheit und empfohlene Geschwindigkeit.
Gleichzeitig senden auch die Fahrzeuge Daten an die Infrastruktur. So entsteht ein wesentlich genaueres und nahezu unmittelbares Bild der Verkehrslage.
Der Betreiber reagiert damit nicht mehr nur auf Ereignisse, sondern kann sie vorhersehen und die Mobilität proaktiv steuern.
Über 200 Kameras und 40 Antennen auf 22 Kilometern
Die neue Smart Road in Neapel basiert auf einem engmaschigen Technologienetz.
Entlang der 22 Kilometer langen Tangenziale werden derzeit installiert:
- 217 intelligente Kameras;
- 15 Portale zur Verkehrserfassung;
- 8 Wetterstationen;
- 40 Funkantennen mit ITS-G5- und Cellular-V2X-Technologie.
Alle erfassten Daten laufen auf der zentralen C-ITS-Plattform von Movyon zusammen. Sie verknüpft die Infrastrukturdaten mit weiteren externen Quellen und ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung der Verkehrslage.
Die Systeme erfassen Position, Geschwindigkeit und Fahrtrichtung der Fahrzeuge. Die Fahrerinnen und Fahrer erhalten aktuelle Informationen und profitieren von mehr Verkehrssicherheit und einer besseren Reisequalität.
Vernetzte Autos und autonomes Fahren: Teststrecke zwischen Vomero und Fuorigrotta
Besonders innovativ ist die Erprobung des autonomen Fahrens.
Auf dem Abschnitt zwischen Vomero und Fuorigrotta fand der erste italienische Test statt, bei dem ein autonom fahrendes Fahrzeug seine Geschwindigkeit in Echtzeit an die direkt von der Straße übermittelten Vorgaben angepasst hat.
Derzeit sind auf der Tangenziale di Napoli 30 vernetzte Fahrzeuge im Einsatz, die dauerhaft mit dem Netz kommunizieren.
Das System kann den Fahrenden bereits Gefahren melden, etwa Baustellen, liegengebliebene Fahrzeuge, Unwetter oder andere kritische Situationen. Es schlägt zudem die optimale Geschwindigkeit vor, um die Bildung von Staus zu begrenzen.
„Der heute erreichte Meilenstein des Konzerns Autostrade per l’Italia ist ein sehr wichtiges Ergebnis“, erklärte der Vorstandsvorsitzende von Autostrade per l’Italia, Arrigo Giana.
Einer der Eckpfeiler dieses Wegs ist die Technologie. In dieser Hinsicht – so Giana abschließend – haben wir dank der Synergien innerhalb unserer Gruppe gezeigt, dass wir Wegbereiter und Labor für die Mobilität der Zukunft sein können.