Die europäische Sommerzeit steht vor der Tür. Ein guter Moment, um einen Blick auf die verschiedenen Zeitzonen rund um den Globus zu werfen.
Die meisten von uns schauen auf ihr Handy oder ihre Armbanduhr, um zu wissen, wie spät es ist. Da kann die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit fast unbemerkt vorbeigehen. Es sei denn, man hat ein Haustier, dessen innere Uhr sich nicht für EU-Richtlinien interessiert. Oder man heißt Peter Hitchens.
Die Mitteleuropäische Sommerzeit beginnt immer am letzten Sonntag im März um zwei Uhr nachts. Dann springen die Uhren eine Stunde vor, damit wir die längeren Tage besser nutzen können. In diesem Jahr ist das Sonntag, der 29. März, also dieses Wochenende.
Das ist ein guter Anlass, sich die Geschichte der Zeitzonen anzuschauen. Und einige der Merkwürdigkeiten, die dieses System weltweit hervorgebracht hat.
Zeitzonen orientieren sich an der koordinierten Weltzeit (UTC), dem Nullpunkt entlang des Nullmeridians. Die Erde ist eine Kugel (sorry, ihr Anhänger der flachen Erde) und lässt sich in 360 Grad einteilen. Ein Tag hat 24 Stunden. Die Idee lautet: Für jeweils 15 Grad östlich des Nullmeridians verliert man eine Stunde, für 15 Grad westlich gewinnt man eine.
Weil Staaten ihre Zeitzonen selbst festlegen, entspricht das in der Praxis aber nicht immer der geografischen Realität.
Spanien in der „falschen“ Zeitzone
Rein geografisch liegt der Großteil von Spanien in der Zeitzone UTC+00:00, also der Westeuropäischen Zeit. Dazu gehören auch Großbritannien, Irland und Portugal.
Seit dem Zweiten Weltkrieg richtet sich Spanien aber nach der Mitteleuropäischen Zeit, also UTC+01:00. Die Umstellung erfolgte im März 1940. Oft heißt es, Francisco Franco habe sie vollzogen, um sich an Nazi-Deutschland anzunähern, doch das gilt inzwischen als Mythos.
In der Anordnung zur Zeitumstellung hieß es, Spanien passe sich damit anderen europäischen Ländern an, die diesen Schritt schon Wochen zuvor gegangen waren, erklärt Pere Planesas, früher Astronom am Nationalen Astronomischen Observatorium. Deutschland stellte seine Uhren erst im April um.
Ein Parlamentsausschuss empfahl 2013 (Quelle auf Englisch), zur ursprünglichen Zeitzone zurückzukehren. Passiert ist seither kaum etwas.
Malediven: eigene „Resort-Zeit“
Offiziell gilt auf den Malediven die Zeit UTC+05:00. Die nächsten Nachbarn, Indien und Sri Lanka, stellen ihre Uhren hingegen auf UTC+05:30.
Viele Resorts auf den Malediven legen sich jedoch ihre eigene Zeit fest. Gäste sollen ihre Uhren um eine Stunde vorstellen, auf UTC+06:00.
Wenn man den Tag ohnehin größtenteils mit Cocktails am Pool, Tauchgängen am Riff und langen Besuchen am Buffet verbringt, spielt die genaue Uhrzeit kaum eine Rolle, bis das Wasserflugzeug oder Schnellboot zurück in die Hauptstadt Malé geht. Und Sonnenaufgangs-Yoga klingt um sieben Uhr deutlich verlockender als um sechs.
China: nur eine offizielle Zeitzone
China ist flächenmäßig das drittgrößte Land der Welt und erstreckt sich geografisch über fünf Zeitzonen von UTC+05:00 bis UTC+09:00. Offiziell gibt es jedoch nur eine: UTC+08:00.
Diese Einheitszeit heißt Pekinger Zeit. Die Volksrepublik führte sie 1949 nach ihrer Gründung ein.
Rund 94 Prozent der Bevölkerung leben im Osten des Landes. Für sie ist der Unterschied zwischen der „astronomisch richtigen“ Zeit und der Pekinger Zeit kaum spürbar. Im Westen sieht das anders aus: Wer von der Region Xinjiang nach Afghanistan reist, gewinnt auf einen Schlag dreieinhalb Stunden.
