Viele Menschen freuen sich auf die Sonnenfinsternis, doch für die Solarbranche bedeutet sie eher Stress.
Energieversorger und Netzbetreiber stellen sich auf die Folgen der Sonnenfinsternis in dieser Woche für die Stromproduktion aus Solarenergie ein.
Am Mittwoch, dem zwölften August, wird die Sonne über weiten Teilen Westeuropas teilweise verdeckt. In großen Teilen Spaniens sowie in kleineren Regionen Portugals, Grönlands und Islands kommt es sogar zu einer totalen Sonnenfinsternis.
Solarstrom ist inzwischen ein wichtiger Baustein im Energiemix Europas und machte 2025 rund 13 Prozent der Stromerzeugung in der EU aus. Das rund zweistündige Himmelsereignis könnte dieses Gefüge spürbar aus dem Gleichgewicht bringen.
In Spanien spielt Solarenergie eine noch größere Rolle: sie deckt zwischen 21 und 22 Prozent des Strombedarfs. Weil ein Großteil des Landes in den Bereich der totalen Finsternis fällt, dürfte Spanien besonders stark betroffen sein.
Der spanische Netzbetreiber Red Eléctrica de España (REE) hat Vorsichtsmaßnahmen angekündigt, um die erwarteten Auswirkungen auf die Photovoltaik (PV) abzufedern. Die Effekte seien „begrenzt und vorübergehend“, so das Unternehmen.
Die Sonnenfinsternis erreicht Europa am frühen Abend, wenn die Solarproduktion ohnehin nachlässt. Nach Berechnungen von REE dürfte die Einspeisung auf der Iberischen Halbinsel dennoch um bis zu fünf Gigawatt sinken – das entspricht etwa 13 Prozent der Spitzenlast an einem typischen August-Mittwoch.
REE koordiniert sich nach eigenen Angaben eng mit Behörden, anderen europäischen Übertragungsnetzbetreibern (TSOs) sowie den nationalen Erzeugungs- und Verteilungsleitstellen. Das Unternehmen stockt zudem die üblichen Reserven und Sicherheitsmargen auf und überwacht die Lage laufend.
Europaweit könnte die PV-Produktion um bis zu 9,7 Gigawatt zurückgehen, schätzt der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber für Strom (ENTSO-E).
Sonnenfinsternis in Großbritannien: Haushalte sollen Stromverbrauch drosseln
Im Vereinigten Königreich wählt der große Haushaltsstromanbieter Octopus Energy einen ungewöhnlichen Ansatz. Das Unternehmen will seine Kundinnen und Kunden mit Prämien zu einem „Eclipse Power Down“ motivieren.
„Wenn die Sonne vom Netz geht, wollen wir, dass Sie es auch tun“, heißt es in der Kampagne. Haushalte, die während der Finsternis weniger Strom verbrauchen als üblich, erhalten als Belohnung am Sonntag eine Stunde kostenlose Energie.
Die Gratisstunde ist auf 16 kWh begrenzt – „mehr, als ein normaler Haushalt in einer Stunde verbrauchen könnte (eher so viel, wie man braucht, um die Beleuchtung in einem kleinen Sportstadion anzulassen)“, erklärt Octopus Energy. Wer teilnehmen will, muss sich für das Prämienprogramm des Unternehmens registrieren.
Das Angebot von Octopus ist mehr als ein PR-Gag. Damit die Netzfrequenz im sicheren Bereich bleibt und Abschaltungen sowie Stromausfälle vermieden werden, müssen Erzeugung und Verbrauch in Echtzeit sehr genau im Gleichgewicht sein.
Wenn Haushalte ihren Verbrauch senken, während die Produktion aus erneuerbaren Energien einbricht, kann das helfen, den Einsatz zusätzlicher, klimaschädlicher fossile Gaskraftwerke zur Überbrückung zu vermeiden.
Das Unternehmen hofft, dass die Aktion das Stromnetz entlastet. Die Sonnenfinsternis könnte nämlich „einen riesigen Anteil der britischen Solarleistung ausfallen lassen – genau in dem Moment, in dem Millionen Menschen nach Hause kommen und die Nachfrage nach Strom sprunghaft steigt“. Der Bedarf an Energie für Kühlung dürfte in dieser Woche besonders hoch sein, denn Großbritannien erlebt bereits die fünfte Hitzewelle des Jahres.
Während der Finsternis selbst dürfte die Nachfrage allerdings unter dem Üblichen liegen. Nach Einschätzung des britischen National Energy System Operator (NESO) werden Millionen Menschen nach draußen gehen, um das Phänomen zu verfolgen.
Über Teilen des Vereinigten Königreichs deckt der Mond am Mittwochabend voraussichtlich bis zu 95 Prozent der Sonnenscheibe ab.
Portugal: Wasser- und Wärmekraftwerke sichern Stromversorgung
In Portugal rechnet der Netzbetreiber Redes Energéticas Nacionais (REN) damit, zusätzliche Energiereserven anzapfen zu müssen, um den Ausfall von Solarstrom durch die Finsternis auszugleichen.
In einer am Montag, dem zehnten August, veröffentlichten Mitteilung (Quelle auf Englisch) teilte das Unternehmen mit, dass „zusätzliche Reserven aus Wasser- und/oder Wärmekraftwerken mobilisiert werden müssen“, um Angebot und Nachfrage im Nationalen Elektrizitätssystem (SEN) wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Das sei auch nötig, um die Stabilität der Stromverbindung zwischen den portugiesischen und spanischen Netzen zu sichern.
REN erwartet einen Rückgang der Solarstromproduktion um 450 Megawatt. Das entspricht rund sieben Prozent des Verbrauchs und 45 Prozent der durchschnittlichen Solarleistung, die das Nationale Elektrizitätssystem für den Zeitraum zwischen 18.30 Uhr und 20.30 Uhr prognostiziert.
In Portugal kommt es zu einer „fast totalen“ Sonnenfinsternis. Im Algarve wird die Sonne zu 92 Prozent verdeckt, in der Gemeinde Bragança sogar vollständig. Als bester Ort für die Beobachtung der Finsternis gilt das Dorf Guardamil.