Ein soziales Netzwerk ließ Minderjährige unter 16 Jahren hinein und ging unzulässig mit persönlichen Daten um, berichtet Brasiliens Datenschutzbehörde ANPD.
Die brasilianische Nationale Datenschutzbehörde (ANPD) hat am Dienstag mitgeteilt, dass sie gegen das Unternehmen ByteDance, Eigentümerin des sozialen Netzwerks TikTok, eine Geldstrafe in Höhe von 153,7 Millionen Reais (25,57 Millionen Euro) verhängt hat. Grund seien „Unregelmäßigkeiten bei der Verarbeitung von Daten von Kindern und Jugendlichen“.
Neben der Geldbuße muss die chinesische Plattform unrechtmäßig erhobene Daten löschen. Laut Mitteilung „hat sich ByteDance außerdem verpflichtet, einen Compliance-Plan umzusetzen, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen auf TikTok zu verbessern“.
Die Plattform soll automatisch strengere Privatsphäre-Einstellungen für Konten von Kindern unter 16 Jahren aktivieren, die elterlichen Kontrollsysteme ausbauen und schärfere Inhaltsfilter einführen.
Die brasilianische Aufsichtsbehörde stellte fest, dass Praktiken des chinesischen Unternehmens gegen das nationale Datenschutzgesetz (LGPD) verstoßen. Betroffen seien zwei Nutzungsarten der Plattform, der Feed mit und ohne Registrierung.
Die ANPD erklärte, sie habe festgestellt, dass die von TikTok eingesetzten Mechanismen „nicht ausreichten, um von vornherein eine unsachgemäße Verarbeitung personenbezogener Daten von Kindern und Jugendlichen zu verhindern“.
Die TikTok-Eignerin soll daher die elterlichen Kontrollmöglichkeiten weiter verstärken und strengere Inhaltsfilter einführen.
In der Version ohne Nutzerregistrierung muss TikTok etwa in ganz Brasilien Werbung aussetzen und das Angebot auf Inhalte beschränken, die für alle Altersgruppen geeignet sind. Zudem ist die Bildschirmzeit auf höchstens zwölf Stunden zu begrenzen.
Auch in der Variante ohne Registrierung dürfen Nutzerinnen und Nutzer keine Inhalte posten und keine Live-Streams ansehen.
In diesem Monat wies die ANPD zudem die populäre Streaming-Plattform Discord an, Live-Übertragungen und Videoanrufe auszusetzen, nachdem ein Teenager-Mädchen während eines Streams angeblich zum Suizid ermuntert worden war.
Die Behörde erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, sie prüfe derzeit einen von Discord am Montag eingereichten Einspruch gegen die Sperre.
Brasilien geht seit einigen Jahren deutlich härter gegen soziale Plattformen vor.
Ein neues Gesetz verpflichtet Plattformen, Konten von Nutzerinnen und Nutzern unter 16 Jahren mit den Konten der Eltern zu verknüpfen und das Alter der User zu überprüfen.
Im Jahr 2024 wurde die Plattform X in Brasilien für 40 Tage blockiert, bis das soziale Netzwerk des reichsten Mannes der Welt, Elon Musk, den Anordnungen des Obersten Gerichtshofs nachkam und Konten löschte, die Desinformation verbreiteten.