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Iran-Krieg legt Reisen lahm: Nahost droht Verlust von 40 Milliarden € im Tourismus

Für die Tourismusbranche im Nahen Osten dürften die Folgen besonders schwer ausfallen.
Für die Tourismusbranche im Nahen Osten drohen besonders schwere Folgen. Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Rebecca Ann Hughes
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die Tourismusbranche im Nahen Osten und in der Golfregion rechnet mit schweren Folgen des Konflikts; Reiseveranstalter warnen vor massiven Einbrüchen.

Die Eskalation des Konflikts zwischen den USA, Israel und Iran hat die Tourismusbranche im Nahen Osten und im Golf in Turbulenzen gestürzt.

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Regierungen haben Reisewarnungen ausgesprochen oder raten von allen nicht unbedingt notwendigen Reisen in Länder wie Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar ab. Außerdem bleibt ein breiter Korridor im Luftraum der Region gesperrt.

Reisende in Hotspots wie Dubai und Doha versuchen fieberhaft, einen Platz auf den wenigen Evakuierungsflügen zu bekommen, die derzeit noch starten.

Am Montag erklärte US-Präsident Donald Trump, die Militäroperation in Iran sei ursprünglich auf vier bis fünf Wochen angelegt gewesen, könne sich aber „weit länger hinziehen“.

Für die Tourismuswirtschaft im Nahen Osten dürften die Folgen erheblich sein.

Im Nahen Osten könnten bis zu 30 Millionen Gäste wegbleiben

Die wachsenden Spannungen drohen einen Tourismusboom auszubremsen, von dem der Nahe Osten und der Golfraum in den vergangenen Jahren profitiert haben. Ob dies nur vorübergehend oder dauerhaft ist, ist offen.

Ibrahim Khaled leitet das Marketing der Middle East Travel Alliance (Quelle auf Englisch), einem B2B-Netzwerk, das in der Region mit internationalen Reiseveranstaltern und -büros arbeitet.

„Wir sehen seit Jahren ein stetiges Wachstum bei den Besucherzahlen, vor allem dank der vielen neuen Investitionen in den Tourismus in der gesamten Region“, sagt er zu Euronews Travel.

„Saudi-Arabien macht derzeit rund zehn Prozent unseres Geschäfts aus, wächst aber rasant, seit das Land sich 2019 für Freizeittourismus geöffnet hat. Das ist im Moment unser spannendstes aufstrebendes Reiseziel.“

Die Ereignisse am Wochenende haben dieses Wachstum abrupt gestoppt.

„In den Regionen, für die Regierungen in den USA und im Vereinigten Königreich No-go- oder No-fly-Warnlisten herausgegeben haben, erleben wir leider eine wahre Flut von Stornierungen“, sagt Khaled. „Der Flugverkehr ist stark gestört, Reisen in diese Gebiete liegen praktisch auf Eis.“

Ein neuer Bericht des Analysehauses Tourism Economics liefert Prognosen zu den Auswirkungen des Krieges auf den regionalen Tourismus. Die Einschätzungen decken sich mit dem Bild der Travel Alliance.

„Wir schätzen, dass die Zahl der ankommenden Gäste im Nahen Osten im Jahr 2026 infolge des Konflikts um elf bis 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgehen könnte. Unsere Prognose vom Dezember war noch von einem Wachstum von 13 Prozent ausgegangen“, erklärten Helen McDermott, Director of Global Forecasting, und Senior Economist Jessie Smith.

„In absoluten Zahlen würde das bedeuten: 23 bis 38 Millionen weniger internationale Besucher im Vergleich zu unserer bisherigen Prognose und ein Rückgang der Ausgaben von 34 bis 56 Milliarden Dollar (29 bis 48 Milliarden Euro). Darin enthalten sind auch länger anhaltende Stimmungseffekte, die über die unmittelbare Konfliktphase hinausgehen.“

Die Analystinnen gehen davon aus, dass der Effekt auf die Reiselust stärker sein wird als beim Konflikt im vergangenen Jahr.

Ein wesentlicher Grund sind die Vergeltungsangriffe Irans auf benachbarte Staaten des Golf-Kooperationsrats (GCC), die als etablierte Reiseziele gelten. Hinzu kommen weiter reichende Luftraumsperrungen als im Vorjahr.

Golfstaaten dürften am stärksten leiden

Tourism Economics erwartet, dass die Länder des Golf-Kooperationsrats die größten Verluste bei den Besucherzahlen verkraften müssen. „Sie sind die wichtigsten Reiseziele der Region und haben bislang stark von einem Bild der Sicherheit und Stabilität profitiert“, so McDermott und Smith.

Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien gelten als besonders verwundbar. Sie ziehen große Zahlen internationaler Gäste an und hängen stark vom Flugverkehr ab. Nach Einschätzung der Expertinnen reagiert die Nachfrage beim Fliegen sensibler auf eine eingetrübte Stimmung als bei Reisen über Land.

Zum Vergleich: In Katar und Bahrain entfallen 32 beziehungsweise 74 Prozent der Anreisen auf den Landweg. Entsprechend fallen die relativen Einbußen dort geringer aus.

„Angesichts der breit angelegten Vergeltungsschläge Irans am Wochenende dürfte die Verunsicherung jedoch in allen GCC-Staaten zunehmen“, heißt es in dem Bericht.

Tourism Economics verweist außerdem auf die Rolle des Nahen Ostens als globales Drehkreuz. Die Flughäfen der Region stehen für rund 14 Prozent des internationalen Transitverkehrs.

Das hat zwangsläufig Folgen auch außerhalb der Region. Die aktuellen Störungen verändern die Verkehrsströme, die üblicherweise über die Drehkreuze im Nahen Osten führen – darunter viele wichtige Routen zwischen Europa und der Asien-Pazifik-Region.

Eine widerstandsfähige Region

Trotz der ernsten Lage rechnen Branchenkenner nicht mit einem langfristigen Einbruch.

„Wir sorgen uns nicht über die langfristigen Auswirkungen auf unser Unternehmen oder den Tourismus in der Region. Der Nahe Osten ist ein äußerst widerstandsfähiger Markt, die Nachfrage zieht in der Regel schnell wieder an, sobald sich die Lage stabilisiert“, sagt Khaled.

Gloria Guevara, Präsidentin und Geschäftsführerin des World Travel & Tourism Council, sieht es ähnlich. „Reisen und Tourismus haben ihre Widerstandskraft gegenüber globalen Krisen immer wieder bewiesen“, erklärte sie in einer Stellungnahme.

„Als treibende Kraft für Verbindungen, wirtschaftliche Stabilität und gegenseitiges Verständnis passt sich die Branche ständig an und reagiert verantwortungsvoll, auch in Phasen großer Unsicherheit.“

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