Mit der schnellen Veränderung der digitalen Welt entstehen ständig neue Tech-Begriffe. Sie reichen von allgegenwärtiger KI bis zur wachsenden Macht der Tech-Bros.
Die vergangenen Jahre haben den digitalen Raum stark wachsen lassen. Fortschritte bei Cloud-Technologien, Künstlicher Intelligenz und neuen Benutzeroberflächen treiben diese Entwicklung voran. Dadurch entstehen ständig neue Tech-Begriffe, denen man kaum hinterherkommt.
Die jüngere Generation der Gen-Z-Beschäftigten, die mit digitalen Technologien aufgewachsen ist, verstärkt diesen Trend. Sie sorgt für ein Bedürfnis nach prägnanten, einprägsamen Tech-Begriffen in der digitalen und der Unternehmenswelt.
Hier sind einige unserer Lieblingsbegriffe aus der Tech-Welt, von denen Sie wahrscheinlich nicht wussten, dass Sie sie kennen sollten.
Ghost Launch
Ein Ghost-Launch bedeutet, dass ein Produkt oder ein Start-up still und leise auf den Markt kommt. Kein Hype, keine öffentlichen Ankündigungen, keine große Marketingkampagne, kein langes Vorab-Getöse.
Unternehmen stellen das Produkt einfach in einen App-Store, auf eine Website oder Plattformen wie Product Hunt und beobachten dann in Ruhe, wie echte Nutzer reagieren. So lässt sich das natürliche Interesse messen, ohne Druck von außen.
Oft wollen Firmen zunächst sehen, wie ein Angebot unter realen Bedingungen läuft. Sie testen die Nutzung und achten auf Fehler, bevor eine große Öffentlichkeit hinschaut.
Ein Ghost-Launch nimmt Gründerinnen und Gründern auch die psychologische Angst vor dem Scheitern. Er kann sie aus der Perfektionsfalle holen, in der Projekte immer wieder verschoben werden, und sie dazu bringen, das zu veröffentlichen, was bereits funktioniert.
Die Kehrseite: Ein Ghost-Launch kann völlig verpuffen. Das Produkt bleibt unsichtbar, und Nutzerinnen und Nutzer reagieren gar nicht.
Broligarchy
Broligarchy bezeichnet eine kleine Gruppe extrem reicher und mächtiger Männer aus der Tech-Szene, sogenannte Tech Bros, etwa Elon Musk, Mark Zuckerberg oder Peter Thiel. Sie nutzen ihr riesiges Vermögen, um politischen Einfluss zu gewinnen.
Statt nur Lobbyisten zu bezahlen, übernehmen diese Führungspersönlichkeiten selbst Rollen in der Politik oder knüpfen enge Beziehungen zu wichtigen Staats- und Regierungschefs. So versuchen sie, Regeln zu beeinflussen, Fördermittel zu erhalten oder lukrative Verträge zu sichern.
So unterstützte Elon Musk mit Hunderten Millionen Dollar einen US-Präsidentschaftswahlkampf. Zeitweise fungierte er zudem als ranghoher Berater des Präsidenten und de-facto-Chef des „Department of Government Efficiency“ (DOGE).
Ähnlich trug Peter Thiel maßgeblich dazu bei, die politische Karriere von Vizepräsident JD Vance zu starten. Gleichzeitig sicherte sich seine Data-Mining-Firma Palantir Milliarden schwere Verteidigungs- und Regierungsaufträge.
AI-Horning
AI-Horning beschreibt den Trend, dass heute in fast jedem digitalen Dienst irgendeine KI-Funktion steckt. Vom KI-Überblick bei der Google-Suche über KI-Bilder auf Instagram bis zum KI-DJ bei Spotify.
Immer mehr Unternehmen bauen KI auch dort ein, wo sie eigentlich nicht nötig ist. Oft nur, um beim Hype mitzuhalten. Für Kundinnen und Kunden werden Angebote dadurch objektiv schlechter, teurer und komplizierter.