Deshalb orientieren sich viele Menschen in Xinjiang gleichzeitig an der sogenannten Ürümqi-Zeit (UTC+06:00) und an der Pekinger Zeit. Wer dort jemanden auf der Straße nach der Uhrzeit fragt, bekommt nicht selten zwei Antworten.
Nepal: Zeitzone mit 45-Minuten-Versatz
Die meisten Länder weltweit richten sich nach vollen Stundenabständen zu UTC. Einige arbeiten mit Abweichungen von dreißig Minuten. Nepal gehört zu nur drei Orten, die einen Versatz von fünfundvierzig Minuten haben, UTC+05:45.
Früher nutzte das Land eine lokale mittlere Zeit, berechnet nach der Hauptstadt Kathmandu. Sie entsprach UTC+05:41:16. Der Versatz von fünfundvierzig Minuten ist also nicht völlig aus der Luft gegriffen. Auch andere Länder arbeiteten zeitweise mit solcher mittleren Ortszeit, etwa Irland, das bis 1916 UTC-00:25:21 verwendete.
Noch eine Kuriosität: Nepal hat zudem seinen eigenen Kalender, den Vikram-Samvat. Er liegt je nach Jahreszeit sechsundfünfzig bis siebenundfünfzig Jahre vor dem gregorianischen Kalender.
Australien: der Endgegner der Sommerzeit
In Australien entscheiden die Bundesstaaten selbst, welche Zeitzone gilt und ob sie die Sommerzeit anwenden. Bei sechs Bundesstaaten und mehreren inneren und äußeren Territorien wird es schnell kompliziert.
Western Australia bleibt das ganze Jahr über bei UTC+08:00. Das Northern Territory und South Australia stellen auf UTC+09:30, wobei South Australia in der Sommerzeit auf UTC+10:30 geht. Queensland, New South Wales, das Jervis-Bay-Territorium, das Australian Capital Territory, Victoria und Tasmanien liegen bei UTC+10:00. In der Sommerzeit springen alle außer Queensland auf UTC+11:00.
Die Cocos-(Keeling)-Inseln nutzen UTC+06:30, Christmas Island liegt bei UTC+07:00. Beide kennen keine Sommerzeit. Norfolk Island stellt auf UTC+11:00 und rückt während der Sommerzeit auf UTC+12:00 vor.
Hinzu kommen Sonderfälle wie Broken Hill in New South Wales an der Grenze zu South Australia, wo wiederum andere Zeitzonen gelten. Alle diese Ausnahmen aufzuzählen, würde jedoch den Rahmen und auch meine Geduld sprengen.
Arizona und Hawaii lehnen die Sommerzeit ab
In den USA stellen achtundvierzig Bundesstaaten zweimal im Jahr die Uhren um. Am zweiten Sonntag im März geht es eine Stunde vor, am ersten Sonntag im November wieder zurück.
Nur zwei machen nicht mit: Arizona und Hawaii.
Arizona hatte die Sommerzeit früher zeitweise eingeführt. Im heißen Wüstenklima ist es für viele Menschen aber sinnvoller, früher aufzustehen, wenn es noch kühler ist. Eine Ausnahme bildet die Navajo Nation, deren Gebiet sich über mehrere Bundesstaaten erstreckt, die die Sommerzeit anwenden.
Auf Hawaii liegen die Inseln nahe am Äquator. Die Zeiten von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang schwanken dort ohnehin nur minimal.
Auch die Außengebiete der USA wie Puerto Rico, die Amerikanischen Jungferninseln, Guam, Amerikanisch-Samoa und die Nördlichen Marianen stellen ihre Uhren nicht um.
Von Amerikanisch-Samoa nach Samoa: zweihundert Kilometer, ein Tag Unterschied
Die internationale Datumsgrenze liegt auf der gegenüberliegenden Seite des Globus zum Nullmeridian. Sie markiert den Punkt, an dem ein Kalendertag endet und der nächste beginnt. Dort treffen UTC-12:00 und UTC+12:00 aufeinander.
Sie verläuft im Pazifik und ist keine gerade Linie, weil Länder und Territorien entscheiden können, auf welcher Seite der Datumsgrenze sie liegen wollen.
So entschied sich Samoa Ende 2011, auf die andere Seite der Linie zu wechseln. Seither ist das Land seiner Nachbarinsel Amerikanisch-Samoa um einen Tag voraus, obwohl nur rund zweihundert Kilometer dazwischen liegen. Der Schritt sollte die engeren wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Australien und Neuseeland widerspiegeln, die wichtiger sind als die zu den USA.