Beispiele sind Navigationsfunktionen, die verwirrend sind oder Sie mitten ins Nirgendwo schicken. Oder Chatbots, die echte Fragen nie beantworten, sondern mit automatisierten Standardfloskeln zupflastern.
Quit Shaming
Wer schon einmal ein Abo kündigen wollte, kennt das Phänomen: Statt eines einfachen Klicks taucht eine Flut von Seiten auf, die immer dringender fragt, warum Sie gehen und was man tun könnte, damit Sie bleiben.
Herzlichen Glückwunsch – Sie sind „quit-geschämt“ worden.
Viele Menschen kennen die wachsende Frustration, bei jeder einzelnen Angebotsschaltfläche „nein“ anklicken zu müssen, um eine Kündigung durchzusetzen: Pause-Angebote, Rabatte, Paketangebote und vieles mehr.
Leider ist es inzwischen oft üblich, dass man zum Kündigen eines Abos jemanden anrufen muss, statt einfach auf eine Schaltfläche „Abo beenden“ zu klicken.
Algospeak
Da immer mehr soziale Netzwerke und digitale Plattformen strengere Inhaltsregeln und Zensurmaßnahmen einführen, hat sich Algospeak in den vergangenen Monaten stark verbreitet.
Dahinter steckt eine Form der Selbstzensur. Nutzerinnen, Nutzer und Creator verwenden harmlose oder codierte Sprache, um nicht gesperrt oder „shadow-banned“ zu werden. So umgehen sie automatische Filter. Sie nutzen Ersatzwörter, alternative Schreibweisen oder sogar Emojis.
Typische Beispiele sind Begriffe wie „unalive“ statt „sterben“, „seggs“ statt „Sex“, „pew pew“ für eine Waffe und „leg booty“ für die LGBTQ+-Community.
Algospeak kann kurzfristig helfen, strenge Inhaltsregeln zu umgehen. Es macht aber deutlich, wie grundlegend fehleranfällig automatisierte Filter bei der Erkennung expliziter oder unerwünschter Inhalte sind.
Subscription Creep
Ein weiteres Phänomen, das vielen inzwischen nur zu vertraut ist, nennt sich Subscription Creep.
Gemeint ist die schleichende Ansammlung kleiner monatlicher Software- und Abo-Gebühren. Sie belasten im Hintergrund das Konto, bis man plötzlich merkt, dass man für Dutzende Euro Dienste und Tools bezahlt, die man nie nutzt.
Das Problem verschärft sich, weil immer mehr notwendige Leistungen nur noch im Abo erhältlich sind. Man hat kaum eine Wahl. Video-Türklingeln, Fitness-Tracker, Drucker, Spielkonsolen und vieles mehr kommen oft mit eigenen Abo-Modellen – und die Kosten summieren sich schnell.
Enshittification
Leider sind fast alle Nutzerinnen und Nutzer in den vergangenen Jahren auf die eine oder andere Weise mit Enshittification konfrontiert worden. Der Begriff beschreibt, wie digitale Plattformen oder Dienste langsam, aber gezielt schlechter werden, weil Unternehmen höhere Profite über die Nutzererfahrung stellen.
Ein Beispiel sind soziale Netzwerke, deren Feeds sich von Beiträgen echter Freundinnen, Freunde und Familienmitglieder entfernen. Stattdessen werden Nutzerinnen und Nutzer intensiver verfolgt, bekommen mehr personalisierte Werbung und algorithmische Klickköder.
Ähnlich setzen viele Suchmaschinen inzwischen bezahlte Anzeigen vor relevante Treffer. Online-Marktplätze drängen gesponserte Angebote nach vorne, die echte Produktoptionen verdrängen.
Enshittification betrifft auch smarte Geräte wie Drucker, Traktoren oder Haushaltsgeräte. Software-Updates können plötzlich Bezahlschranken einführen oder Reparaturen durch Drittanbieter blockieren.